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Harper war nun schon zum dritten Mal gefragt worden, warum er sich nicht nach einer Frau umsehe, die ihm seine alten Tage versüssen könne.

"Davor bin ich sicherich wüsste nicht, wie ich eine bekommen sollte. Die einzige Art wäre, dass ich es wie mein Bruder machen müsste, der sich in die Lotterie gesetzt und ausgespielt hat."

"In die Lotterie gesetzt, Mr. Harper? sich selbst?"

"Nun, die Sache war sehr einfach; er machte sechshundert Loose, jedes zu zehn Dollars, für Mädchen und Wittwen unter dreissig Jahrenbei der Untersuchungscommission hätten Sie sein sollenund setzte sich selbst m i t den also gewonnenen sechstausend Dollars ein."

"Aber, Mr. Harper –"

"Nun wurde er jedoch bloss fünfhundert und einige dreissig los, behielt also einige sechszig und hatte die starke Hoffnung, sich selber wieder zu gewinnenja Prosit. Ein junges Mädchen, die drei Zeugen gebracht, dass sie erst achtundzwanzig Jahre alt sei, bekam ihn, und er ist jetzt glücklicher Familienvater. Hier in Arkansas möchte es aber schwer werden, sechshundert Loose anzubringen."

"Nicht wenn S i e im Einsatz ständen," lächelte Marion. – "Ich bin fest überzeugt, die Candidatinnen kämen von allen Seiten."

"Und würden Sie auch ein los nehmen?"

"Warum nicht," lachte Marion – "man gewinnt ja manchmal etwas, das man nicht gebrauchen kann. Ich könnte Sie ja im günstigsten Falle an eine gute Freundin verschenken; an Ellen zum Beispieldas gilt doch?"

"Ei warum nicht," sagte Harper, "und ich würde noch dazu nur wenig Einwendungen gemacht haben."

Rowson hatte indessen dem Gespräch zugehört und sich nur selten hineingemischt, hielt aber in seiner Hand einen ausgespannten Trutahnflügel als Fächer und scheuchte damit seiner Braut die sie hier und da umschwärmenden Fliegen und Mosquitos fort.

Madame Roberts nahm ebenfalls einen Fächer, denn die Hitze wurde wirklich drückend.

"Wir werden ein Gewitter bekommen," sagte Roberts, den Rock abwerfend, "die Luft ist so sonderbar schwülich muss doch einmal nach dem Termometer sehenapropos, Rowson," fuhr er fort, indem er aufstand und der Tür des Hauses zuging – "wisst Ihr, wer die Leute waren, deren Wagen wir noch sahen, als Ihr oben bei der Salzlecke zu mir kamt? Tennesseerein früherer Nachbar von mirStevenson, ein prächtiger alter Mann. Ich habe mich recht gefreut, ihn wieder zu sehen; und, Marion, die Mädchen sind einmal herangewachsen, die würdest Du gar nicht wieder erkennen."

"Oh, warum sind sie denn nicht bei uns eingekehrt?" fragte Mrs. Roberts – "man sieht doch so selten alte Freunde. kennen Sie Stevensons auch, Mr. Rowson?"

"Nicht dass ich mich erinnere," erwiderte dieser, "und ich habe sonst ein ziemlich gutes Gedächtniss. Stevensonder N a m e ist mir jedenfalls von Tennessee her bekannt, die Familie selbst aber schwerlich."

"Er war drüben am Arkansas gewesen, wie der letzte Mord vorgefallen ist," sagte Roberts, jetzt mit dem Termometer in der Hand zurückkommend, "und hat den Mörder gesehenZwanzig Grades ist erstaunlich –"

"Das ist nicht möglich!" rief Rowson, sich vergessend.

"Oh dochsehen Sie hier! zwanzigund noch dazu reichlich," entgegnete Roberts, dessen Ausruf auf den Wärmegrad beziehend und ihm das Termometer entgegenhaltend.

"In der Tat," erwiderte Rowson, sich schnell sammelnd. "Wie aber konnte er das?"

"Konnte was?"

"Wie kann Mr. Stevenson den Mörder gesehen haben? Es wurde ja behauptet, der Mann habe sich selbst erschossen, eben weil man Niemandes Spur entdeckt hatte."

"Unsinn," sagte Roberts, den Kopf schüttelnd. "Er stand hinter einem Baum, wo die Beiden in nur wenig Schritten Entfernung an ihm vorbeigekommen sein sollen, kaum fünf Minuten früher, als der Schuss fiel. Er hat mir zugeschworen, er wollte den Burschen unter Tausenden wieder herauserkennen. Wären Sie nur hundert Schritt weiter oben heraus und auf die Strasse gekommen, so mussten Sie am Lager vorbei; es ist ein prächtiger alter Mann; er würde Ihnen ungemein gefallen haben."

"Ich zweifle gar nicht daran," sagte Rowson, "aber –"

"Nun sagt mir einmal, Roberts," unterbrach ihn Bahrens – "wie ist denn das Ding da, das Ihr in der Hand habt und ein Termometer nennt, eigentlich eingerichtet, dass Ihr an dem sehen könnt, ob es warm oder kalt sei?"

"Nun, das Quecksilber s t e i g t in der Hitze," erwiderte der Gefragte, "und f ä l l t , je kälter es wird, desto mehr in sich zusammen!"

"Und danach richtet sich das Wetter?"

"Nein, das Termometer richtet sich nach dem Wetter –"

"Ihr habt mir aber doch einmal erzählt, in den grünen Gebirgen wäre es 1829 nur deshalb so unmenschlich kalt geworden, weil sie kein solch' Ding oben gehabt hätten."

"Ih bewahre," lachte Roberts.

"Damals war aber eine Kälte!" rief Harper. "In dem Winter lebte ich am Eriesee in Cleveland und das Quecksilber fiel