, stattliche Trutühner, aus im wald gefundenen Eiern aufgezogen, strutteten stolz und kollernd auf dem das Haus umgebenden freien Fleck umher und schienen die Maiskörner, die ihnen Marion in einem kleinen Körbchen brachte, erst durch das ganze Ausbreiten ihrer Pracht und Schönheit verdienen zu wollen, ehe sie sich herabliessen, die Morgengabe in Empfang zu nehmen. Auf den kleinen, niederen Hickorybüschen, die des Schattens wegen in der Nachbarschaft der Wohnungen gelassen waren, lärmten die blauen Heher und zwitscherten die feuerroten Cardinäle und hier und da glitt ein munteres silbergraues Eichhörnchen an irgend einem Stamme herunter. Rasch sprang es dort auf die Fenz, lief an dieser, genau den Zickzackwindungen derselben folgend, hin und schwang sich dann wieder, durch irgend ein im Laube raschelndes Huhn aufgescheucht, mit flüchtigem Satz an dem ihm nächststehenden Baum hinauf, bis es sich in Sicherheit wusste. Nicht lange aber dauerte es, so schaute es oben, das Köpfchen gar schlau und pfiffig von der Seite drehend, vorsichtig um den schlanken Stamm herum, mit den weit vorgespitzten kleinen Ohren herunterlauschend, was das verdächtige Geräusch denn wohl verursacht habe.
Die beiden Frauen waren allein. Roberts hatte sich mit den Hunden schon fast vor Tagesanbruch in den Wald begeben, um dort nach seinen Heerden zu sehen, aber versprochen, noch vor Mittag wieder zurück zu sein, und Madame Roberts wirtschaftete jetzt auf eine wunderbar geschäftige Weise zwischen allen nur möglichen Pfannen und Töpfen herum. Ja sogar das Rauchhaus wurde durchstöbert und von dorter einige sehr geheimnissvoll zugebundene und verwahrte Büchsen und Gläser herbeigeschafft, die teils saure Gurken und Honig, teils aber auch die verschiedenen Waldesfrüchte, auf treffliche und delicate Art eingemacht, entielten und heute zu einem sowohl seltenen als glänzenden Festmahle hervorgeholt wurden.
Marion hatte das Geschäft des Brodbackens überantwortet bekommen und knetete das zarte, weisse Mehl mit den noch viel zarteren, feineren Händen zu kleinen flachen "Biscuits". Späterhin sollten diese in der hohen eisernen Deckelpfanne gebacken werden, für jetzt aber lagen sie noch in langen, gleichen Reihen auf dem Tisch ausgebreitet und wurden nur vor der Hand mit einer Gabel eingestochen, um der Luft freien Zutritt zu gestatten und sie etwas zu heben.
Die beiden Frauen waren, ganz auf die gewöhnliche Art der amerikanischen Hinterwäldlerinnen, in selbstgewebte Anzüge gekleidet, der Stoff aber von der besten und vorzüglichsten Art, und die Farben und Muster auf das Geschmackvollste und Sinnigste gewählt. Mrs. Roberts suchte etwas darin, in dieser Arbeit von "keiner Einzigen in Arkansas und in den anderen Staaten eben so wenig," wie sie sich ausdrückte, übertroffen zu werden, obgleich sie gern und nicht ohne fast eben so viel Stolz eingestand, ihre Tochter stände ihr an Geschicklichkeit f a s t gleich.
Marion hatte die vollen kastanienbraunen Haare einfach und glatt zurückgescheitelt und in einem Knoten befestigt. Der einzige Schmuck, den sie trug, waren zwei kleine, halb aufgeblühte weisse Rosen, und süss und zart, wie ihre schwellenden Lippen, glühte und duftete aus deren kaum erschlossenem Kelch das sanfte jungfräuliche Rot der aufkeimenden Blüten. Sie hatte ihre Arbeit beendet, und schaute jetzt stumm und sinnend, die hände vor sich gefaltet, das Köpfchen wie ermüdet an den blank gescheuerten Türpfosten gelehnt, die Strasse hinab.
"kommt er noch nicht?" fragte die Mutter, indem sie mit Kennermiene eine eben geöffnete steinerne Büchse an die Nase hielt.
"Wer?" sagte Marion, erschrocken auffahrend und sich schnell nach der Mutter hinwendend.
"Wer?" fuhr diese, ohne die Bewegung zu beachten, fort, "wer? närrisches Mädchen – Sam – den Du doch selbst nach Mr. Harper hinuntergeschickt hast, um ihn auf heute einladen zu lassen. Hat's aber gar nicht verdient, dass man die Leute nach ihm in die Welt hineinjagt. – Hätte sich wohl in der langen Zeit einmal wieder können blicken lassen."
"Er war ja krank –"
"Nun, sein sauberer Neffe denn, der jetzt zu den Regulatoren übergegangen ist. – Du warst a u c h unwohl und es wäre nicht mehr als artig gewesen, einmal nachzufragen, wie Dir's ginge. Er ist immer freundlich hier aufgenommen und hat gar nichts auf der weiten Gotteswelt zu haus zu tun –"
"Er hat seinen Onkel gepflegt," sagte Marion leise.
"Oh ja – ich weiss wohl, Du verteidigst ihn immer seit der geschichte mit dem –"
"Mutter!" unterbrach sie fast noch leiser als früher und mit einem leichten Vorwurf im Ton das tieferrötende Mädchen.
"Nun ja – er hat Dir damals einen grossen Dienst erzeigt, das ist richtig," murmelte die alte Dame, "aber auch nicht mehr, als jeder Andere an seiner Stelle getan haben würde, und – Doch ich will gar nichts gegen ihn sagen, Kind," schwatzte sie dann redselig weiter, die nicht mehr nötigen Gefässe dabei an ihre gehörigen und bestimmten Plätze zurücktragend – "ich habe keineswegs etwas gegen ihn. – Es ist so weit ein lieber junger Mann, aber darum bin ich ja gerade böse auf ihn, dass er nicht manchmal herkommt. Freilich ist die Sache mit Heatcott –"
"Aber, Mutter!" rief mit vorwurfsvollem Tone die Tochter.
"Ich weiss, was Du sagen willst," fuhr diese, ohne sich irre machen zu lassen, fort – "ich weiss, was Du sagen willst; warum hat er sich denn aber seit jener Zeit nicht wieder hier