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Stufen, die unterste wackelt ein wenig. Oh, Ellen, zünde doch das Licht wieder an!"

Ellen war indessen schon emsig beschäftigt gewesen, ein paar Kienspäne zum Brennen zu bringen. Bald war der Raum auch hinlänglich erleuchtet, um den Mann wenigstens erkennen zu können, der in diesem Augenblick in's Zimmer trat, dort seinen alten Reitermantel und die Otterfellmütze ablegte und nun freundlich grüssend zu der Familie an den Kamin und in den hellen Schein des jetzt wieder hoch auflodernden Feuers schritt. Es war ein kleiner untersetzter Mann mit lebhaften grauen Augen, langen, schlichten blonden Haaren und vielen Sommersprossen, dabei in ein baumwollenes Jagdhemd und ebensolche Gamaschen gekleidet, während eine alte, vielgebrauchte Satteltasche, die er über dem Arm trug und jetzt neben dem Kamin niederlegte, alles Das zu entalten schien, was er auf einem Ritt durch den Wald und in solch wilder Gegend bedurfte. Sein blick schweifte übrigens, als er sich den beiden Männern näherte, unruhig von Einem zum Andern und er schien mit sich selber zu Rate zu gehen, welchen von ihnen er als den Wirt des Hauses anreden solle.

Madame Atkins mochte übrigens mit dem neuen gast, der nur noch mehr Störung und Unruhe versprach, weniger zufrieden sein, denn sie nahm jetzt mit ziemlich mürrischem Blicke das kleine leidende Wesen auf den Arm, hüllte es in eine Decke und rief Ellen zu, ihr mit dem Licht und Feuerzeug in das andere Haus zu folgen, wo augenblicklich ein Feuer im Kamin angezündet werden sollte. Ellen gehorchte schnell dem Befehl und es war alle Wahrscheinlichkeit vorhanden, dass Madame an diesem Abend nicht weiter sichtbar sein würde.

"Schrecklicher Wind draussen," sagte der Fremde nach einer Weile, in der er, als er mit sich selbst über die Identität des Wirtes einig zu sein schien, starr vor sich niedergesehen hatte; "bläst, als ob er die Eichen mit der Wurzel ausreissen wollte."

"Ja, es ist draussen ein wenig unruhig," meinte Atkins, seinem gast einen forschenden blick zuwerfend. "Ihr kommt wohl weit her?"

"Nein, nicht so sehrvom Mississippi."

"Weiter westlich?"

"Janach Fort Gibsonwie weit ist's noch bis zum Fourche la fave?"

"Ich wohne an dem Flusse," sagte Atkins und begegnete dabei dem blick des Fremden. Brown, durch die Unruhe mit dem kind und den Eintritt des Neuangekommenen aufgestört, hatte indessen seinen Sitz am Feuer wieder eingenommen und unterhielt sich damit, den langen Feuerstock, der an der Kaminecke lehnte, dann und wann in die Kohlen zu stossen, um hier und da ein in der Glut sich formendes Bild zu zerstören oder neu zu gestalten.

"Ihr seid am Ufer des Flusses mehrere Meilen hingeritten," mischte er sich jetzt in das Gespräch, "konntet ihn aber nicht sehen, da das Schilf wohl eine Viertelmeile breit und sehr dicht ist."

"Ja, ich dachte mir, dass der Fluss in der Nähe sein müsste. – Schönes Schilf dasmuss herrliche Fütterung geben. – Die Weide ist wohl gut hier?"

"Sehr gut," antwortete Atkins und wieder traf er den blick des Fremden, der, vorsichtig Brown von der Seite im Auge behaltend, zu ihm aufschaute. Dieser aber hörte mitten in seiner Beschäftigung auf, liess ganz in Gedanken den Stock in der Glut, der hell zu flammen anfing, und sah sinnend in den Kamin hinein, als ob er sich irgend etwas hätte in's Gedächtniss zurückrufen wollen, das ihm schon halb und halb entfallen war.

"Ich bin scharf geritten," brach jetzt der Fremde das kurze Schweigen, "und der Wind macht durstig; dürft' ich Sie wohl um einen Schluck wasser bitten?"

"Von Herzen gern," erwiderte Atkins und eilte schnell auf den Eimer zu, um dem gast das verlangte zu reichen. Aber auch Brown sah sich, von einem plötzlichen Gedanken durchzuckt, nach diesem um und fand dessen Blicke fest auf sich selber haftend, doch drehte er sich sogleich nach Atkins zu, nahm den Flaschenkürbis aus seiner Hand und tat einen langen, langen Zug.

"Da ich den Herrn hier nach wasser fragen hörte, fiel auch mir ein, dass ich durstig sei," sagte Brown jetzt wieder ganz gefasst, indem er sich nun mit aller klarheit des Gespräches in der gespenstischen Hütte am Arkansas erinnerte und auf keinen Fall die beiden Männer merken lassen wollte, dass er in irgend einer Sache Verdacht schöpfe oder ihr Verständniss ahne.

"Halt, Gentlemen," rief jetzt Atkins – "Sie trinken da das kalte Zeug so in sich hinein, noch dazu bei solchem Sturme draussen; wie wär's, wenn wir erst ein Tröpfchen Whisky vorangössen? Der mag Bahn brechen und das wasser tut nachher auch keinen Schaden mehr."

"Wird uns allen Dreien von Vorteil sein," sagte schmunzelnd der Fremde, während der Wirt an einen kleinen Seitenschrank ging und gleich darauf einen Krug und drei Blechbecher zum Vorschein brachte.

"Hier, Mr. Brownschenkt Euch selbst ein," sagte er zu diesem, ihm den Krug hinhaltend – "ohordentlich, das ist ja kaum ein Tropfenso recht. – Je unfreundlicher es draussen stürmt, desto freundlicher müssen wir sehen, es im inneren zu erhalten. – Und nun Sie, Sir, wie ist Ihr Name eigentlich? ich