1846_Gerstcker_144_136.txt

die heute Morgen dort waren?"

"Die sind uns freilich im Wege, das lässt sich jedoch nicht ändern. Ueberdies schlafen die, wenn sie ja noch alle da sein sollten, in dem andern haus, und werden uns an der Ausführung unseres Vorhabens auf keinen Fall hindern können."

"Wäre ein Schuss zum Zeichen nicht besser?"

"Ein Schuss? – mitten in der Nacht, und nicht einmal Mondschein? Nein, das halt' ich nicht für gut. Wozu die Nachbarschaft alarmiren, wenn es mit einer solchen Kleinigkeit abgemacht werden kann."

"Habt Ihr auch an den Mulatten gedacht? Der steckt natürlich mit seinem Herrn unter einer Decke und wird, wenn wirklich Helfershelfer in der Nähe liegen, diesen auf jeden Fall Kunde bringen."

"Wir besetzen alle Wege," sagte Curtis, "und auf einem von diesen muss er uns in die hände fallen."

"Sollte er nicht den Weg durch den Wald vorziehen?"

"Bei solcher Dunkelheit? nein, ich glaube kaum," erwiderte Brown, "doch lässt sich das nicht ändern. Haben wir den Hauptehler erst einmal auf der Tat erwischt, so muss dieser die Schurken nennen, die Husfields letzte Pferde fortschaffen halfen, und unter diesen finden wir dann auf jeden Fall den Mörder der Indianerin."

"So kommt," sagte Cook, "das lange Zögern hier auf dem Berge könnte nur, im Falle wir von Jemandem gesehen würden, Verdacht erregen. Ich wollte übrigens, wir hätten heute den Indianer bei der Hand, der sollte treffliche Dienste leisten. Bald fange ich selbst an zu glauben, dass er nicht wiederkommt, so unwahrscheinlich mir das im Anfange war. Jetzt hat er aber volle neun oder zehn Tage nicht das Mindeste von sich hören lassen."

"Mullins behauptete, ihn gestern im wald gesehen zu haben," sagte Curtis, "doch war es an einer sehr dichten Stelle und nur für einen Augenblick gewesen. Er erzählte mir auch, er hätte ihn angerufen, d.h. nach der Richtung hin, in der er ihn bemerkt, in den Wald geschrieen, weiter aber nichts von ihm zu sehen bekommen."

"Fort ist er nicht," behauptete Brown, "darauf wollt' ich schwören. Ich habe ihm mein Wort geben müssen, nicht eher aus dieser Gegend zu scheiden, als bis Alapaha gerächt sei; es ist also nicht wahrscheinlich, dass er mich im Stiche lassen sollte."

"Nun, wir werden sehen," sagte Cook kopfschüttelnd; "hat er aber überhaupt im Sinne wieder zu kommen und wünscht er, dass etwas in seiner Sache geschehen soll, so hätte er viel lieber hier bleiben und die Nachforschung an Ort und Stelle eifriger betreiben sollen. – Doch, wie gesagt, wir werden ja sehen."

Die Männer verfolgten indessen ihren Weg wieder und näherten sich jetzt der am Fuss des anschwellenden Landes liegenden wohnung Atkins'. Dieser stand schon vor der Tür und schien sie erwartet zu haben. Als sie übrigens die Fenz erreichten und er den Fremden nicht bemerkte, kam er den Regulatoren bis an den äussersten Eingang entgegen und mochte wohl die Frage nach jenem auf den Lippen haben, scheute sich aber doch, sie auszusprechen.

"Was macht das Kind, Mr. Atkins?" fragte Brown, während er sein Pferd einzügelte und neben dem Grüssenden halten blieb.

"Dankenicht besonders, Sirich fürchte, wir werden das arme kleine Ding verlieren. – Nun, ist die Versammlung vorüber?"

"Für diesmal, ja! – Die Nachbarinnen sind noch alle hiernicht wahr?"

"Fast alle, wenigstens elf; – genug, um ein halbes Dutzend Kinder umzubringen; meine Frau will's aber so haben. Nun, ist etwas bestimmt worden? – Wollen Sie denn aber nicht ein wenig absteigen und rasten, Gentlemen?" unterbrach er sich selber in seiner Frage – "Sie haben ja noch vollkommen Zeit, die nächsten Häuser zu erreichenoder bleiben vielleicht gar bei mir über Nacht."

"Nein, ich danke, Atkins," sagte Brown ablehnend, "für mich selbst wenigstens; Onkel ist zu Roberts hinübergeritten, und da werde ich nach dem haus sehen und die Tiere füttern müssen; sonst recht gern."

"Hört, Brownda mögt Ihr immer allein weiter reiten," sagte Curtis – "ich bleibe die Nacht hier. Zu haus versäume ich doch nichts."

"Gutdann leist' ich Euch Gesellschaftwenn Atkins nämlich noch Platz für Gäste hat und die Damen nicht beide Zimmer eingenommen haben," rief Cook.

"Platz genugsteigt nur ab, ich bin überdies neugierig, Nachrichten von oben zu hören. Wo haben Sie denn meinen gestrigen Gast gelassen?"

"Der ist mit Husfield an den Petite Jeanne, doch davon im haus," erwiderte Cook, während er aus dem Sattel stieg, diesen dann augenblicklich abschnallte und über die Fenz hing. Curtis folgte seinem Beispiel, und Brown (Wilson war unter der Zeit langsam vorangeritten) grüsste noch einmal und trabte schnell hinter dem Freunde her.

Indessen führte Atkins seine beiden Gäste in das Haus, wo sie am Kamin noch einen fremden jungen Mann fanden. Ihr Wirt stellte ihnen denselben als Mr. Weston, "seinen Neffen", vor, der an den Fourche la fave gekommen sei, um sich hier