Fall setzen, der Verbrecher wird von dem Sheriff erfasst und vom Gericht verurteilt: wohin bringt man ihn, bis er in das Zuchtaus des Staates abgeliefert werden kann? in eins der kleinen zu diesem Zweck errichteten Blockhäuser, aus dem ihn seine Freunde in der ersten Nacht befreien."
Atkins lächelte.
"Wie mir gesagt wurde," fuhr Brown, ohne es zu bemerken, fort, "haben Sie davon selbst in diesem County einige Beispiele. Erreicht er aber wirklich im günstigsten Falle die Penitentiary in Little Rock, hat ihn der Staat sicher unter Schloss und Riegel, so ist das doch kaum für eine, höchstens zwei Wochen, denn ein paar von den daraus entsprungenen Verbrechern sollen ja selbst geäussert haben, das Zuchtaus sei so schlecht gebaut, dass sie der Sheriff gar nicht so schnell hineinsperren könnte, wie sie wieder herauskämen. Was hilft es uns also, wenn wir den Gesetzen gehorchen, die Sträflinge abliefern und sie dann, wenn wir sie sicher und unschädlich hinter Schloss und Riegel glauben, schon nach vierzehn Tagen wieder unter uns und mit unserem Eigentum beschäftigt finden?"
"Ach ja," lächelte Atkins, "die Sache ist nicht so ganz ohne. Ich weiss, dass Cotton –"
"Wo ist Cotton jetzt?" fragte Brown schnell.
"Cotton?" wiederholte Atkins schnell gefasst und, wie es schien, sehr verwundert – "Cotton? Lieber Gott, wer weiss, wo der jetzt steckt. Wie ich neulich gehört habe, sucht ihn sogar der Sheriff. Aber wie kommen Sie zu der Frage?"
"Er soll sich in dieser Gegend haben blicken lassen," erwiderte Brown, der Ellen's Aussage nicht anführen wollte, um dem armen Mädchen keine Unannehmlichkeiten zu bereiten, jetzt aber, durch seines Wirtes Leugnen, zum ersten Mal Verdacht schöpfte. "Man will ihn sogar auf dieser Strasse bemerkt haben."
"Ja, das ist sehr leicht möglich," lächelte Atkins, "es reitet Mancher auf dieser Strasse hin, ohne gerade bei mir einzusprechen. Die Leute schwatzen aber viel."
"Ich bin heute eigentlich im Auftrage der Herren Roberts und Rowson hier," sagte Brown, der dem Gespräch eine andere Richtung zu geben wünschte. "Mr. Roberts nämlich – ach, da kommt mein Pferd," unterbrach er sich selbst, als der Mulatte den Braunen vor die Tür ritt und dort aus dem Sattel sprang.
"Bitte – bleiben Sie hier," hielt ihn Atkins auf, als er sah, dass sein Gast hinausgehen wollte, "D a n wird das schon besorgen. – Nimm das Pferd in den Stall, füttere es gut und leg' das Geschirr nachher hier zwischen die Häuser," rief er diesem zu, "und wenn Du damit fertig bist, so –" er war bei diesen Worten zu ihm hinaus getreten und vollendete seinen Satz mit leiserer stimme, so dass Brown nichts weiter davon verstehen konnte. Der Mulatte nickte aber sehr bedeutend mit dem kopf, als ob er Alles ganz vollkommen begriffen habe, führte das Pferd fort und liess sich an diesem Abend nicht weiter blicken.
"Sie wollten mir etwas von einem Auftrage sagen?" fragte Atkins den Gast jetzt, als er in das Haus zurückkehrte.
"Ja," antwortete dieser, wie aus einer Zerstreuung erwachend, "Mr. Roberts wird mit – mit seinem Schwiegersohn am Montag Morgen oder Mittag zu Ihnen kommen, um Haus und Felder in Augenschein zu nehmen, und lässt Sie daher bitten, auf ihn zu warten, wenn er auch vielleicht ein wenig spät eintreffen sollte."
"Schön – sehr schön!" erwiderte Atkins freundlich, "ich denke, dass wir ein Geschäft mitsammen machen können. Es sind Beides ein paar wackere Leute, die einen armen auswanderungslustigen Teufel nicht drücken werden. Die Hochzeit soll wohl morgen schon stattfinden?"
"Ja!" erwiderte Brown mit leiser stimme, "ich glaube – morgen."
"Sie werden wohl auch bei der Trauung sein?"
"Wer – ich? nein – ich glaube nicht. – Unsere Versammlung wird wahrscheinlich bis spät Abends dauern, und dann bleibe ich bei Bowitts."
"Welche Versammlung?"
"Die der Regulatoren; wir kommen morgen in Bowitt's haus zusammen."
"Morgen Versammlung? Das muss ja recht heimlich zugegangen sein, ich habe keine Silbe davon gehört."
"natürlich wurde es nur an Die bestellt, die Regulatoren sind," fuhr Brown fort, der in diesem Augenblick eine gelegenheit gefunden zu haben glaubte, für den armen Wilson ein gutes Wort einzulegen – "doch wundert es mich, dass Ihnen Wilson nichts davon gesagt hat. – Er hatte die Bestellung in dieser Gegend übernommen, die keineswegs geheim gehalten werden sollte."
"Mr. Wilson ist sehr lange nicht in meinem haus gewesen," erwiderte Atkins, dem die Erwähnung dieses Namens unangenehm zu sein schien, "daher kommt es denn wohl, dass mir die Sache fremd blieb. Doch ist das einerlei; ich bin kein Regulator, habe also auch kein Interesse an der Versammlung. In Texas sollen sich ja ebenfalls solche Compagnien gebildet haben."
"Ja," sagte Brown, übrigens nicht willens, seinen Angriff so bald aufzugeben, "aber was ich gleich sagen wollte, Wilson scheint sich ja hier in der Gegend für immer niederlassen zu wollen. Ich glaube kaum dass Sie sich einen besseren Nachbar