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jener verbindet dann die jungen Leute mit einander. Abends bringen wir sie nach haus, und Du, liebes Kind, bleibst mit unserem Negerknaben, den Ihr zu Eurer ersten Einrichtung eine Zeit lang dort behalten könnt, bei ihnen."

Diese Angelegenheit war bald in Ordnung gebracht und es rückte nun die viel wichtigere des Mittagessens heran. Weder Rowson noch Roberts kamen aber, und die Matrone fing schon an, sehr ungeduldig zu werden. Bahrens hatte auch, auf wiederholtes Anregen, soeben zum zweiten Mal in das lange gerade Blechhorn stossen müssen, das den Ton weit hin durch den Wald trug, als dieser endlich von dem freilich noch sehr fernen Jagdrufe Roberts' beantwortet wurde, und bald tobten, als fröhliche Vorboten, jauchzend und kläffend die Hunde die Countystrasse herunter. Wenige Minuten später kamen die Beiden, Roberts und Rowson, in etwas grösserer Eile als gewöhnlich, zusammen angetrabt, wahrscheinlich um dem dringenden Rufe Folge zu leisten und die Frauen nicht länger warten zu lassen.

26.

Die Regulatorenversammlung. – Jones befindet

sich in einer höchst unangenehmen Lage. – List

gegen List.

Um Bowitt's kleine wohnung hatte sich an demselben Morgen nicht allein eine ziemliche Anzahl der benachbarten, sondern auch der entfernter wohnenden Farmer und Jäger versammelt. Das Haus selbst durfte aber Keiner betreten. Dort wirtschafteten und arbeiteten nämlich zwei wohlbeleibte, von der benachbarten, einem wohlhabenden Mann aus Little Rock gehörenden Mühle geliehene Negerinnen, um für Manche, die schon eine weite Strecke Weges gekommen, Frühstück zu bereiten und unterdessen auch wieder die nötigen Vorbereitungen zum Mittagessen zu treffen. Zu gleicher Zeit hing vor dem haus auf zwei niederen Stäben befestigt und über einem lodernden Feuer, ein nicht unbedeutender eiserner Kessel, um kochendes wasser bereit zu halten und dann und wann die kühle Morgenluft mit einem heissen, erquickenden Trank zu dämpfen und angenehmer zu machen.

Trotzdem aber, dass der Becher häufig im Kreise herumging, der doch sonst so schnell Leben und Fröhlichkeit unter die "Männer von Arkansas" brachder Meisten gefesselt zu haben. Unter einem dichtlaubigen Baume, der das darunter gestreute vorjährige Laub vor dem niederfallenden Regen geschützt hatte, standen die Regulatoren, finstere Aufmerksamkeit und feste Entschlossenheit in den dunkeln, sonngebräunten Gesichtern, und dicht um einen einzelnen Mann geschaart, der mit lebhaften Geberden und geläufiger Zunge ihnen etwas scheinbar sehr Interessantes mitzuteilen schien.

Es war eins jener, keinem besonderen staat angehörenden Mitteldinge, halb Weisser, halb Indianer, dessen fast zu dunkle Farbe bei den Amerikanern gar nicht selten den Verdacht nach niederer Abstammung erweckt. In den Backwoods hiessen aber diese Art Leute kanadische Franzosen, Halbindianer oder auch wohl mit einem Spottnamen "Gumbos".1 Dieses braune Individuum, sonst ein kräftiger, derber Bursche, erzählte aber mit lebhaften Gesticulationen seinen Zuhörern, wie er aus der Nation der Cherokesen der Spur von gestohlenen Pferden gefolgt sei, etwa fünf Meilen von da aber die Fährten verloren habe und schon wieder auf dem Heimwege gewesen sei. Da hatte er von der "Regulator Meeting" gehört und war nun hierher geritten, die Regulatoren, wenn er die Tiere auch jetzt nicht wiederbekäme, doch auf diese wenigstens aufmerksam zu machen und ihre genaue Beschreibung zu hinterlassen.

Der Kanadienser, denn Kanada nannte er seine Heimat, war ein kleiner untersetzter Mann, mit glänzend schwarzen, langen Haaren, dunkeln feurigen Augen, blendend weissen Zähnen und ganz indianisch vorstehenden Backenknochen, wie etwas breitgedrückter Nase und grossen Nasenflügeln. Seine Gesichtsfarbe erschien freilich kaum dunkler gefärbt als die der ihn umstehenden Männer; seine Kleidung war aber vollkommen indianisch, und selbst der Gürtel, den er trug, aus perlengestickter roter Wolle gefertigt und reich mit Panterfängen und Bärenkrallen verziert.

Die Regulatoren rieten noch hin und her darüber, wie sonderbarer Weise die meisten Fährten in ihre Nachbarschaft führten und da, auf fast wunderbare Weise, verschwänden, als Brown, Jones und Cook herbeiritten und von den vor der Hütte Versammelten mit freudigem Gruss empfangen wurden. Zu gleicher Zeit fast traf auch Husfield von der andern Seite her ein und erquickte sich vor allen Dingen an dem Frühstück, da er schon, seiner Aussage nach, fünfzehn Meilen nüchtern geritten war.

Erst als er dies beendet, näherte er sich den letztangekommenen Freunden, zu deren Besten der Kanadienser seine Erzählung wiederholte. Da mischte sich Jones mit in das Gespräch und fragte den Halbindianer, ob nicht ein weisses Pferd mit einem schwarzen Hinterbein unter den vermissten gewesen sei.

Mit freudig erstauntem Eifer bejahte es der Fremde.

"Dann hab' ich sie gesehen," sagte Jones, mit der rechten Faust in die linke geöffnete Hand schlagend, "dann hab' ich sie, straf' mich Gott! gesehen."

"Aber wo?" fragte schnell und hitzig der Verfolger.

"etwa fünfzehn Meilen von hier; schon spät gestern Abend und oben auf dem Bergrücken, der die wasser der Mamelle und dieses Flusses von einander trennt."

"Und welchen Weg nahmen sie?" fragte jener voll Eifer – "waren sie auf der offenen Strasse, oder –"

"Sie kreuzten die Strasse, gerade als ich den steilen Berg von der andern Seite heraufkam," erwiderte Jones.

"Und wie viel Männer waren mit ihnen?"

"Einer nur, den ich sehen konnte."

"Das sind sie," rief der Halbwilde frohlockend aus – "ein Farmer an der Grenze hatte sie ebenfalls gesehen, konnte mir nur den Mann nicht beschreiben, da er zu weit entfernt gewesen war. Aber wo etwa