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am Fourche la fave Einer?" tönten die Stimmen wild durcheinander, und Jones, der bis jetzt sehr ruhig und selbstzufrieden an einem Baum gelehnt, wandte leise und fast unmerklich seinen Kopf der Hütte zu. Er wollte sehen, ob er auch im schlimmsten Falle den Rückzug zu seinem Pferde frei habe, das unfern von dort und etwas abgesondert von den übrigen, angebunden war. Wie er jedoch den Kopf drehte, begegnete er Cook's Blicke, der dicht neben ihm, etwas zurück, stand und ihm freundlich und leise zuflüsterte:

"Nicht wahr, Ihr hättet zu keiner günstigeren Zeit hierher kommen können? Die werden in Missouri staunen, wenn sie das hören."

"Ja sehr günstig," sagte Jones – "sehr günstig, ichbin ausserordentlich neugierig," (er wandte den Kopf nach der andern Seite und sah Wilson dort, anscheinend gleichgültig, am Baume lehnen) "ja, wirklich ausserordentlich neugierig, wer damit gemeint ist. Schade, dass ich die Leute nicht selber kenne!"

"Oh, Ihr lernt sie vielleicht kennen," erwiderte Cook – "aber hört nur!"

"Gleich, meine Freunde," beruhigte Brown die Ungeduldigen, "Ihr sollt Alles erfahren, habt nur ein ganz klein wenig Geduld. Ein Zufall nämlich, wenn wir's denn einmal so nennen wollen, brachte mich vor einigen Wochendas W i e ? erzähl' ich ein anderes Malin den Besitz eines Schlüssels, von dem ich damals zwar keinen Gebrauch zu machen wusste, der mir aber seit kurzer Zeit klar und deutlich geworden ist. Es war die Verabredung zweier Ehrenmänner, sich durch gewisse Worte und Redensarten, wenn auch sonst einander gänzlich fremd, an einem dritten Orte zu erkennen und zu verstehen."

"Wünschen Sie etwas?" fragte Cook Jones, der in diesem Augenblick an ihm vorbeitreten wollte, um den äussern Rand des Kreises zu erreichen.

"Nur ein Glas wasser," flüsterte dieser zurück, "ich bin augenblicklich wieder da –"

"Lyddy, ein Glas wasser für Mr. Jones!" rief plötzlich mit lauter stimme Cook, dass sich Alle verwundert nach jener Stelle umsahen, Brown einige Secunden lächelnd in seiner Rede anhielt und Jones leichenblass wurde. Die Schwarze aber, die schon lange auf eine gelegenheit gewartet hatte, den Männern, und besonders jener Gegend, wo Jones stand, näher zu rücken, ergriff in aller Eile einen Becher mit dem verlangten Getränk und watschelte, so schnell es ihre aussergewöhnlich wohlbeleibte Gestalt erlaubte, dem Baume zu, an welchem er stand.

Er dankte, nahm den Becher und trank, flüsterte dabei aber der Schwarzen einige Worte zu und blieb jetzt ausserhalb des Kreises stehen, während Wilson ebenfalls vortrat, die Negerin um einen zweiten Trunk bat und sich an die andere, Cook entgegengesetzte Seite des Fremden verfügte.

Brown hatte mit schnellem blick das eben Beschriebene übersehen und fuhr nach kleiner, hierdurch entstandener Pause wieder laut fort:

"Eine Frage nach dem Fourche la fave, eine Frage nach der Weide dieser Gegend und eine Bitte um einen Trunk wasser waren die Zeichen, und w o glaubt Ihr, dass der Verräter unter uns gelauert habe?"

Lyddy kam in diesem Augenblick mit einem kleinen Korb voll Mais aus der Küche und ging zu dem Ponny des Fremden, dessen Zügel sie, wie sich Cook mit schnellem blick überzeugte, in Ordnung brachte. Alles in der Versammlung lauschte dabei mit atemlosem Schweigen dem Berichte, der ihnen Die entüllen sollte, die so lange als Verräter und Schurken verdachtlos und ruhig unter ihnen geweilt hatten.

"Gentlemen," sagte der Regulatorenführer da nach kurzer atemloser Pause mit erhobener stimme, "ich war gestern Abend in dem haus unseres bisherigen Nachbars A t k i n s , und ist er der Verräter."

"Sonderbare geschichte das," flüsterte Cook, seinen Arm vertraulich auf die Schulter von Jones lehnend, der ihm mit stierem blick und aschfarbenen Wangen in's Auge sah – "sehr sonderbare geschichte das!"

Dieser fühlte, dass er verraten war; fühlte, wie der blick des Regulatorenführers auf ihm haftete, wenn er ihm auch nicht selbst in's Auge schaute. – Er wusste, dass für ihn jetzt keine andere Rettung als schnelle Flucht sei und er sich zu dieser den Weg bahnen müsse, wie er nur immer könne. Leise daher, aber schnell die rechte Hand unter die Weste bringend, ergriff er das dort verborgen gehaltene Bowiemesser und warf noch einen blick forschend hinüber zu der Negerin, die eben ihre Vorbereitungen beendet hatte.

Das Ganze, so lang hier im Erzählen, hatte in der Wirklichkeit nur wenige Secunden in Anspruch genommen, während bei den letzten Worten Brown's ein Murmeln des Erstaunens und der Verwunderung die Versammlung durchlief.

"Jener Bube aber," fuhr Brown jetzt mit erhöhter stimme fort, indem er seinen Arm gegen den Fremden ausstreckte, "der sich mit seinem diebischen Treiben, unter dem Mantel der Nacht, in unsere Ansiedelung, ja als 'Regulator aus Missouri' sogar in unsere Mitte schlichist d i e s e r !"

Alles wandte sich erschrocken und empört nach dem Bezeichneten um; Jones hatte aber auf diesen Augenblick des Erstaunens gerechnet. Mit schnellem Griff riss er das breite, haarscharfe Messer aus der Scheide und schwang es hoch empor, um sich Bahn zu hauen, so dass die ihm zunächst Stehenden, die keine Ahnung