Ihr nicht an Ort und Stelle gewartet, das geschieht Euch ganz recht. Ihr glaubt, wenn Ihr mit Eurem Mittagessen fertig geworden seid, dann können andere Menschen bis zur nächsten Mahlzeit hungern, nicht wahr? Doch jetzt im Ernste, Stevenson kommt, und zwar mit seinem ältesten Sohn und drei von seinen Pferden."
"Ohne die, die er reitet?" fragte Brown.
"Jeder Pferdedieb reitet doch natürlich die gestohlenen Pferde," lachte Cook – "Brown, Ihr seid noch sehr weit in der kultur zurück. Das sind ja gerade die beiden Hauptbedingnisse eines tüchtigen Pferdediebes, in einem Striche Wochen lang auf dem rücken eines Tieres hängen und dann auch wieder unmenschliche Fusstouren machen zu können. Jedes eigene Pferd, das er reitet, ist reiner Verlust. – Doch welchen Plan habt I h r Euch ausgedacht?"
"Hat ihn Euch Husfield nicht mitgeteilt?"
"Nein, er vertröstete mich darauf, dass ich Euch überholen würde. Der faule Bursche lag unter einem Baum und schien sich zu der Arbeit auf heute Abend vorbereiten zu wollen."
"Das hat er Euch doch gesagt, dass Ihr und Curtis bei Atkins übernachten müsst?"
"Ja – weiter aber auch nichts."
"Und wo ist der Tennesseer?"
"Oben bei Bowitts mit seinem Sohne. Der Alte war ganz Feuer und Flamme, als ich ihm von unserem Plan erzählte, und wollte die Jungen gleich alle zusammen mitnehmen. Wie aber die Frauen von dem Raubgesindel in der Nachbarschaft hörten, gab es einen Hauptspectakel, und nun sollte gar keiner fort. Der alte Tennesseer blieb aber über wasser und verstand sich nur endlich dazu, dass die beiden Jüngsten zum Schütze der Familie zurückbleiben möchten. Die wurden dann, um die Frauen zu beruhigen, mit Messern und Pistolen besteckt, wobei Ben, der Kleinste, noch die besondere Warnung erhielt, sich 'nicht weh zu tun', und fort trabten wir, was die Pferde laufen konnten. Nun zu Eurem Plan."
"Der ist einfach der folgende," erwiderte Brown. "Der Tennesseer – wie ist sein Name?"
"Stevenson."
"Also Stevenson bleibt bis gegen Abend bei Bowitts, um etwa eine Stunde nach Dunkelwerden bei Atkins einzutreffen. – Ihr Beide – Cook und Curtis – begleitet uns bis Atkins und kehrt dort unter irgend einem Vorwand ein. Wir zwei, Wilson und ich, reiten vorüber."
"Weshalb kommt Ihr denn da jetzt schon mit herunter? Ihr konntet ja ebenfalls so lange bei Bowitts bleiben," sagte Cook.
"Damit Atkins nicht möglicher Weise Verdacht schöpfen soll," entgegnete Wilson. – "Sieht er uns aber hier ruhig vorbei- und nach haus reiten, so glaubt er natürlich, dass Alles in Ordnung sei, und forscht nicht weiter nach. Da Brown der Anführer von Fourche la fave ist, muss er, wie sich das von selbst versteht, mit dessen Heimritt auch die Versammlung für aufgehoben halten."
"Wo aber bleibt Ihr indessen?"
"Wir reiten bis Wilson's Haus – lassen dort unsere Pferde und kehren zu Fuss wieder zurück."
"Hört – da nehmt Euch vor Curneales in Acht – dem trau' ich keine Büchsenläng!" warnte Cook.
"Wir eben so wenig," erwiderte Wilson; "um ihn aber irre zu führen, schultern wir unser Schiesseisen und gehen nach der Salzlecke zu, die südlich von meinem haus liegt. Von dort aus können wir, und wenn wir auch erst mit der Dämmerung aufbrächen, immer noch zur rechten Zeit auf dem platz eintreffen."
"Und wo haltet Ihr Euch verborgen?"
"Wilson der früher oft in Atkins' haus war, glaubt mit ziemlicher Genauigkeit den Platz angeben zu können, wo sich die heimliche Tür befindet. Wie dem aber auch sei, in dem Schilfbruch, der hinter Atkins' haus bis zum Fourche la fave hinuntergeht, m u ss der Versteck liegen, es gibt dort keinen andern Platz und in d e n einzudringen, hat mir Hecker schon neulich versichert, sei unmöglich. Der hatte einen Trutahn geschossen und konnte ihn, obgleich er ihn fallen gehört, nicht bekommen, so wild und verworren lagen umgestürzte und g e f ä l l t e Bäume über- und durcheinander hin."
"Wie viel Mann mustern wir zu dem Ueberfall?"
"etwa achtzehn – die sind vollkommen hinreichend."
"Und was sagen wir ihm, wenn er nach Jones fragt?"
"Das weiss Curtis schon, doch kann ich es Euch noch schnell wiederholen. Husfield hätte Jones mit an den Petite Jeanne zu einer dort morgen zu haltenden Versammlung der Regulatoren genommen. Jener Fluss liegt dem Missouri-Staat etwas näher, ist also auch Räubereien von dort her mehr ausgesetzt, und er wird es ganz in der Ordnung finden, dass man von dort eine Abteilung unserer Leute nach der Grenze zu schikken will."
"Wird er das glauben?"
"Warum nicht? – er wird denken, Jones selber habe sie dazu überredet, um sie von der Fährte der hier hausenden Pferdediebe abzulenken. Ihr könnt ihm auch zu verstehen geben, dass die Anregung von Jones ausgegangen. Seid Ihr nun im haus und hört Ihr unser Zeichen – den scharfen Pfiff – so bemächtigt Euch augenblicklich der dortigen Waffen, denn Blut wollen wir, wenn es vermieden werden kann, nicht vergiessen."
"Aber die vielen Frauen,