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"mir bangt nur vor den Negern. Wer weiss, wenn wir hier etwas vornehmen, ob die nicht –"

"Pest! Ihr habt Recht," unterbrach ihn Husfield – "mir kam es überdies schon vor, als ob der Fremde dem einen Nigger ganz verstohlen zugenickt hätteVerrat könnte uns hier Alles verderbendoch haltlasst mich sorgenBowitt muss dafür stehen und kennt seine Leute; den will ich unterrichten. Verzögert Ihr indessen die Entscheidung, bis Ihr mich in den Kreis treten und den Hut abnehmen sehtfort! Jones kommt, es mag ihm wohl nicht angenehm sein, wenn Zwei mit einander heimlich flüstern."

Husfield verlor sich gleich darauf unter den Uebrigen, und Brown, als gewähltes Oberhaupt dieses County, rief die Männer herbei und eröffnete die Versammlung. Nach echt arkansischer Art trat er dabei, um etwas höher zu stehen und sowohl Alle sehen zu können als auch von Allen gesehen zu werden, auf den Stumpf eines gefällten Baumes und sprach zur Einleitung über den Zweck, der sie hier zusammengeführt, wie über das G e s e t z l i c h e der Versammlung selbst, fragte sie aber zum Schluss, ob sie auch fest und ernstlich gesonnen wären, den u n g e s e t z l i c h e n teil ihrer Verbindung, die Ausübung des sogenannten L y n c h g e s e t z e s , in kräftiger Gesammteit durchzuführen und d i e zu strafen, und zwar selbst am Leben, wenn es die Mehrzahl der Regulatoren für nötig finden sollte, die Strafe und solche Strafe verdient hätten. Ein laut donnerndes "J a " gab das zeugnis, wie aus der Seele gesprochen dies Alles sei und wie fest sie entschlossen wären, das mit Leib und Leben zu vertreten, was sie einmal begonnen und unternommen hätten.

Unterdessen bemerkte Brown, wie Bowitt eine Zeit lang mit zwei jungen Burschen gesprochen hatte, und diese sich jetzt von den Uebrigen absonderten. Einer nahm darauf seinen Platz gerade der Haustür gegenüber, setzte sich dort auf einen Holzklotz und begann das Schloss seiner Büchse sehr aufmerksam zu untersuchen, während der Andere, das gesattelte Pony am Zügel, neben ihn trat und eine Unterhaltung mit ihm anknüpfte.

"Nun, Massa," sagte die eine Negerin zu den Beiden, als sie eben einem jungen, etwa zwölfjährigen schwarzen Knaben einen Korb voll Späne abnahm und diese neben die Tür der Hütte schüttete, "wollen Sie nicht der Versammlung zuhören?"

"Noch zu jung, Lyddy," lachte der Eine, "und nicht hübsch genug. – Es dürfen bloss hübsche Leute dabei sein."

"O, Golly," sagte die Schwarze. "Unsinn das, MassaMassa Hokker dort –"

"Wer, Lyddy?"

"OhMassaMassa Hostler dort," rief die Schwarze, augenscheinlich verlegen werdend – "Massa Hostler auch nicht gross hübsch; was hat Massa mit dem Gewehr? – Alles in Ordnung –"

"Das verstehst Du nicht, Lyddy," sagte der junge Bursche. "Wenn eine Armee irgendwo campirt, dann werden Posten ausgestellt –"

"Oh, GollyGolly!" schrie die Schwarze lachend, dass ihre Augen wie zwei grosse weisse Kugeln fast aus den Höhlen herausdrängten und ein Paar Reihen von Zähnen sichtbar wurden, deren sich ein Haifisch nicht hätte zu schämen brauchen – "Schildwachen vor die Küchentür! – oh, GollyGolly!"

Die jungen Leute lachten ebenfalls und scherzten und spassten mit den beiden Negerinnen, die indessen im inneren des kleinen Gebäudes das Geschirr aufwuschen und auf's Neue zum Feuer gestellte Lebensmittel beaufsichtigten. Dennoch traten sie abwechselnd in die Tür und schienen besonderen Anteil an den nicht sehr entfernt von da gehaltenen Verhandlungen zu nehmen.

"Wir sind also heute hier zusammengekommen, meine Freunde," fuhr Brown, sich jetzt hochaufrichtend und im Kreise umherschauend, fort, "um dem Unwesen des Pferdediebstahls, das uns bei sämmtlichen Staaten der Union in Misscredit gebracht hat, zu steuern. Wenn wir aber auch kräftig und bestimmt gegen die offenen Feinde und Die, welche uns von aussen als Fremde angreifen, auftreten können, so ist das bei Solchen, die sich unter uns als unsere Freunde und Genossen einschleichen, die uns schmeicheln und am Tage herzlich die Hand drücken, während sie in der Nacht mit der Raubbrut aus anderen Gegenden verkehren, unmöglich."

"Wie aber diese auffinden?" hör' ich Euch fragen, "wie sie entlarven, wenn sie sich schlau und listig dem forschenden Auge der Gerechtigkeit zu entziehen wissen? Allerdings ist das schwer, aber es lebt auch dort oben ein Gott, der die Sünder manchmal da, wo sie es am wenigsten vermuten, in die Hand der Rächer liefert."

Husfield trat in diesem Augenblick heran, nahm den Hut ab und trocknete sich die Stirn.

"Nennt es Zufall oder Schicksal," fuhr Brown, seinem Blicke begegnend, fort – "was m i c h gerade zum Mitwisser eines solchen Geheimnisses machen musste; aber Mitwisser w u r d e ich, und j e t z t , Kameraden, hoff' ich, dass wir die Fährte gefunden haben, auf der die Wölfin nächtlich ausschleicht und ihre Beute in Sicherheit bringt."

"Wo? – was gefunden? – was habt Ihr entdeckt, Brown? wer ist es? hier in der Ansiedelung?