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, um von den vielen Waffen im Hinanschleichen nicht gehindert zu werden, und glitt, einer Schlange gleich, der Ecke zu, die ihn bis jetzt noch von seinem Opfer trennte.

Triumph! Sein Herz schlug fast hörbardortam Feuer hingestreckt, lag der rote Sohn der Wälder, die Gefahr nicht ahnend, die ihn mit Gift und Blei bedrohte; die Waffen ruhten an seiner Seite, und auf den rechten Arm gestützt, schaute er sinnend in die unstät flackernde Glut. Johnson hob sich, den Bogen mit starker Hand fassend, convulsivisch empor und blickte forschend hinüber, um die Stelle zu bestimmen, in die er den tödtlichen Pfeil senden sollte, denn die Entfernung zwischen ihm und seinem Opfer betrug kaum zehn Schritt. Hier aber fand sich ein neues Hinderniss. Die aufgespannte Decke des Indianers, die dieser an der Windseite angebracht hatte, um auch gegen den etwa schräg einschlagenden Regen geschützt zu sein, verbarg den grössten teil seines Körpers, so dass von diesem eigentlich nur der vordere teil des Kopfes mit dem rechten Arm vollkommen sichtbar war, während die übrige Gestalt unter dem wollenen Schutzdach versteckt lag. Zwar konnte Johnson genau die Stelle bestimmen, wo er den Indianer treffen musste, und er würde auch, hätte er die Büchse statt der Pfeile bei sich gehabt, keinen Augenblick länger gezögert haben, so aber stieg plötzlich die sonderbare idee in ihm auf, die Wolle könne, wenn nicht den Pfeil aufhalten, doch falsch lenken oder gar dem Gift seine Kraft nehmen; kurz, er scheute sich, auf diese Art einen Schuss in's Ungewisse zu tun.

Dazu kam noch eine nicht unterdrückbare Furcht vor der kräftigen Gestalt seines Feindes, den er zum Aeussersten entschlossen wusste, und der, wenn bloss verwundet, dennoch vielleicht so viel Kraft behalten würde, ihn einzuholen und des Tomahawsk Schärfe an seinem Schädel zu versuchen.

Wie übrigens die Decke gespannt war, brauchte es höchstens zwanzig Schritt zur Rechten, gerade bis hinter die stattliche Ulme, die am Abhang des Hügels stand, hinan zu kriechen. Dann bot sich ihm die Brust des Lagernden zum breiten, unfehlbaren Ziel, und von da aus konnte der Pfeil seine tödtliche wirkung nicht verfehlen.

Der erste Blitz zuckte jetzt durch den wilden Sturm daher und warf sein bleiches, geisterhaftes Licht über die Landschaft. Schaurig, wie hülfe suchend, schlugen und wehten in seinem grellen Schein die gigantischen Bäume mit ihren Riesenarmen, der nächste Moment aber hüllte Alles wieder in noch viel undurchdringlichere Nacht. Da hob sich Johnson empor, um schnell die ersehnte Stelle zu erreichen und die Tat zu vollenden, ein Stein aber glitt unter seiner rechten Hand, mit der er sich bis jetzt an der vorwachsenden Wurzel einer Eiche festgehalten, vor und rollte einige Schritte hinab, in den Grund der Schlucht. Regungslos blieb er, dicht an den Boden geschmiegt, liegen, um seinem Opfer nicht verraten zu werden, und hob dann nur leise den Kopf, die wirkung zu beobachten, die dieses aussergewöhnliche Geräusch auf den Indianer hervorgebracht haben könnte.

Der Ton war auch dem wachsamen Ohr des Wilden nicht entgangen, und hochauf horchte er und hob den ganzen Kopf über die Decke empor, den von dem Feuer ausgehenden Lichtkreis zu übersehen; Johnson lag aber im Schatten der Eiche, die etwas höher, als wo er selbst sich befand, aus dem Abhang emporstieg, und der blick Assowaum's schweifte über ihn hin. Da erhellte ein noch grellerer Blitz als vorher die Schlucht, und der Mörder bebte scheu zurück. Aber auch den Indianer schien der Strahl geblendet zu haben, denn er presste die Hand schnell gegen die Augen und sank dann, scheinbar beruhigt, in seine frühere Stellung zurück.

Jener beobachtete ihn noch einen Augenblick und glitt nun schlangengleich etwa fünf bis sechs Schritt zurück, wo er von seinem Opfer selbst bei Tageshelle nicht hätte gesehen werden können. Hier klomm er an der rechten Seite bis hinter die Ulme hinan, von der aus er das Lager des Feindes dicht vor sich hatte, spannte, an Ort und Stelle angekommen, leise den Bogen, legte den tödtlichen Schaft darauf und hob sich jetzt schnell, aber vorsichtig zum Schuss in die Höhe. – Dafast unwillkürlich entfuhr ihm ein laut des Staunens und Schrecks, denndie Stelle am Feuer war leerAssowaum verschwunden.

Ehe er jedoch nur einen Gedanken fassen, nur ein Glied rühren konnte, fühlte er eine Hand auf seiner Schulter, schauteentsetzt zurückfahrend, in das wild drohende Angesicht seines Feindes, sah den Arm des roten Kriegers erhobender Tomahawk blitzte im Schein des von unten herausflammenden Feuers und von der flachen Seite der gefährlichen Waffe getroffen, brach er betäubt und lautlos zusammen.

Schrecklich war sein Erwachen. Durch die schwankenden Baumwipfel prasselten und zischten die schwefelgelben Strahlen, laut schmetternd brach der Donner hinterdrein und die Schleusen des himmels schienen geöffnetdie ganze natur in Aufruhr; aber gefesselt und geknebelt, dass er kein Glied rühren, keinen laut, ausstossen konnte, lag der ertappte Verbrecher an der Wurzel eines Hikorystammes angebunden, allein zurückgelassen im Toben der zürnenden Elemente. Vergebens rang er mit der Kraft der Verzweiflung, seine Banden zu sprengen oder wenigstens einen Arm aus den seine Sehnen fast zerschneidenden Stricken zu befreien. Vergebens dehnte er die Glieder, dass das Blut unter dem scharfen ledernen Riemen, der ihn umschlungen hielt, hervorspritzte; sein Sieger verstand die Kunst, einen Knoten zu schürzen, seine Bande unzerreissbar zu machen. Matt