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find' ich die Fährten?"

"Die werden freilich Regen und Wind verweht haben," sagte Jones nachdenklich – "kommt Ihr aber auf den Berg (das letzte Haus, das Ihr von hier passirt, ist Greatouses) und seid etwa vier oder fünf Meilen von da hingeritten, ohne die Spuren anzutreffen, so tut Ihr meiner Meinung nach am besten, gleich hinüber an den Arkansas zu reiten. Der fliesst von dort nicht so sehr weit entfernt, und in den am Uferrande stehenden Blockhütten werdet Ihr sicher Kunde von den Dieben bekommen."

"Dann will ich wenigstens keine Zeit weiter versäumen, dass ich nicht auch diese, wenngleich sehr kalte Fährte verliere," rief der Fremde – "dank' Euch für die WeisungGood bye, Gentlemen!" Und ohne weitere grosse Umstände wollte der Kanadienser zu seinem Pony eilen und dem Dieb nachsetzen. Brown fasste ihn aber am Aermel seines ledernen Jagdhemdes, und als ihn der also Zurückgehaltene verwundert ansah, sagte er freundlich:

"Schenkt uns noch etwa eine halbe Stunde. Die also angegebene Spur ist doch, wie Ihr einsehen müsst, sehr unsicher und zeitraubend, und auf so wenige Minuten kann es Euch unmöglich ankommen. Ueberdies scheint Euer Pferd ermattet und bedarf der Ruhe. Seid Ihr also in einer Stunde noch gesonnen nachzusetzen, so könnt Ihr meins nehmen, das frischer bei Kräften ist und Euch die versäumte Zeit, bald einbringen wird. Auf dem Rückwege tauschen wir wieder um."

"Wenn aber der Bursche unterdessen ein Boot finden sollte, was ihn aufnähme?" sagte Jones.

"So schnell wird das nicht gehen, denn so häufig sind die Dampfboote noch nicht auf dem Arkansas. Also Ihr bleibt noch ein wenig und nehmt dann mein Pferd?"

Der Indianer nickte sehr befriedigt und jetzt wieder voller Hoffnung mit dem kopf, folgte aber fast noch freudiger dem Winke Bowitt's als dem Rate Brown's, welcher Erstere ihn zu dem gedeckten Tische lud. Dort zeigte er sich im Anfange allerdings etwas zurückhaltend, bald gestand er aber, dass er seit dem vorigen Morgen keinen Bissen über die Zunge gebracht, und wütete nun ordentlich, zum Entsetzen der Negerinnen, unter den speisen und Getränken.

"Gentlemen," redete jetzt Brown, als sich der Halbindianer zurückgezogen hatte, die Versammelten an, "ich habe Ihnen vor allen Dingen einen mir von Herrn Rowson empfohlenen Fremden vorzustellen, der als R e g u l a t o r a u s M i s s o u r i bei uns eingeführt zu werden wünscht. Er hofft dadurch zwischen uns und den nördlichen Staaten eine V e r b i n d u n g herzustellen, wünscht aber zuerst vor allen Dingen unsere Versammlung zu besuchen und den G e i s t kennen zu lernen, der sie beseelt. Nicht wahr, Mr. Jones?"

Der also Gefragte verbeugte sich bloss verbindlich.

"Da er gleich damit begonnen hat," fuhr Brown fort, "einem Hülfsbedürftigen auf den rechten Weg zu helfen, um sein verlorenes Eigentum wieder zu erhalten, so glaube ich nicht, dass es noch weiterer Empfehlung bedarf, ihm den Zutritt zu unserer, sonst eigentlich geheimen oder wenigstens geschlossenen Versammlung zu gestattenmeinen Sie nicht auch?"

"Genügt vollkommen," riefen die Männer fast einstimmig, und Husfield trat vor und drückte dem Fremden seine besondere Freude aus, gleich mit dem Bruderstaat in solcher Art verbunden zu werden.

"Was wolltet Ihr mir denn sagen, Brown?" fragte diesen jetzt Cook, als er einige Schritte mit ihm abseits getreten war.

"Geht dem eben Eingeführten nicht von der Seite," flüsterte Brown schnell – "er gehört mit zur Bandebstkein Wort weiterteilt es Wilson mit, und Ihr Beide bewacht ihnhabt Ihr Euer Terzerol?" (Cook bejahte es.) – "Gutich will nur erst die Neger dort bei Seite haben; ich traue den Schuften nicht, und sie könnten den Alarm geben –"

"Also ist das mit den gesehenen Pferden auch eine Lüge?" fragte Cook schnell.

"Bster sieht hierher," flüsterte Brown – "er darf noch nichts merkennehmt Euch Wilson zur hülfe, und dann müssen wir das Mittagessen schnell vorüber haben, dass die Neger fortkommen."

Die Männer trennten sich jetzt auf kurze Zeit, als Jones aber gleich darauf von dem Kanadienser wieder vorgenommen und über mehrere Einzelheiten befragt wurde, trat Cook noch einmal an den jungen Führer heran und sagte leise:

"Die Neger bekommen wir nicht fort, sie bleiben den ganzen Tag hier. Was geschehen soll, muss also bald geschehen. Dass die schwarzen Canaillen aber nachher nicht fortkommen und das Gerücht aussprenge, dafür will ich schon sorgen."

"Habt Ihr es Wilson gesagt?" fragte Brown.

"Jaseid ausser Sorgen, der kommt nicht wegdas gibt einen Hauptspass. Doch die Versammlung soll beginnen."

Husfield näherte sich in diesem Augenblick Brown und fragte ihn, ob sie nicht anfangen sollten, da manche der hier Anwesenden vielleicht noch an demselben Tage nach haus zurückzukehren wünschten. Brown erwiderte, hierauf kein Wort, führte ihn aber einige Schritte von den Uebrigen fort und erzählte ihm nun in der Kürze und mit so wenig Worten als möglich seinen Verdacht.

"Und was wollt Ihr tun?" fragte Husfield schnell.

"Davon nachher," flüsterte Brown