wünschen könnten."
"Sie vergessen, dass ich mich kaum noch zu dieser Gegend rechnen kann," erwiderte Atkins. – "Doch da kommt meine Alte schon mit dem Tischzeuge – die Tage sind noch recht kurz. Apropos, Mr. Brown, wie geht es denn mit Ihrem Onkel? Es hat uns Allen recht leid getan, dass das Fieber den armen Mann so gewaltig packte. Das verwünschte Fieber will sich aber nicht abweisen lassen und die gesündesten Menschen greift es am stärksten an."
Brown sah wohl, dass, für jetzt wenigstens, jede weitere Anspielung vergeblich sein würde, noch dazu, da auch Madame Atkins und bald darauf Ellen mit dem kind zum haus zurückkehrten. Gern hätte er nun freilich ein wenig mit dem schönen Mädchen geplaudert, doch fürchtete er ebenfalls, ihr dadurch unangenehme Worte zuzuziehen, ein freundlich dankender, ihm verstohlen zugeworfener blick sagte ihm jedoch deutlich genug, dass sie seine frühere Güte, die Pflegemutter mit fortzunehmen, erkannt und – was noch besser war – benutzt hatten.
Das Gespräch drehte sich jetzt um allgewöhnliche Gegenstände, um Weide, Jagd, Vermessung des Landes in der Nachbarschaft und die nicht selten damit verknüpften Streitigkeiten der neben einander Wohnenden; um einen vor etwa fünf Tagen vorgefallenen Mord am andern Ufer des Arkansas, wo ein Viehhändler erschossen und seiner Brieftasche, die etwa tausend Dollars entalten haben sollte, beraubt worden, ohne dass man den Mörder hätte entdecken können; dann um die jetzige Gesetzgebung, Sheriffs- und Gouverneurswahlen etc. etc., bis die buntfarbige, den Kaminsims zierende Yankee-Uhr Acht schlug. Jetzt aber begann das Kleine, das bis dahin sanft in seiner im haus befestigten Hängematte geschlafen hatte, unruhig zu werden und zu schreien. Ellen nahm es aus dem Bettchen heraus und ging mit ihm im Zimmer auf und ab, es schrie aber immer ärger, wollte sich nicht mehr beruhigen und wurde in kaum einer Viertelstunde so krank, dass die Frauen, zu tod geängstigt, hinund hersprangen, um alle möglichen, im haus nur aufzutreibenden Heilmittel herbeizuholen.
Es blieb aber Alles vergeblich, das Kind schrie mit jedem Augenblick ärger und in Todesangst schickte nun die Mutter nach hülfe aus. Ein junger Amerikaner hatte in den letzten Tagen für Atkins ein grosses und sehr geräumiges Canoe aushauen müssen und hielt sich noch im haus auf. Dieser wurde jetzt mit dem Mulatten nach verschiedenen Richtungen abgeschickt, die benachbarten und fernen Farmersfrauen, die irgend etwas von Kinderkrankheiten verstanden, mit dem Zustande des armen Würmchens bekannt zu machen und sie, so schnell sie ihre Pferde tragen würden, herbeizurufen.
Die Mutter geberdete sich indessen wie eine halb Wahnsinnige. Wie ihrer Sinne beraubt, lief sie im haus umher und machte dabei der armen Ellen fortwährend die bittersten Vorwürfe, dass sie das Kind vernachlässigt habe und es selbst gern aus der Welt schaffen möchte, nur um seiner Wartung und Pflege überhoben zu sein.
Umsonst beteuerte das arme Mädchen seine Unschuld, berief sich auf die Liebe, die es dem kleinen Schreier stets bewiesen; es war Alles vergeblich und unter den härtesten, ungerechtesten Vorwürfen befahl ihr die Frau, still zu sein und "keinen Mucks weiter zu tun", wenn sie nicht erfahren wollte, wie man widerspenstige D i e n s t b o t e n behandle.
Brown war entrüstet hierüber und beschloss, von nun an Alles zu versuchen, was in seinen Kräften stehen würde, den Freund zu unterstützen und das Mädchen einer solchen Misshandlung zu entziehen, wusste aber nur zu gut, dass in diesem Augenblick jede Vorstellung nicht allein nutzlos sein, sondern für die arme nur noch unangenehmere Folgen haben würde.
Die Verwirrung hatte jetzt ihren höchsten Grad erreicht. Das arme kleine Wesen schien mit jedem Augenblick kränker zu werden, Ellen ängstigte sich mit stilltränenden Augen ab, dem Liebling hülfe zu leisten, und die Mutter lief, des Fremden Gegenwart gar nicht mehr beachtend, im Zimmer auf und ab und rief, fortwährend die hände ringend, dass dies des himmels Strafe wäre, der sie jetzt in dem armen unschuldigen kind für alle ihre Sünden und Schwachheiten heimsuche. Da begehrte von draussen her plötzlich eine fremde Männerstimme Einlass und die Hunde, dadurch erweckt, schlugen laut bellend und heulend an. Der Wind, der den ganzen Tag nur schwach von Süden her geweht, hatte sich gedreht, schüttelte, von Nordwesten kommend, die Aeste und Zweige der gewaltigen Stämme wild durcheinander und blies, als die Tür geöffnet wurde, das auf dem Tische stehende Licht aus. Das Feuer im Kamin war indessen ebenfalls ziemlich niedergebrannt und das Haus lag plötzlich in tiefer dunkler Nacht.
"Hallo da drinnen – kann ich hier übernachten?" rief da die stimme zum zweiten Mal – "der Henker hole die Hunde – wollt ihr die Mäuler halten!"
"Ruhig, Hector – ruhig, Deik – nieder mit euch, ihr Canaillen – könnt ihr einen Mann nicht zu Worte kommen lassen?" schrie Atkins, der in die Tür getreten war, ärgerlich nach den Hunden hinüber – "steigt ab!" wandte er sich dann an den Fremden, "mein Bursche soll das Pferd besorgen."
"Beissen die Hunde?" fragte Jener, vorsichtig der Einladung Folge leistend und seinen Weg über die Fenz fühlend.
"Nein," sagte Atkins, "nicht, wenn ich dabei bin. kommt nur hierher und fallt nicht über das Holz dort – halt – dort steht die Stahlmühle – stosst Euch nicht – so – drei