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kommt Weston! Nun, Zeit ist's – die Sonne geht eben unter."

Während Cotton noch sprach, sprang der eben Erwähnte über die niedere Fenz und erschien im nächsten Augenblick in der schmalen Tür der niederen Hütte.

"Alle Teufel!" rief aber Johnson, erschrocken von seinem Lager aufspringend, als er das leichenbleiche Gesicht des jungen Mannes erblickte – "Unglücksbote, was bringst Du? sind die Regulatoren –"

"Neinnein," flüsterte Weston, mit dem kopf schüttelnd – "von denen haben wir noch nichts zu fürchten."

"Nun, was habt Ihr denn," sagte Cotton ärgerlich, "Ihr seht ja so blau im Gesicht aus, wie verdorbene Buttermilch. – heraus mit der Sprachewas ist's?"

"Der Indianer ist da," keuchte Jener, sich erschöpft auf den einzigen Stuhl niederwerfend, der im Zimmer stand.

"Nun, wenn's weiter nichts ist," höhnte Johnson und nahm seine frühere Stellung auf dem Bett wieder ein, "da hättet Ihr uns den Schreck ersparen können. Unsinn verdammter, da hereingestürzt zu kommen, als ob Euch ein halbes Dutzend von den kläffenden Regulatorenschuften auf den Fersen wäre. Wie ist die Versammlung abgelaufen? wo ist Jones?"

"An den Petite Jeanne mit Husfieldmorgen ist dort ebenfalls VersammlungCook und Curtis sind bei Atkinsüber uns ist noch nichts beschlossen. Das ist Alles gut und in OrdnungIhr aber, Johnson, solltet den Indianer gerade nicht so leicht nehmen, er ist auf E u r e r Spur."

"Auf m e i n e r Spur?" rief Johnson, doch wieder etwas bestürzt, aber immer noch halb ungläubig. "Wie soll er auf m e i n e Spur kommen? – Husfield war doch mit der ganzen Bande darauf und hat wieder unverrichteter Sache abziehen müssen."

"Seid Ihr heute Nachmittag den Pfad entlang gegangen, der zwischen hier und Atkins' haus liegt?" fragte Weston.

"Javor etwa einer halben Stunde, und weshalb?"

"Wie ich vor einer halben Stunde auf eben diesem Pfade herangelaufen komme," erzählte Weston, "gerade dort, wo der junge Gumbaum in den Weg gestürzt ist, und um den Wipfel desselben herumbiegen wollte, sah ich sich etwas auf dem Pfade selbst bewegen. Im ersten Augenblick glaubte ich, es wäre ein Bär, der sich hierher verlaufen hätte, erkannte aber gleich darauf, und zwar nicht zu meiner freudigen Ueberraschung, den Indianer, der niedergebückt und die Augen fest auf den Boden geheftet heran-, und zwar gerade auf mich zugeschritten kam. Ein Begegnen schien unvermeidlich, und schon wollte ich hinter dem Strauche vortreten und ihn anreden, als er plötzlich, kaum fünfzehn Schritt von mir entfernt, an eine kleine feuchte Stelle kam und dort halten blieb. Im Anfange wurde ich nicht recht klug daraus, was er eigentlich wolle, bald aber fand ich, dass er eine der dort vollständig abgedrückten Fährten genau untersuchte. Er nahm seinen Tomahawk aus dem Gürtel und verglich die Spur, die er dort traf, mit einer, die er an diesem angezeigt zu haben schien, richtete sich dann auf einmal hoch in die Höhe, schwang, mir den rücken zugewendet, die Waffe mit drohender Geberde nach der Richtung des Hauses hin und verliess jetzt den Pfad, von wo aus er rechts, gerade über den ersten niedern Hügel hinweg, in den Wald hineinschritt."

"Und die Spur?" fragte Johnson dringend.

"War die Eure," sagte Weston. "Sobald der verdammte Wilde über die Anhöhe verschwunden war, sprang ich schnell hinter meinem Versteck hervor und sah nach der Fährte. – Es war richtig Euer rechter Schuh, so schön und sauber in dem weichen Schlamm abgedrückt, als ob die Form dazu ganz besonders für Euren Fuss gemacht wäre."

"Seid Ihr denn dem Indianer nicht weiter nachgegangen?" fragte Cotton, während Johnson in tiefem Sinnen im Zimmer auf- und abschritt, mit dem fuss stampfte und ingrimmig dazu mit den Zähnen knirschte.

"Gewiss bin ich!" erwiderte Weston, und Johnson fragte, sich rasch nach ihm umdrehend:

"Was wurde aus ihm?"

"Erst traut' ich dem Frieden nicht so recht," sagte Weston, "denn aufrichtig gestanden, hätte ich mich n i c h t gern von der Rotaut in ihren eigenen Fährten erwischen lassen. Bis auf den Hügel zu steigen, konnte ich mir aber nicht versagen, da ich weiss, dass man von dort aus die ganze lange Schlucht, bis unten zu dem Greenbriardickicht, hinabsehen kann. Ich schlich also so leise wie möglich bis auf den Gipfel, denn wie leicht konnte das rote Scalpirmesser irgendwo dort oben geblieben sein! Da war er aber nicht, und schon wollte ich mich zurückziehen, weil ich glaubte, er hätte sich vielleicht durch eine der Seitenschluchten wieder dem Fourche la fave zugewandt, oder sei auch durch das Kieferndickicht dem oberen Gebirgsrücken zu gestiegen. Die Dämmerung war indessen angebrochen; da war es mir plötzlich, als ob ich tief unten in der Schlucht einen Feuerstrahl sähe. Gleich darauf war Alles wieder finster, doch nach einer kleinen Weile sah ich den Schein auf's Neue, und es blieb mir jetzt kein Zweifel mehr, dass es der Indianer sei, der dort unten sein Feuer anzündete, um wahrscheinlich die Nacht da