Bahrens, Sie bleiben heute unsere Gäste?" fragte Madame Roberts diese. – "Nichts da – – Madame Bahrens wird n i c h t zanken," setzte sie freundlich hinzu, als Bahrens Schwierigkeiten machen wollte. "Wir m ü s s e n diesen Tag zusammen feiern, und ich wünschte nur, Mr. Brown wäre auch noch hier. Das lässt sich freilich jetzt nicht mehr ändern. Machen Sie also Ihre Geschäfte recht schnell ab, Mr. Rowson, und Sie sollen uns, wenn Sie zurückkommen, fertig gerüstet und bereit finden."
Rowson bestieg das ihm von dem Negerknaben vorgeführte Pferd, winkte noch einen Gruss zurück und trabte, schneller als es sonst seine Art war, wenn er Roberts' oder irgend ein anderes Haus der Ansiedlung verliess, die schmale Countystrasse entlang.
30.
Der Hinterhalt.
Nachdem Weston Atkins' wohnung verlassen, hatten es sich die beiden Fremden so bequem gemacht, als es die Umstände erlaubten, und Curtis trat jetzt in die Tür und schaute sinnend zu den blauschwarzen Wolkenmassen empor, die sich im Westen aufzutürmen begonnen.
"Sollte mich gar nicht wundern, wenn das Wetter hierherzu käme," sagte Atkins an seiner Seite – "seht einmal, wie die weissen dünnen Nebelschleier vorneweg jagen. – Wenn wir nur keinen Hurricane bekommen. Vor sechs Jahren am Whiteriver sah's ebenso aus, und da war nachher der Teufel los."
"Waret Ihr vor sechs Jahren am Whiteriver?" fragte ihn Cook.
"Ja – und wohnte etwa zwei Meilen unterhalb der Strasse, die von Memphis nach Batesville führt."
"Das muss ja wohl zu der Zeit gewesen sein, wo sie den Witchalt hingen, der seinen Vater erschlagen hatte, nicht wahr?" fragte Curtis.
"Später," meinte Atkins, "ich kam etwa vier Wochen, nachdem er gehangen war."
"Die Whiteriver Boys übten strenge Gerechtigkeit," lachte Cook – "den Pferdedieb – wie hiess er doch gleich – liessen sie auch baumeln."
"Das kann ich ihnen nicht verdenken," rief Curtis – "mit Pferdedieben darf kein rechtlicher Kerl Erbarmen haben – das heisst, wenn er selbst Pferde hat, nicht wahr, Atkins?"
"Ihr betreibt Eure Gerechtigkeit sehr eigennützig," – antwortete dieser ausweichend – "aber – Ihr werdet hungrig sein, nicht wahr? Ich will –"
"Danke – danke," rief Curtis, ihn aufhaltend – "wir haben tüchtig zu Mittag gegessen und können recht gut bis zur gehörigen Zeit warten – macht Euch keine Umstände. – Eurer Frau wird heute überdies nichts an ausserordentlichen Mahlzeiten liegen."
"Nein, allerdings nicht," sagte Atkins, "denn das ist eine Wirtschaft da drüben, dass Einem hören und Sehen vergeht."
"Ist das Kind denn noch immer nicht besser?"
"Leider nein – wie wär's aber auch anders möglich? Es ist schon schlimm genug, wenn ein Kranker e i n e m Doctor in die Fäuste fällt, hier sind ihrer aber elf drüberher, und ich baue jetzt so fest auf meines Kindes Constitution, dass ich wirklich glaube, sie k ö n n e n ' s nicht todtmachen, sonst wär' es schon lange gestorben. – Ich will aber lieber Licht holen, es fängt an, dunkel zu werden. Donnerwetter, wie der Wind draussen pfeift, wir haben doch dieses Jahr einen merkwürdig stürmischen Frühling."
Er verliess bei diesen Worten das Zimmer, und die beiden Regulatoren sahen sich im alleinigen Besitz desselben.
"Hört, Curtis," sagte nach einer kleinen Pause Cook zum Freunde, "um Atkins tut mir's wahrhaftig leid, dass der auch Einer von den Schuften ist."
"Sprecht leiser," ermahnte dieser – "wer zum Henker weiss denn, ob nicht da oben irgend Jemand versteckt liegt. – Ja mir auch, beiläufig gesagt; er ist sonst im Ganzen ein recht ordentlicher Kerl, und ich habe ihn immer ganz gut leiden können. Freilich hat er einen etwas falschen blick, das kommt aber wahrscheinlich von dem vielen 'um die Ecke gucken'".
"Ich bin neugierig, was sie mit ihm anfangen werden," fuhr Cook nachdenklich fort – "ich hoffe doch nicht, dass sie ihn hängen – hört, Curtis – schuld an seinem tod möchte' ich nicht sein; Strafe hat er verdient, und ich sehe recht gut ein, dass wir dem Unwesen steuern m ü s s e n , aber hängen – nein – schon der Frau und des Kindes wegen nicht."
"Nun, das wäre ein sauberes Schutzmittel," lachte Curtis. "Dann brauchten ja nur alle Schufte zu heiraten, um sicher vor dem Strange zu sein – das dürfte nicht als Hinderniss betrachtet werden – aber leid sollt' er mir auch tun. Nein, hängen sollte man ihn nicht, nur –"
"Still, er kommt," unterbrach ihn Cook, und der verdachtlose Wirt trat mit einem aus Wachs und Hirschtalg gegossenen Licht in die stube, setzte es auf den Tisch und zündete es mit einem Kienspan an.
"Das pfeift draussen, als ob es uns das Dach über dem kopf wegblasen wollte," sagte er, die Kohlen im Kamin ein wenig aufstörend; "wenn's der Wind nicht teilt und vertreibt, so müssen wir das Unwetter in zehn Minuten hier haben."
"Bös