Versammlung der Regulatoren gehalten werden sollte. Cook begleitete ihn ein Stück Weges, ritt jedoch dann links ab, um in seinem eigenen haus zu übernachten und mit Tagesanbruch nachzufolgen, während Bahrens bei dem Reconvalescenten zu bleiben versprach. Harper verschwor sich übrigens hoch und heilig, dass das der letzte Tag gewesen sein solle, den er sich habe in dem verwünschten haus einsperren lassen.
"Ich muss wieder einmal Laub und Moos unter den Füssen fühlen," rief er aus, "muss wieder einmal das grüne Blätterdach über mir sehen, eher werde ich nicht gesund." Es wurde also verabredet, dass er am nächsten Tage mit nach Bahrens' haus reiten und dort eine Woche zubringen solle. Da die Tour aber für einen durch die Fieber Geschwächten auf einmal zu gross geworden sein würde, so wollten die Männer die erste Nacht bei Roberts übernachten, der sie schon
Brown trabte indessen auf seinem feurigen kleinen Pony den schmalen, im Laube kaum erkennbaren und sonst nur durch abgeschälte Stücke Baumrinde bezeichneten Pfad fort und erreichte in etwa andertalb Stunden Wilson's kleine Farm, den er ebenfalls gerade im Begriff fand, sein Pferd zu besteigen.
"Hallo, Wilson – wohin soll die Reise gehen? auch zur Regulatorenversammlung'?" rief Brown ihm freundlich entgegen.
"Ja!" sagte der junge Mann, wurde aber merklich rot dabei und schnallte mit einem ganz verzweifelten Eifer am Sattelgurt. Der war indessen schon überdies zum Zerplatzen angespannt und veranlasste nur das Pferd, einige höchst ungeduldige Bewegungen zu machen, während es mehrere Male bedeutend nach Luft schnappte.
"Was macht Ihr denn, Wilson?" lachte Brown, der es bemerkte – "schnürt ja dem armen Tiere die Seele aus dem leib. – Wollt Ihr denn ein Wettrennen halten, dass Ihr so nach dem Zeuge seht?"
"Nein, das gerade nicht," murmelte der Andere, "welchen Weg reitet Ihr?"
"Ich wollte zu Euch – und Ihr?"
"Ich? – ich gedachte bis Atkins –"
"Nun, das ist schön, dann komm' ich ein andermal zu Euch und bleibe heute Abend mit bei Atkins. – Ich habe überdies dort eine Bestellung von Roberts auszurichten."
Wilson wollte noch etwas dagegen einwenden, Brown achtete aber nicht darauf, oder musste es überhört haben, denn er rief dem Freunde nur flüchtig zu, aufzusitzen, und drehte dann seines Pferdes Kopf dem neu bestimmten Lagerplatze zu.
Wilson war bald an seiner Seite und fragte endlich, wahrscheinlich nur um das Schweigen zu brechen:
"Ihr habt also einen Auftrag von Roberts – wohl für Rowson? Der will ja Atkins' Farm kaufen, wie man sagt – wenn Atkins nämlich wirklich fortzieht."
"Ist denn das noch nicht bestimmt?"
"Wer weiss es denn? Der alte Bursche ist finster und verschlossen, wie das Grab. Mir sagt er's schon gar nicht."
"Warum denn Euch nicht eben so gut als jedem Andern?" fragte Brown lächelnd, während Wilson auf einmal ganz unerwartet ein Lied zu pfeifen anfing und mit der Reitgerte, die er sich von einem Busche gebrochen, seine Leggins klopfte. Auch schien er eine Weile die Antwort auf diese Frage schuldig bleiben zu wollen, bis sie Brown wiederholte, dann aber zügelte er sein Pferd ein, streckte dem jungen Mann, als dieser ebenfalls neben ihm halten blieb, die Hand herüber und sagte mit herzlichem Ton und blick:
"Ihr sollt meine ganze geschichte erfahren, Brown, mit ein paar Worten ist sie gesagt, und – Ihr meint es gut – vielleicht könnt Ihr mir selbst einen Rat geben."
"Nun, lasst hören," entgegnete ihm der Freund, "vielleicht, vielleicht auch nicht – es ist nicht oft, dass ich um Rat gefragt werde, und noch dazu in – Herzensangelegenheiten," lächelte er zu Wilson hinüber, als er sah, wie diesem das Blut in Wangen und Schläfe stieg.
"Ja – Ihr habt Recht," flüsterte er endlich – "es ist eine Herzensangelegenheit, doch – keine glückliche. Seid Ihr in Atkins' haus bekannt?"
"Ich war nie dort."
"Er hat ein Kind – eine angenommene Waise – ein Mädchen – ach, Ihr lacht mich aus, wenn ich von ihr reden wollte, wie's mir um's Herz ist. – Ja, ich weiss wohl, wenn Ihr auch schon mir zu Liebe an Euch hieltet, inwendig machtet Ihr Euch doch über mich lustig. Nun, ich will Euch die Beschreibung erlassen; ich liebe das Mädchen schon seit einem Jahr, wo sie damals mit Atkins an den Fourche la fave zog, und der Vater – will sie mir nicht geben. Es ist zwar nur ihr Pflegevater, hat sie aber erzogen und eine wackere Dirne aus ihr gemacht, was freilich nicht die Schuld seiner Frau ist. Jetzt jedoch will er ihr einen Mann aufdringen, den sie nicht mag und den sie unter keiner Bedingung nehmen will – aber – er quält sie doch."
"Das ist freilich schlimm," sagte Brown – "wie alt ist sie?"
"Ach, leider erst siebzehn Jahre," seufzte Wilson – "wäre sie einundzwanzig, so brauchten wir den Alten nicht zu fragen."
"Hat sie Euch denn recht von Herzen lieb?"
"Sie hat es mir mehr als tausendmal gestanden."
"Nun, worin besteht denn da