, erschöpft musste er endlich in seinen fast wahnsinnigen Bemühungen einhalten und blieb nun keuchend, ja besinnungslos liegen.
Der Sturm hatte nachgelassen; von den Blättern strömte aber noch immer das wasser wie im stärksten Regen herunter, der Wind scheuchte die dunkeln Wolkenmassen vor sich her und die helle Mondesscheibe sandte hier und da, durch auseinandergerissene Dunstschleier, ihr bleiches, silberhelles Licht auf die Erde nieder.
Johnson war eben aus seiner zweiten Ohnmacht erwacht – Fieberfrost schüttelte seine Glieder, und zum ersten Mal drang sich ihm jetzt der entsetzliche Gedanke auf, dass ihn der Indianer hier zurückgelassen habe, um nicht wiederzukehren; dass Cotton, der seine Rückkunft vergebens erwartet, flüchten würde und er hier langsam verhungern müsse, wenn nicht ein mitleidiger Wolf seinem elenden Dasein früher ein Ende mache.
Er konnte ihre schrillen Laute schon von den nahen Bergen herüber hören – sie sammelten sich nach dem Unwetter, um gemeinsam auf Raub auszuziehen, und da, gerade da, wo er sich jetzt befand, hatte er ihre Spuren oft und oft bemerkt, wie sie die Schlucht gekreuzt und von den Gebirgen herunter zu dem Flusse gezogen waren.
Allmächtiger Gott, sollte er auf so schreckliche Weise umkommen? – Das Geheul kam näher – der Wolf wittert seine Beute auf viele Meilen Entfernung. Wieder stemmte sich der Elende gegen seine festen Banden, wieder knirschte er in den Knebel und strengte sich an, bis ihm das Blut die Adern zu zersprengen drohte. Die Verzweiflung gab ihm Riesenkräfte, aber er konnte des Indianers Fesseln nicht brechen. – Da lag er plötzlich so still und starr wie aus Stein gehauen – wohin lauschte so ängstlich und hoffend sein Ohr? – Weshalb heftete sich sein blick so stier und fest auf jenen dunkeln Waldstreifen – die Schlucht hinab? Dort heulten die Wölfe nicht, ihr Geschrei tönte von einer andern Gegend zu ihm herüber.
Nein – die Wölfe waren das nicht, aber einen Ruf hatte er vernommen, einen bekannten freundlichen Ruf. – Es war die Nachahmung des Eulenrufs, das Zeichen unter den Verbündeten – es musste Atkins oder Cotton sein – vielleicht Beide. – Sie kamen, ihn zu retten, und hier – hier lag er, gefesselt und geknebelt, vermochte kein Glied zu rühren, keinen Ton zu antworten, um die Stelle zu bezeichnen, auf der er schmachtete. Aber näher und näher kam die stimme, lauter und dringender wurden die Aufforderungen der Suchenden. Jetzt schritt er am obern Ende der Schlucht heran – Johnson konnte die Umrisse seiner Gestalt auf dem dunkleren Hintergrunde deutlich erkennen; wieder tönte der Eulenruf lauter und dringender; erst drei-, jetzt viermal; der Gefangene wand und krümmte sich wie ein Wurm – den Banden aber und dem Knebel entwand er sich nicht.
Endlich – endlich schollen die Tritte näher; der Suchende hatte die Schlucht durchkreuzt – er kannte die Stelle, wo der Indianer gelegen, und umging sie – er musste jetzt an dem Freund vorbei – dicht vorbeikommen. – Wieder tönte der Ruf und lauschend, mit vorgebeugtem Körper horchte der Jäger. Johnson versuchte das Aeusserste, nur das Laub mit dem Fuss rascheln zu machen – den jungen Stamm zu schütteln, an dem er hing – vergebens. Der Wind rauschte und wehte noch in den Zweigen und das Laub war feucht und weich, der Fuss, der sich krampfhaft hineinwühlte, blieb unhörbar.
Da kam die Gestalt heran – es war Cotton – Johnson konnte deutlich den Hut erkennen, den er auf dem kopf trug – konnte den helleren Schein seines bleichen Angesichts sehen, er kam gerade auf ihn zu – noch zwanzig Schritt in der Richtung fort und er musste auf seinen Körper treten. Da hielt er – wieder tönte der Ruf und überallhin wandte der Suchende den blick; aber er erwartete nicht, den Freund zu sehen, er lauschte bloss hinein in die Nacht, ob er die antwortende stimme nicht hören würde. Sein Auge glitt fast bewusstlos und ohne alle Teilnahme über die Formen hin, die sich ihm boten, nur manchmal warf er einen scheuen, ängstlichen blick in die Schlucht hinunter, wo er wahrscheinlich den Leichnam des Indianers vermutete.
Da wandte er sich um – er schien seinen Plan geändert zu haben – horchte noch einmal hinaus in den rauschenden Wald, ob vielleicht jener winselnde Schrei der Wölfe der erwartete Eulenruf sei, und glitt dann, als er sich wiederum getäuscht sah, schnell und lautlos in das nächste Dickicht.
Es war vorbei – keine Aussicht mehr auf Rettung, und verzweifelt und elend sank der Gefangene in sich zusammen. Er achtete nicht weiter auf das Geheul der wilden Bestien, der Tod war ihm gleichgültig, wenn nicht erwünscht. Nur noch einen blick des Trotzes und der ohnmächtigen Wut warf er hinauf zu dem klaren, jetzt hell und golden über ihm ausgespannten Sternenhimmel und schloss dann die Augen, als wenn er mit diesem blick von dem Leben wie von jeder Hoffnung Abschied genommen hätte.
29.
Rowson bei Roberts. – Die Trutühnerjagd. –
Ellen und Marion.
Das Mittagessen war beendet, das Geschirre aufgewaschen und fortgestellt, und vor dem Eingange der kleinen wohnung sassen im traulichen Kreise die Freunde und plauderten von diesem und jenem. Rowson hatte seinen Stuhl neben Madame Roberts und ihr liebliches Töchterchen gerückt und hielt die Hand der Braut in der eigenen, während Harper an Ellen's und Bahrens an des alten Roberts Seite Platz genommen. Nach welchen verschiedenen Richtungen das Gespräch aber auch immer hinüber und herüber kreuzte, auf den Ehestand kam es stets wieder zurück und