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Indianer hat Verdacht geschöpft. Der blick, den er mir heute zuwarf, lässt mich fast mit Gewissheit darauf schliessen."

"Du hast freilich b e s o n d e r e Ursache, den Indianer zu fürchten," flüsterte Johnson leise.

"Und wer hat Dir gesagt –?"

"Bst," beruhigte ihn der Freund – "der daaber nur ruhiges ist vielleicht sogar besser für Dich, dass ich darum weiss. Ueberdies war es nötig und ich hätte ebenso gehandelt. Hast Du aber auch vorsichtig alle Zeichen vertilgt?"

"Die Frage war überflüssig. – Meine Kleider wusch ich noch in derselben Nacht, obgleich mir's mit der Wunde im Arm hart genug ankam. Das Loch, das der Tomahawk der kleinen Hexe im Aermel des Rokkes machte, schnitt ich aus und setzte einen andern Fleck darauf, und mein Messer vergrub ich eine ganze Woche lang. Trotz alledem erfasst mich aber eine unbeschreibliche Angst, wenn ich an jenen Abend zurückdenke, undich weiss nichtbald ist mir's, als ob ich halb und halb bereute –"

"Oh, Unsinn," sagte Johnson verächtlich – "wie ist es denn mit dem andernhast Du das kleine Messer wiedergefunden?"

"Nein," flüsterte Rowson, noch viel leiser als vorher, "das ist in Roberts' Händenich hab' es selbst gesehen; er fragte mich, ob ich es kennte. – Johnson, dass ich mich in d e m Augenblicke nicht verriet, begreif' ich jetzt noch kaum."

"Es sollen am Arkansasfluss einem reichen Kerl über tausend Dollars abgenommen sein," sagte dieser jetzt, indem er einen scharfen Seitenblick auf den Freund warf – "Du warst ja zu jener Zeit in der Gegendhast Du etwas davon gehört?"

"Oh, die Pest über Dein unsinniges Schwatzen!" fluchte der Gefragte. – "Soll ich von jedem Morde wissen, der innerhalb des Staates verübt wird? Kümmere Dich um Deine eigenen Angelegenheiten und lass mich aus dem Spiel. Bist Du auch sicher, dass Weston reinen Mund hält? Wir hätten ihn nicht mit bis an die Insel schicken sollen."

"Ich glaube, dass er treu ist," erwiderte nachdenkend Johnson – "man kann dem Menschen übrigens nicht in's Herz sehen. – Und Du willst wirklich morgen heiraten?"

"Jafreilich unter nicht gerade freundlichen Aussichten; doch ist es das Beste, was ich tun kann. – Wird die Sache ruchbar, nun dann mag der Teufel den ganzen Bettel holen; das wird nachher die kleinste Sünde sein, an die Frau zuletzt zu denken."

"Bei d e n grundsätzen kann Dir die Ehe nicht besonders hinderlich sein," lachte der Freund. – "Du machst Dir also nichts aus dem Mädchen?"

"Glaubst Du, ich würde mich dem Allen ausgesetzt haben, sie zu erringen, wenn ich sie n i c h t liebte?" fragte der Prediger rasch; "eine wilde, rasende leidenschaft ist's, die mich zu dem reinen Wesen hinzieht, und ich fühle es recht gut, dass gerade diese Liebe die grösste Sünde ist, die ich in meinem Leben begangen."

"Und doch kannst Du jetzt schon daran denken, sie wieder zu verlassen?"

"Zeige mir die Möglichkeit, sie auf der Flucht, g e g e n ihren Willen, mitzunehmen, und Du wirst mich mit Seel' und Leib bereit findenes geht aber nicht an. Jeder Fremde, den sie anspräche, würde ihr Schutz gewähren, und dem wollen wir uns nicht aussetzen. Nein – k ö n n t e ich noch zurücktretenvielleicht tät' ich's – vielleicht auch nicht; aber es geht nicht mehr, also mag sie mein Geschick teilen, so lange es möglich ist. – Sie wird doch m e i n !"

"Hast Du denn in Deinem haus irgend welche Vorsichtsmassregeln getroffen, wenn einmal eine Flucht nötig sein sollte?"

"Ich sollte denken, Du kenntest mich lange genug," sagte der Priester. "In dem kleinen Schilfbruch, gleich unter dem haus, liegt sorgfältig versteckt ein kleines Canoe, ein kleiner Koffer mit allen nötigen Reisebedürfnissen steht schon seit jener Nacht, in der uns die Indianerin entdeckte, fertig gepackt, und meine Waffen sind stets in Ordnung und bei der Handden geheimen Weg kennst Du selbst –"

"Wie Viele trägt das Canoe."

"Vier, auch Fünf im Notfalles ist gross genug und vortrefflich gebaut; mit drei Rudern könnten wir in sechs Stunden den Arkansas erreichen."

"Das ist vorsichtig gehandeltich will übrigens wünschen, dass wir's nicht gebrauchen. Können wir dieses Mal die Regulatoren von unserer Fährte abbringen, so sind wir geborgen. Doch gute Nachtleg' Dich dort auf die Matratzeich will indessen noch einmal nach Deinem Pferde sehen."

Rowson, sehr ermüdet, folgte gern der Einladung, und für kurze Zeit ward kein anderer laut als das tiefe Atemholen der Ruhenden gehört. Da tönte plötzlich der laute, schrille Ruf einer Eule durch die stille Nacht; jetzt wieder, und nun zum letzten Mal. Johnson stand auf und stieg über die in der Mitte der stube Lagernden hinweg, der Tür zu.

"Nun, was kriechst Du denn da