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"Ihr seid ein Tor," rief Cotton, "Ihr schiesst, zum Henker, eben so sicher mit dem Pfeil als mit der Kugel, und das Eine kann Euch vor Entdeckung sichern, das Andere muss Euch verraten. Wenn man den Leichnam findet –"

"Bin ich lange fort von hier," lachte Johnson – "glaubt Ihr, ich lasse bei dieser Regulatorenwirtschaft meinen Hals in der Schlinge?"

"Aber die neuen Pferde –"

"Mögt Ihr allein besorgen, morgen schon breche ich nach der Insel aufdiese Nacht kann ich meine wenigen Habseligkeiten in Ordnung bringen, und mit Tagesgrauen hol' ich mir eins von Roberts' Pferden, die zwischen hier und seinem haus weiden. Ehe man den Indianer gefunden hat, bin ich über alle Berge."

"Aber Rowson."

"Mag nachkommen, wenn er Gefahr siehter weiss, wohin ich gehe. Wollt Ihr mit?"

"Ich habe Atkins versprochen, die nächste Sendung befördern zu helfen, und mein Wort will ich halten, m u ss ich halten, denn mit meiner Kasse sieht's erbärmlich aus. Die letzte Hetze hat verdammt wenig eingebracht. Bin ich damit im Reinen, so kann es sein, dass ich Atkins nach Texas begleite. – Also Ihr wollt doch die Büchse nehmen?"

"Büchse und Pfeile," sagte Johnson. "Erst versuch' ich das Gift, und bin ich mit meinem Schuss nicht so recht zufrieden, dann mag das Blei nachhelfen."

"Glaubt Ihr denn sicher an ihn heranschleichen zu können?"

"Wenn er da lagert, wo ich ihn vermute, ja –" erwiderte Johnson, die schweren Schuhe mit den leichten geräuschlosen Moccasins vertauschend. "Auf jenen Felsen liegt nicht einmal trockenes Laub, was mich durch sein Rascheln verraten könnte."

"Nun, wenn's doch einmal sein muss, dann trefft ihn wenigstens sicher," warnte Cotton.

"Nur keine Angst, bin ich ihm erst einmal in Schussnähe, dann ist er mein. Uebrigens liegt jene Stelle abgelegen genug, und er müsste laut schreien, wenn er dadurch Jemanden herbeilocken wollte. Wo bleibt Ihr indessen?"

"Hierich will einen tüchtigen Stew unter der Zeit brauen, dass Ihr bei der Rückkehr etwas Warmes findet. Also Heatcott –"

"Oh, schweigt mit der alten geschichte und braut Euer Getränkdas ist nützlicher."

"Lasst nicht zu lange auf Euch warten," rief ihm der Jäger noch nach.

"Dass ich mich nicht erst zu ihm setzen werde, könnt Ihr Euch denken," sagte Jener mürrisch, warf die Tür hinter sich zu und glitt gleich darauf mit leisem, aber schnellem Schritt durch die dunkle Waldung hin, dem nächsten Bergkamm zu, von welchem aus Weston das Feuer des Indianers bemerkt haben wollte.

Die Nacht war rabenschwarz, kein Stern leuchtete an dem mit finsteren Wetterwolken überzogenen Himmel, und das dumpfe, schauerliche Rauschen der mächtigen Wipfel kündete schon den nahenden Sturm. Weit oben auf dem Gebirgsrücken, der die wasser des Fourche la fave und der Mamelle von einander scheidet, schrie mit scharf gellendem Klagelaut ein einsamer Wolf sein Nachtlied ab, und die Eule antwortete spottend aus dem dunkeln Kiefernwipfel heraus, in dem sie vor dem heranrückenden Unwetter Schutz zu finden hoffte. Tier und Mensch suchten ein Obdach, den warmen Kamin oder den dichten Schilfbruch, nur der Mörder mit seinen blutigen Gedanken schritt, unbekümmert um die immer stärker und drohender werdenden Anzeichen einer Windsbraut, Büchse und Bogen krampfhaft fest in der geschlossenen Hand haltend, seine düstere Bahn entlang, und je toller und wilder die Elemente zu toben begannen, desto kühner und trotziger blitzte sein Auge. War ja doch der Sturm sein Bundesgenosse, und fand er durch ihn gerade grössere Sicherheit für sein blutiges Werk. Lagerte nämlich der Indianer wirklich an jener Stelle, so hatte er bei solchem Wetter auf jeden Fall den Schutz des überhängenden Felsens gesucht, der ihn eben so vollständig gegen den drohenden Regen wie gegen etwa stürzende Bäume decken musste, und dann war es nicht möglich, seinen Schritt oder sein Nahen zu hören: das Rauschen und Brausen in den Aesten und Zweigen der Waldung übertobte Alles. S e i n aber war die Rache, sobald er nur das Opfer fand.

Vorsichtig folgte er dem Lauf der kleinen Schlucht, obgleich er einen näheren Weg nach der ihm wohlbekannten Stelle hätte einschlagen können. Schwer ist es aber bei Nacht, ohne Sternenlicht gerade Richtung durch den Wald beizubehalten, und selbst der geübte Backwoodsman versucht es nicht gern ohne dringende Not. Die Spitzen der vergifteten Pfeile hatte er mit einem wollenen Tuche dicht umwickelt, dass er sich nicht durch bösen Zufall selbst verwunde, und seine Waffen im linken Arm, schritt er, vorsichtig mit der Rechten seine Bahn fühlend, höher und höher hinauf, bis er an dort heruntergestürzten Fichten die Gegend erkannte und nun wusste, wo er sich befand.

Gerade da bildete die Schlucht einen Winkel, und dicht über demselben war der Stein, unter welchem der Indianer liegen musste, und zwar dem sich von dieser Seite Nähernden schräg gegenüber. Johnson beschloss also, vor allen Dingen zu recognosciren, da Entdeckung, durch den immer stärker heulenden Wind geschützt, gar nicht mehr zu fürchten war. Jedes unnötige Geräusch jedoch vermeidend, kroch er unter den kreuzweis über die Schlucht hingestürzten Stämmen durch, liess da, wo er sie augenblicklich wieder finden konnte, seine Büchse