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sagte halb ängstlich, halb schmeichelnd das Mädchen zu Brown, "das glaube ich nicht."

"Haben Sie einen so fürchterlichen Begriff von diesen Menschen?" lächelte Brown.

"Ach jaMutter und Vater haben mir entsetzliche Dinge von ihnen erzählt: wie sie die unschuldigen Männer Nachts aus ihren Betten holen, nur wenn Einer von ihnen auf Jemanden böse ist, und sie dann an einen Baum binden und so lange peitschen, bis sie sterben. Vater hat geschworen, Jeden tot zu schiessen, der Nachts in feindlicher Absicht über seine Schwelle käme."

"Sie sind nicht so schlimm, als es Ihr Vater wohl glaubt," meinte Brown, "und wenn auch –"

"Nun bitte' ich aber ebenfalls darum, ein Wort mit einlegen zu dürfen," rief Wilson, zwischen sie tretend. "Ich bin denn doch wahrhaftig nicht hierher gekommen, einer Abhandlung über die Regulatoren zuzuhören. Ellen, hast Du noch einmal mit Deiner Mutter gesprochen?"

"Ja," sagte das arme Mädchen, traurig das Köpfchen senkend – "sie meinte aber –"

"Du brauchst Dich vor Mr. Brown nicht zu scheuen, er weiss Alles," beteuerte Wilson, als er bemerkte, wie seine Braut diesem einen ängstlichen Seitenblick zuwarf.

"Ach, es hilft ja auch nichts, es zu verschweigen," seufzte das arme Mädchen, ganz Arkansas wird's doch wohl bald erfahren, dass ich den rohen Cotton heiraten soll.

"Cotton?" fragte Brown erstaunt.

"Jaleider. – Zwar hat es mir die Mutter streng untersagt, den Namen gegen irgend Jemand auszusprechen, aber weshalb nicht? – Eher sterb' ich, als dass ich den Menschen heirate."

"Du sollst ihn auch nicht heiraten," sagte Wilson trotzig – "verdja so, das darf ich auch nicht," unterbrach er sich selbst, als ihm sein Liebchen einen strafenden blick zuwarf. "Ich weiss aber schon, was ich tue; haben wir erst die Raubbande entdeckt, die hier ganz in unserer Nähe ihr schändliches Wesen treibt, und will sich Atkins noch immer nicht erweichen lassen, nun gut, dann soll michDieser und Jener holendas ist nicht gefluchtwenn ich nicht einen dummen Streich mache und mit Dir davonlaufe."

"Und das nennt der Herr einen 'dummen Streich'?" sagte Ellen mit einem gar so lieben und doch auch wieder recht wehmütigen Lächeln.

"Du weisst ja, wie ich's meine," bat Wilson – "aber was ist Euch, BrownIhr seht so gedankenlos oder gedankenvoll, wie man's nehmen will, in die Baumwipfel hinauf?"

"Haben Sie den Mann, den Sie C o t t o n nannten, kürzlich gesehen?" wandte sich Brown jetzt, ohne Wilson's Bemerkung zu beachten, an das junge Mädchen.

"Ja," sagte diese, "vor etwa vier Tagen kehrte er, ich glaube vom Mississippi, zurück, wohin er fast vor zwei Wochen aufgebrochen war. Er kommt aber immer nur Abends, und ich mag sein heimliches, hässliches Wesen nicht leiden; – kennen Sie ihn?"

"Ich glaube, weiss es aber wirklich nicht gewiss; kommt er wohlaber was ist mit Wilson?"

Brown hatte auch alle Ursache, diesem bestürzt nachzusehen, denn wie eine Schlange glitt er plötzlich in's Dickicht und war in wenigen Secunden spurlos verschwunden. Die Ursache dieses eigentümlichen Rückzuges blieb aber nicht lange ein Rätsel, denn fast zu gleicher Zeit erschien in dem nach dem haus zuführenden Pfade die stattliche und selbst noch jugendliche Gestalt der Mrs. Atkins, deren helles, schimmerndes Kleid Wilson noch zur rechten Zeit gewarnt hatte, und der es jetzt dem Freunde überliess, mit dem anrückenden Feinde fertig zu werden.

"Hallo da, Miss!" rief die sich mit gewaltigen Schritten und hochgehobenem haupt nähernde Frau, "hallo daHerrengesellschaft? Ich habe schon seit einer Viertelstunde keinen einzigen Schlag gehört, die Wäsche soll sich wohl allein fertig machen?"

"Das Kind –" stotterte Ellen.

"Was daKinddas liegt so ruhig wie ein Gotteskäferchen in seinem Neste; leere Ausreden –"

"Ich muss Sie bitten, die junge Dame meinetwegen zu entschuldigen," unterbrach jetzt Brown vortretend die Zürnende, indem er sie freundlich grüsste, "ich komme mit einem Auftrag von den Herren Roberts und Rowson und beabsichtigte eigentlich, die Nacht in Ihrer wohnung zuzubringen."

"Dies ist nun freilich der breite Weg nicht," sagte Mrs. Atkins, jedoch schon merklich besänftigt.

"Allerdings nicht," lächelte Brown, jetzt nur bemüht, dem armen zitternden Mädchen jedes harte Wort zu ersparen, "ich kam aber ein Stück durch den Wald und wusste an der Slew nicht recht, ob ich hinauf- oder hinunterreiten solle, um das Haus am schnellsten zu erreichen, ging also zuerst über den darüber hinwegliegenden Stamm, um zu recognosciren, und fand die junge Dame hier, die ich freilich durch meine fragen einige Minuten in ihrer Arbeit störte."

"Junge Damehat sich 'was 'j u n g e D a m e ', setzen Sie dem Mädchen nur keinen Unsinn in den Kopf. Doch mein Mann ist oben im haus; wo steht denn Ihr Pferd, ich will den Jungen danach schicken!"

"Gerade