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von solchem Schluss gehabt, entsetzt zurückprallten. Wilson aber, der von der ersten Bewegung Jones' an dessen Absicht erraten, wusste, was er mit der Hand unter der Weste suchte, und verstand vollkommen dessen Plan. Kaum blitzte daher der breite Stahl in der Hand des entdeckten Verräters, als er ihm auch mit schnellem und sicherem Griff in den Arm fiel, und im nächsten Augenblick lag der Spion, von der kräftigen Faust des Hinterwäldlers niedergeworfen, unter dessen Knie und knirschte vergebens gegen die Macht an, die ihn, wie in einem eisernen Schraubstock, regungslos gefesselt hielt.

Ein wildes Staunen, eine eigene, wie sinnverwirrende Ueberraschung schien in dem ersten Augenblick die versammelten Männer rat- und tatlos gemacht zu haben, so, ihrer fast unbewusst, drängten sie sich durch einander, so erstarrt standen sie über das Ungeahnte, noch nicht Begriffene. Aber nur wenige Secunden dauerte diese fast zauberartige Lähmung, denn zu rascher Tätigkeit wurden bald alle ihre Kräfte aufgerufen.

"Haltet den Neger!" schrie Brown, der, sobald er den Feind gefangen sah, die offene Lichtung mit seinem Adlerblick überflog und eben noch die helle Jacke des Negerknaben bemerkte, der schlangengleich in die dichten Büsche hineinglitt. Wahrscheinlich wollte er fliehen und die Kameraden des Verbrechers warnen. Der Zuruf war aber nutzlos. Einer der jungen, als Wache aufgestellten Leute hatte den Burschen, der ihm von Anfang an verdächtig vorgekommen, nicht aus den Augen verloren und sich, sobald dieser Miene machte, das Dickicht zu erreichen, in den Sattel seines kleinen mutigen Tieres geschwungen. Von Peitsche und Sporn getrieben, flog dieses mit ihm wie eine Windsbraut über die im Wege liegenden Stämme weg, und in wenigen Secunden hatte er den Neger eingeholt.

Dieser machte auch, da er sich auf solche Art verfolgt sah, keinen weiteren Versuch zur Flucht, sondern drückte sich auf die Erde nieder und bat mit flehender stimme, ihm nichts zu tun, er wolle ja nicht weglaufen, er wolle keinen Schritt vom haus fortgehen.

Die beiden dicken Negerinnen selbst waren wie vom Schlage gerührt, versuchten jedoch natürlich keinen Fuss vor das Haus zu setzen, da ihrerseits eine Flucht unmöglich war. Das kleine Gebäude mit den drei Schwarzen im inneren wurde jetzt von mehreren Schildwachen umstellt, die ihren zeitweiligen Gefangenen übrigens freundlich zusprachen und sie besonders darauf aufmerksam machten, um Gottes willen das Mittagessen nicht zu vernachlässigen.

Jones war indessen gebunden und in den Kreis der Männer geführt, wo er jedoch, wenn auch mit niedergeschlagenen Augen, hartnäckig auf keine Frage Antwort geben wollte.

"Legt ihm den Hickory über!" riefen da mehrere Stimmen; "verdamm' den Hundbindet ihn an einen Doogwood und lasst ihn Rinde schälen!2 – hängt ihn an den Händen auf und hetzt die Hunde auf ihn!" – Lauter freundliche Ratschläge, die alle dem Opfer galten, das bleich und gebunden, aber mit fest und krampfhaft aufeinander gebissenen Zähnen zwischen ihnen stand. Er schien das Aergste zu erwarten, aber jetzt, da es einmal über ihn hereingebrochen, keineswegs, zu fürchten.

Mehrere der wilden Backwoodsmen wollten übrigens ihre Drohungen schon tatkräftig in Anwendung bringen, und einer besonders streifte mit grossem Eifer die zähe Rinde eines Papaobaumes ab, um den Gefangenen damit an den beschriebenen Baum zu befestigen. Brown wehrte ihnen aber und sagte ruhig:

"Haltlasst den Mann noch in Frieden. So lange wir die Aussicht haben, unsern Zweck ohne solche Mittel zu erreichen, ist es immer besser. Noch bleibt uns Atkins, der auch auf jeden Fall mehr von den hiesigen Verhältnissen weiss, als dieser Bursche, denn er und Atkins waren sich, wie ich fest überzeugt bin, vorgestern Abend gänzlich fremd."

"Dann ist das auch eine Lüge, dass er meine Pferde gesehen hat, und er wollte mich auf einen wilden Ritt in die Mamelleberge schicken!" rief jetzt der Halbindianer, zornig vortretend. Doch Brown hielt auch ihn zurück und sagte:

"Eure Pferde hat er auf jeden Fall gesehen, denn ich zweifle keinen Augenblick daran, dass er selbst Derjenige ist, der sie hierher gebracht hat –"

"Ei, so soll –"

"Halt!" fuhr Brown fort, den Zürnenden an der Schulter fassend – "sie sind da, noch kann sie Atkins nicht weiter befördert haben, wenn er das auch in nächster Nacht beabsichtigt hätte –"

"Dann wollen wir doch gleich hin," rief Husfield – "finden wir die Tiere bei ihm, so liegt ja der Beweis klar auf der Hand."

"Ich fürchte n e i n ," sagte Brown – "heute Morgen war ich in seinem Hofraum und beobachtete die ganze Einrichtung desselben. Wenn er die Pferde in seinem Gewahrsam hat, so sind sie keinesfalls i n n e r h a l b s e i n e r F e n z e n , und es muss irgendwo hinter dem Feld oder Viehhof einen Platz geben (in dem niedern, mit Schilf bewachsenen Talgrund wahrscheinlich), wo die Tiere durch das dichte Rohr selbst, wie vielleicht durch umsichtig abgehauene Bäume, in einer gewissermassen natürlichen Umzäunung eingefenzt gehalten werden."

"Dann ist aber doch der Eingang nur von seinem land aus," rief Cook ungeduldig.

"Allerdings," entgegnete Brown, "ich kann es mir wenigstens nicht anders denken, doch das ist einerlei. Er kann vor Gericht nicht dafür verantwortlich gemacht werden. Was f r e i