finden. – Mr. Rowson," fuhr er dann fort, als ihm Marion lautlos die Hand gereicht hatte – "Mr. Rowson ist ein sehr wackerer Mann und wird Sie schon so glücklich machen, als Sie es verdienen. – Der – der Junge ist doch ein Sausewind, und – sehen Sie, es ist vielleicht viel besser so –
Er ist jetzt mit bei den Regulatoren," erzählte er, ihren fragenden blick verstehend, weiter, "will aber nur sehen, ob er nicht die wirklichen Mörder herausbekommen kann. – Pest und Gift! – es müsste eine Wonne sein, die Kerle hängen zu sehen."
"Und er ist nicht schuldig – nicht wahr?" fragte das Mädchen mit bittendem blick.
"Schuldig?" fuhr Harper in seinem Stuhl auf – "schuldig? Ist da noch Einer, der ihn für schuldig hält? – Nein, S i e nicht," sagte er dann, die weisse Hand, die er nicht wieder losgelassen, liebkosend streichelnd, "Sie gewiss nicht, aber auch andere Leute sollen das nicht mehr. Ich selbst freilich glaubte es einmal; ich kannte sein schnell aufloderndes Blut. Das geraubte Geld machte mich aber gleich stutzig, und später erst fand es sich dann, dass er an jenem Tage seine Moccasins getragen, und die Spuren waren beide von Stiefeln oder Schuhen. Nein – er hat keine Schuld an jenem Blute, hoffentlich aber wird schon irgend einmal ein Zufall den wirklichen Täter verraten."
"Die Regulatoren sind ja, wie Sie sagen, deshalb versammelt," erwiderte leise die Jungfrau.
"Ach, das sind auch nur Menschen," meinte kopfschüttelnd der alte Harper – "nicht einmal Indianer. Ja, wenn Assowaum bei uns geblieben wäre; der Schlingel hat sich aber recht heimlich – recht indianisch fortgeschlichen und nie wieder etwas von sich hören lassen. Bill behauptet freilich noch immer, dass er wieder zurückkommt."
"Mr. Rowson äusserte hier neulich, die heimliche Entfernung des Indianers spreche sehr gegen ihn," sagte Marion.
"Oh – Mr. Rowson sollte ein wenig sparsamer mit seinem Verdacht umgehen," rief etwas ereifert der alte Mann. "Es ist nicht hübsch, einem Menschen gleich so Schreckliches aufzubürden, und wenn es auch nur ein Indianer ist. Uebrigens war der es nicht, dagegen wollt' ich mit Freudigkeit meinen Hals zum Pfande setzen."
"Wird Mr. Brown noch nach Texas gehen?" flüsterte zitternd das Mädchen.
"Ja," bestätigte Harper, auf einmal wieder traurig und niedergeschlagen. "Ich kann ihm den tollen Gedanken nicht ausreden und glaube, wenn sie heute den Mörder fänden, er ginge morgen fort. – Hat er schon das Pferd von Ihrem Vater gekauft?"
"Das eben liess mich fragen," sagte Marion – "ich hörte, wie mein Vater heute Morgen äusserte, er müsste den Fuchs für Mr. Brown einfangen, der oben im Talgrunde gewöhnlich weidet. Es tut mir unendlich weh, die Ursache zu sein, die ihn fort – von I h n e n forttreibt –"
"Es hat so sein sollen, liebe Marion," beruhigte sie der alte Mann, indem er aufstand und ihre Stirn küsste – "und – es ist vielleicht recht gut, dass es gerade so und nicht anders gekommen ist; wer kann es denn wissen. Also Herz gefasst, mein liebes Mädchen, und die starke Seite nach aussen gekehrt." Dabei hob er ihr mit leiser Hand das Kinn in die Höhe und wollte recht heiter und sorglos ihr in's Auge schauen, die stimme zitterte ihm aber doch, und er musste hart kämpfen, dass er nicht am Ende selbst von ihrer Wehmut angesteckt wurde.
Gerade noch zur rechten Zeit kam jetzt Mrs. Roberts mit Bahrens aus dem Garten zurück und zwar die Erste lachend, dennoch aber mit einer gewissen religiösen Entrüstung in den Zügen, dass Mr. Bahrens da Sachen erzähle, die "doch unmöglich wahr sein könnten, so gern sie auch seinen Worten glaube". Bahrens dagegen bestand fest auf dem Erzählten und rief jetzt Harper bei Mehrerem, das er auch ihm schon mitgeteilt haben wollte, zum Zeugen auf.
Sie waren noch in diesem halb ernsten, halb scherzhaften Streite begriffen, als zwei Reiter vor dem haus hielten und Ellen, von dem jungen Mulatten gefolgt, eintrat.
Die Mädchen kannten sich schon von früher her und begrüssten sich herzlich, aber auch Mrs. Roberts empfing die junge Waise mit wirklicher Güte, da Rowson ihr (in diesem Falle einmal die Wahrheit) nicht allein sehr viel liebes und Gutes, sondern auch das von ihr erzählt hatte, dass ihre Pflegemutter, Madame Atkins, sie eigentlich mehr wie eine Sclavin, als wie das Kind, wenn auch das angenommene, behandele.
Harper war Ellen noch fremd, Bahrens hatte sie aber schon häufig gesehen, und sie fragte nach den ersten Begrüssungen schüchtern ihre neue Herrin oder vielmehr Freundin, ob sie noch zeitig genug eingetroffen sei, da sie sich zu haus etwas verspätet.
"Zeitig genug, liebes Kind," unterbrach sie Madame Roberts – "zeitig genug; morgen früh erst wollen wir hinüberreiten in Eure neue wohnung. Es wird wohl noch Manches darin nötig sein, denn man kann doch nicht erwarten, dass ein Junggeselle seine Wirtschaft so ganz vollkommen eingerichtet haben sollte. Später besuchen wir den Richter, wo Mr. Rowson Nachmittags predigen wird, und