1846_Gerstcker_144_13.txt

" aus.

"BillBillverfluchter JungeBillkomm her und führ' mich an die Quelle. Donnerwetter, soll ich denn hier den ganzen Tag stehen bleiben, bis der Lehm so hart wird, dass ihn kein Teufel wieder abkratzen kann? Bill, sag' ichSchurke, willst Du Deinen alten Onkel hier im Stiche lassen?"

Bill brauchte aber wirklich erst einige Sekunden, bis er sich sammeln konnte, dann trat er an das äusserste Ende des weichen Schlammes und reichte dem armen kleinen Mann einen gerade dort liegenden trokkenen Zweig hinüber, den dieser auch gar schnell ergriff, und von seinem gehorsamen Neffen gleich darauf an den Bach geführt wurde, wo er sich vor allen Dingen die Augen auswusch, um sehen zu können, was um ihn her vorgehe.

Das Erste, was seinem blick begegnete, war die Gestalt des Indianers, der, ohne weiter eine Miene zu verziehen, seine Büchse wieder lud.

"So, Mr. Rotfellalso Ihr glaubt, ich krieche Sonntag Morgens im Schlamm herum und halte Euch die Hirsche bei den Hinterläufen, bis es Euch gefällig ist, näher zu treten und sie nach Bequemlichkeit niederzuschiessen, he? Wenn ich einen Hirsch mit Lebensgefahr l e b e n d i g fange, habt Ihr dann ein Recht, ihn t o d t zu schiessen? Warum geht Ihr denn nicht auch nach meinem haus und schiesst Kühe und Schweine über den Haufen?"

"Aber, Onkel, wir kommen zu spät in die Kirche!"

"Die Kirche mag zumglaubst Du, ich ginge in einem solchen Aufzug in die Kirche? – Nein, dieser Rotaut will ich erst noch ordentlich meine Meinung geigen. Ist das Sitte, sich leise und nach der verdammten indianischen Art an einen Gentleman hinanzuschleichen und ihm das wild aus den Händen herauszuschiessen?"

"Aber, Onkel, Sie hätten den Hirsch ja keine zwei Secunden länger halten können!"

"Keine zwei Secunden länger? und was weiss denn der Gelbschnabel davon, wie lange ich ihn hätte halten können? Hat mein Bruder doch einmal einen Bären eine ganze Nacht hindurch –"

"Lebendig wollten Sie sich den Hirsch doch nicht aufheben?" unterbrach ihn der Neffe, der nicht mit Unrecht eine der langen Geschichten befürchtete.

"Und warum nicht? – Hab' ich nicht eine Fenz, die hoch genug ist, ein R u d e l Hirsche drin zu halten, und geht das die Rotjacke etwas an, was ich mit meinem Eigentum zu tun beabsichtige? Nun, was gibt's dabei zu grinsen? eh?"

Der Indianer, gegen den alle diese zornigen Redensarten geschleudert wurden, war indessen ruhig, und ohne ein Wort zu erwidern, mit dem Laden der Büchse beschäftigt gewesen, die er zuerst etwas ausgewischt und gereinigt hatte. Dabei verzog sich aber sein Gesicht zu einem breiten, freundlichen Lächeln, das zwei Reihen blendend weisser Zähne sehen liess, und er erwiderte in gebrochenem Englisch:

"Mein Vater ist sehr stark, aber ein Hirsch ist schnell, und einmal aus den Händen des weissen Mannes, würde er nie wieder seine Fährten in den weichen Boden des Fourche la fave gedrückt haben. Mein Vater wollte Fleischhier ist es."

"Der Teufel ist Dein Vater," brummte Harper vor sich hin; "wenn ich das Fleisch Jemandem zu verdanken habe, so ist's diesen beiden Knochen," und er zeigte dabei seine kräftigen arme. "Aber nicht wahr, Junge!" fuhr er in der Erinnerung an seine Heldentat wieder freundlich werdend, fort, "nicht wahr, das macht mir so leicht Keiner nach? Ein Glück ist's übrigens, dass Ihr Beiden es gesehen habt, denn hol' mich Dieser und Jener, wenn Roberts mir allein ein Wort davon geglaubt hätten. Schändliches Volk das, als ob ich jemals eine Lüge erzählte! Aber da feixen sie und feixen und sehen sich einander an, und stossen sich in die Rippen, als wenn sie in einem fort sagen wollten: 'Dudas ist wieder einmal eine göttliche geschichte'. Doch jetzt muss ich mich waschen, das Zeug wird sonst trocken –"

"Wir werden zu spät zur Predigt kommen," sagte Brown, etwas ungeduldig nach der Sonne sehend.

"Oh geh mit Deiner Predigt, wohin Du willstwas liegt daran, den Schleicher, den Rowson, predigen zu hören! So gut kann ich's auch, und was des Burschen Frömmigkeit –"

"Wollen Sie denn erst wieder nach haus reiten?"

"Versteht sichgeh nur immer voran, ich komme schon noch zur rechten Zeit."

"Was wird aber mit dem Wildpret?"

"Was mit dem Wildbret wird, Musjö Naseweis? Das ist sehr leicht zu sagen, das marschiert auf m e i n e m Pony in m e i n e Küche, ich denke, ich hätt' es redlich genug verdient; – so, Assowaum, das ist recht" – wandte er sich jetzt an den Indianer, der das erlegte wild an dem kurzen Gehörn hinab zum Bache zog, um den dicken Lehm davon abzuspülen – "wasch ihn ab, dass ihn ein ehrbarer Christenmensch mit Anstand auf's Pferd nehmen kann; aber hallowas ist das, Mr. Skalpiermesserwas zum Henker machst Du?"

Der Ausruf bezog sich auf das Beginnen des Indianers