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nicht weit mehr."

"Es bleibt immer ein unsicheres Schiessen," sagte Johnson, noch halb unschlüssig, aber durch den guten Schuss auch wieder gereizt.

"Unsicher? Das Gift an der rauhgefeilten Spitze hier tödtet in fünf Minuten," flüsterte der Jäger. "Trefft Ihr den Indianer damit nur in den Arm, nur in einen Finger, so könnte er dieses Haus nicht mehr erreichen, und wenn er in gerader Richtung so schnell liefe, als ihn seine Beine trugen."

"Das Gift tödtet unfehlbar?"

"So wahr ich hoffe, den Fängen der schurkischen Regulatoren zu entgehen –"

"Oh, lasst den armen Indianer leben," bat Weston, "warum dessen Blut vergiessen? Es ist ja wahrhaftig schon genug geflossen. Mir wird es ordentlich unheimlich bei Euch; Ihr redet über ein Menschenleben, als ob es ein Hirsch oder Bär wäre."

"Jetzt fängt Der an, dummes Zeug zu schwatzen," sagte Johnson ärgerlich, indem er die Pfeile immer noch unschlüssig in der Hand hielt. "Kümmert Euch doch um Eure eigenen Geschichten, lasst u n s zufrieden. Der Indianer stirbt!"

"Dann will i c h wenigstens nichts weiter damit zu tun haben," rief Weston entschlossen, "sein Blut komme über Euch, morgen kehre ich nach Missouri zurück. Ich hatte mich mit Euch zum Pferdehandel verbunden, hier aber ist nichts als Blut und immer wieder Blut. – Mir graust's – gute Nacht! –"

Er stand auf und wollte das Zimmer verlassen.

"Halt," rief Johnson, halb bestürzt halb drohend vor die Tür springend, während er die vergifteten Pfeile, ohne jedoch wie es schien daran zu denken, dem jungen Mann entgegenhielt – "Ihr wollt uns verraten!"

"hülfe!" schrie Weston, entsetzt vor der gefährlichen Waffe zurückspringend – "Mord!"

"Pest und Tod," rief Cotton ärgerlich, indem er den immer noch misstrauischen Johnson von der Tür zurückschob und sich selbst zwischen ihn und den jungen Mann stellte, "lasst doch, zum Teufel, die Possen."

"Ich dachte gar nicht an die vergifteten Pfeile," sagte Johnson – "weshalb aber will Weston fort?"

"Weil ich bei Atkins eines Teils vermisst werde und dann auch nicht Zeuge eines neuen Mordes sein will. Zu glauben, dass ich Euch verraten wollte, ist nicht allein schlecht, sondern auch unsinnig. Ich stekke übrigens zu tief mit in der Schuld hier, um leicht auf Vergebung hoffen zu können, bände mich nicht überdies mein Schwur."

"Ihr gedenkt des Schwures noch?" fragte mahnend Johnson.

"Ja," hauchte leise zusammenschaudernd Weston, "Ihr habt von mir nichts zu befürchtenein ander Mal geht aber vorsichtiger mit solchen Waffen um undlasst ihn lebenJohnson, lasst ihn leben," bat er dringend, den Arm des finstern Mannes ergreifend. "Es kann ja doch vielleicht o h n e sein Blut auch noch Sicherheit für uns geben. Bedenkt, dass der arme Teufel schon sein Weib –"

"Verdammt will ich sein, wenn ich das Geschwätz noch länger mit anhöre," rief Johnson, ärgerlich den jungen Mann von sich schüttelnd. – "Gehtfort mit EuchIhr könnt uns hier doch nichts nützen; doch, Westongedenket des Schwures und glaubt nicht, wenn Euch auch selbst Gott verziehe, m e i n e r Rache zu entgehen."

"Spart Eure Drohungen," sagte Weston ernst, "ich bin kein Verräter, will mit Euch aber auch fortan keine Gemeinschaft mehr haben. Ich kehre morgen früh nach Missouri zurückzu solchem Handwerk bin ich verdorben –"

"Oder noch zu neu," lachte Cotton; "nun Glück zu, Weston, wenn's wirklich Euer Ernst ist, undhab' i c h Glück, so komm' ich in ein paar Jahren einmal hinauf nach Missouri."

"Lebt wohl, Johnson," sagte Weston, dem Angeredeten die Hand entgegenhaltend – "kein Groll wenigstens beim Scheiden."

"Lebt wohl," erwiderte dieser mürrisch und halb abgewendet.

Der junge Mann verliess das Haus, überstieg die Fenz und war im nächsten Augenblick durch die dichten, das kleine Haus umgebenden Büsche den Augen der beiden ihm nachschauenden Männer entrückt.

"Wir hätten ihn doch nicht sollen ziehen lassen," sagte Johnson, jetzt unruhig im Zimmer auf- und abgehend, "ich traue dem Burschen nicht."

"Er ist treu," behauptete Cotton – "ich kenne ihn – d e r verrät Niemanden. – Da gibt es andere Menschen, denen ich nicht traue."

"Ihr meint Rowson?" sagte Johnson, vor ihm stehen bleibend.

"Ja!"

"Der sitzt zu tief drinwenn Alle so sicher wären –"

"Ja, jetztlasst ihn aber einmal in die Patsche kommen, lasst ihn den Strick an der einen und die Hoffnung auf Rettung an der andern Seite sehen, und dann passt auf, was er tut. Oder dann passt lieber n i c h t auf, denn in diesem Falle möchte ich mich eher auf meine Beine, als auf seine Ehrlichkeit verlassen. Ich traue ihm nicht."

"Es wird dunkel," sagte Johnson, "ich will gehen, aberich weiss nichtdie Büchse wäre mir lieber