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anzusiedeln, und wahrscheinlich eine Zeit lang bei ihm wohnen werde.

"Ich müsste mich sehr irren," sagte Curtis, "aber ich glaube Sie schon einmal früher gesehen zu habenoder es war Jemand, der Ihnen ungemein ähnlich sah –"

"Das ist wohl möglich," lächelte Weston etwas verlegen. "Ich ging damals nach Little Rock und hielt mich hier einige Tage auf. – Ich glaube, ich bin Ihnen einmal auf der Jagd begegnet –"

"Ja wohl," sagte Curtis – "jetzt erinnere ich mich auches war hier oben am Fluss, – wo Sie lagerten. Also hatte' ich doch Recht."

"Sie erwähnten, dass Mr. Jones mit an den Petite Jeanne geritten sei," unterbrach ihn Atkins – "dort wird er wohl längere Zeit bleiben?"

"Nein," entgegnete Curtis – "er trug uns noch auf, Ihnen zu sagen, dass er spätestens übermorgen Mittag zurück sein würde."

"Die dortigen Regulatoren versammeln sich ebenfalls?"

"Morgen früh, so viel ich verstanden habe. Husfield hat noch mehrere vom Fourche la fave mit hinüber genommen."

"Aber ich dachte, es sollten Verdächtige bezeichnet, gefangen genommen und peinlich verhört werden?" fragte Atkins, und man sah es ihm an, welches Interesse er an der Beantwortung dieser Frage nahm.

"Jadas sollte auch geschehen," sagte Cook wie nebensächlich, indem er an den Kamin trat und dort seine Stiefel, um sie zu trocknen, in der Flamme umdrehte, "wir haben aber darüber noch nicht recht einig werden können. Einmal liegt hierzu gegen Niemanden genug Verdacht vor, und dann schienen auch Jones sowohl wie Brown mit der Massregel nicht recht einverstanden."

"Mr. Brown auch nicht?" rief Atkins verwundert.

"Neinnächste Woche hoffen wir es aber durchzusetzen, denn geschehen m u ss etwas," mischte sich Cook in das Gespräch. – "Die Spitzbuben lachen sonst am Ende gar noch die Regulatoren aus."

"WestonDu bist wohl einmal so gut und siehst ein wenig nach den Pferden der Herren hier," wandte sich Atkins jetzt zu dem jungen Mann, der aufgestanden und an die Tür getreten war. – "Nimm auch die Sättel draussen von der Fenz," fuhr er fort, als Jener schnell dem Wunsche Folge leisten wollte. "Die verwünschten Kühe haben mir erst gestern, wieder eine Satteldecke zerkautund dann geh doch auch ein wenig hinüber zu meiner Frau, sie wollte Dir noch etwas sagen."

Weston nickte ihm zu, dass er Alles nach Wunsch besorgen werdetrug dann die Sättel in die Porch und ging um das Haus herum. Hier aber, anstatt den kleinen Stall aufzusuchen, in welchem die fremden Pferde standen, sprang er, sobald er vom haus aus nicht mehr gesehen werden konnte, über die Fenz und war im nächsten Augenblicke in dem dahinter liegenden dichten wald verschwunden.

28.

Der Indianer auf Johnson's Fährten.

"Wo nur Weston bleibt," sagte Cotton in der kleinen Hütte, die ihm nun schon seit einigen Tagen zum Aufentalt und Schutzort gedient hatte, ungeduldig aufund abgehend; "er hat mir heute Morgen versprochen, gleich Nachricht zu bringen, und jetzt müssen die Regulatoren doch wahrhaftig schon wieder auseinander gegangen sein. Eine ganze Woche werden sie nicht oben sitzen bleiben. – Gift und Klapperschlangenmir wird es hier unbehaglich bei dem Gedanken, aufgegriffen und gelyncht zu werden; die Pest über die Hunde! Ich werde doch wohl der hiesigen Gegend ade sagen müssen. D a s Leben, auf s o l c h e Art geführt, soll der Henker holen!"

"Zum Flüchten haben wir noch immer Zeit," erwiderte ihm gähnend Johnson, der auf der einzigen im haus stehenden Bettstelle ausgestreckt lag. "Ich möchte noch gar zu gern die neue Sendung mitnehmen, von der Jones erzählt hat, und die in nächster Woche folgen soll. Höllenelementsiebzehn Pferde! nachher ist's auch der Mühe wert, Fersengeld zu geben."

"Ich sehe nur nicht ein, wie wir die alle glücklich fortbringen sollen," brummte Cotton. "Ausserdem werden die übrigen Pferde, die Weston aufgespürt hatte, mit jenen zu gleicher Zeit eintreffen; und wenn sie nicht auf d e n Spuren bleiben können, müssen sie blind sein."

"Die reiten wir nicht durch den Wald," erwiderte Johnson – "Weston hat schon mit einem Dampfbootcapitain accordirt, der sie in Fort Gibson an Bord nimmt."

"Nun, dann kommen sie ja aber erst recht auf ihre Spur," rief Cotton, erstaunt in seinem Marsch einhaltend. "Wenn sie den Indianern fortgenommen und gleich an Bord geschafft werden, kann ihnen ja ein Kind folgen."

"Und was liegt daran?" lachte Johnson; "dem Dampfboot können sie nicht nachrennen und in Little Rock schiffen wir die Tiere wieder aus. Sollten sie nachher wirklich in einem anderen Boote nachsetzen wollen, vorausgesetzt, dass noch ein anderes daläge, so müssten sie auf den breiten Strassen von Little Rock aus unfehlbar die Spur verlieren. Wie dem aber auch sei, auf jeden Fall behalten wir Zeit, den Mississippisumpf und von da die Insel zu erreichen, und Fourche la fave sieht mich nachher nicht wieder."

"Wird es sehr bedauern," erwiderte Cotton; "doch wahrhaftig, dort