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, der mit grösster Kaltblütigkeit den Hirsch aufbrach und anfing, eine Keule abzustreifen. "Ich will das Fell nicht herunter haben, hörst Du? – Der Kerl ist taub."

Assowaum liess sich aber nicht irre machen, sondern löste höchst ruhig und gelassen eine Keule aus dem Wildbret, hing sich diese mit einem Streifen Hikkoryrinde über die Schulter und erwiderte erst dann ganz ruhig:

"Der weisse Mann ist allein in seinem Wigwam, und Assowaum ist hungrig."

"O! Nimm meinetwegen die Hälfte vom Wildbret. Ich werde ja aber ganz blutig."

"Aber nicht mehr schmutzig," antwortete der Indianer lakonisch, nahm seine Büchse wieder auf die Schulter und schritt schnell die Strasse hinauf, den beiden Männern die weitere sorge für ihr wild überlassend. Brown half seinem Onkel den angebrochenen Hirsch auf's Pferd heben, der sich dann dahinter in den Sattel schwang und, bald wieder guter Laune, seinen Neffen nun vor allen Dingen beschwor, die geschichte bei Roberts nicht eher zu erzählen, als bis er selbst nachkäme. Er wolle nur schnell nach haus reiten und seine Kleider wechseln, und bliebe nicht lange. Brown versprach ihm das und trabte schnell hinter dem Indianer her, der durch den Aufentalt des jungen Mannes einen grossten Vorsprung gewonnen hatte.

3.

Der Indianer und der Metodist. – Die

Einladung zur Hochzeit.

Assowaum, der befiederte Pfeil, gehörte zu einem der nördlichen Stämme Missouris und war vor mehreren Jahren, da das wild immer seltener in den dichter und dichter bevölkerten Jagdgründen der Seinigen wurde, mit den beiden Weissen, Harper und Brown, bekannt geworden und nach dem Süden gewandert. Aber nicht des Wildes wegen allein hätte er seinen Stamm verlassen, sondern er war auch gezwungen worden, der Rache seiner Feinde zu entgehen, da er einen Häuptling erschlagen, der, von dem Feuerwasser der Europäer berauscht, seine Squaw überfallen, während ihr Hilferuf den Retter und Rächer herbeirief. Mit dieser hatte er sich jetzt unfern von Harper's wohnung einen kleinen Wigwam erbaut und lebte von der Jagd. Sein Weib aber flocht aus dem schlanken Schilf, das in den Niederungen des Südens wächst, zierliche Körbe, und aus der geschmeidigen Rinde des Papaobaumes weiche Matten, die Assowaum dann, mit seinen Fellen, den Fluss hinunter nach Little Rock schaffte und an die Handelsleute der noch jungen Stadt gegen Pulver und Blei oder sonstige Lebensbedürfnisse, auch wohl, aber freilich sehr selten, gegen baares Geld eintauschte.

Hier nun war sein Weib von dem Metodistenprediger oder sogenannten "Circuit Rider" (da er abwechselnd fast in allen Ansiedlungen dieses wie des benachbarten County predigte) zur christlichen Religion bekehrt worden. An Assowaum dagegen scheiterten alle derartigen Versuche, und vergebens bemühte sich Rowson fortwährend, den V e r s t o c k t e n , wie er ihn nannte, dem Glauben seiner Väter abwendig zu machen und den Armen der "alleinseligmachenden Kirche" der Metodisten zuzuführen. Der Indianer beharrte darauf, in jenem sterben zu wollen, und liess sich durch all' die Ermahnungen und Drohungen des fanatischen Priesters nicht irre machen.

Alapaha, die Squaw1 Assowaum's, war schon am frühen Morgen zur Ansiedlung des weissen Mannes aufgebrochen, um dort den Geistlichen predigen zu hören, und Assowaum selbst folgte ihr jetzt dahin, teils um sie von dort abzuholen, teils um eine Partie Otterfelle nach seinem Wigwam mitzunehmen, die er vor mehreren Wochen in der dortigen Gegend erbeutet und in Roberts' Haus aufbewahrt hatte. Der grösste teil der Ansiedler war übrigens den beiden Indianern freundlich gesinnt, denn sie betrugen sich ordentlich und waren gefällig, wo sie nur Jemandem einen Dienst leisten konnten. Doch blieb der Krieger stets viel ernster und zurückhaltender als sein Weib, das sich gern mit den Kindern beschäftigte und ihrer tollen Spiele nie müde zu werden schien.

"Bist Du schon je einer solchen Figur begegnet, wie sie mein Onkel eben darstellte?" fragte der junge Mann lachend, als er den Indianer endlich einholte.

"Sah aus wie eine Schlammschildkröte," grinste dieser, "nur noch viel schmutziger. – Der alte Mann wird eine grosse geschichte erzählen, wenn er zu den Hütten der Freunde kommt."

"Ob der eine grosse geschichte erzählen wird! sonderbar war's aber doch, dass er das Tier so lange halten konnte; ich würde's ihm selbst nicht glauben, wenn ich's nicht mit eigenen Augen gesehen hätte."

"Seine Knochen sind eisern," erwiderte Assowaum. "Aber der Hirsch ist auch stark, und wäre Assowaum eine Minute später gekommen, so fand er weiter kein Fleisch in der Salzlecke, als den kleinen Mann."

"Mag sein; das bestreitet er jedoch gewaltig, er schwört jetzt sicherlich darauf, dass er den Hirsch hätte die ganze Nacht halten können."

"Der alte Mann hat dicke Worte," sagte der Wilde.

"Kennst Du den alten Bahrens, der kürzlich das kleine Haus am Petite-Jeanne gebaut hat?"

Der Wilde lächelte und sah seinen Begleiter von der Seite an.

"Hast Du schon mit ihm gesprochen?" fragte dieser.

"Er erzählt von seinen Jagden an der Bai de view und am Cashriverneunzehn Hirsche hat er an einem Tag geschossen, und die kleinste Haut wog elf Pfund, getrocknet, ohne den Pelt."2

"Ja, er ist stark in solchen Sachen," lachte Brown lachend, "ich möchte Onkel und Bahrens