wird sich mit ihrem Gott unterhalten. Morgen hoffe ich sie recht froh und heiter anzutreffen."
Damit winkte er Beiden noch einen herzlichen Gruss zu, bestieg sein kleines Pony und trabte fort, in den jetzt dämmernden Wald hinein.
"Mutter, was ist dem Mädchen eigentlich?" fragte Roberts, als der Priester sich entfernt hatte – "sie kommt mir so sonderbar vor. Ich will doch nicht hoffen, dass sie zu einer Heirat mit dem mann g e z w u n g e n wird?"
"Närrischer Mann, wer sollte sie denn zwingen?" lächelte die Matrone. "Es ist nur noch ein halbes Kind, und da beträgt es sich ängstlich und wunderlich; mag ihr auch wohl schwer genug ankommen, die Eltern zu verlassen. Nun, an d i e s e s Mannes Seite –"
"Ja, schon gut," sagte Roberts, den Sporn abschnallend und ihn auswendig am Haus unter einem kleinen Vorbau neben den Sattel und Zaum hängend – "schon gut, das hab' ich schon oft gehört –"
"Du hast keine Vorliebe für den frommen Mann –"
"Nein – Vorliebe nicht; ich sehe nicht ein, warum unser Kind mit ihm gerade so viel glücklicher werden sollte, als mit jedem Andern. Ein ächter braver Kerl mit einem guten Herzen, und der – etwas mehr ein M a n n wäre, würde mir, aufrichtig gesagt, eben so willkommen gewesen sein, vielleicht noch willkommener, doch – wie Gott will. Ihr Frauen seid damit einverstanden, und ich habe weiter nichts dabei zu tun, als Ja zu sagen. Einen Anfang hat er, um eine kleine Farm zu beginnen, und ein fleissiger Mann wird dabei in Arkansas nicht zu Schanden."
Rowson's treuherziges Benehmen hatte den Alten wieder ganz für sich gewonnen, denn selbst so recht von Herzen gut und brav, traute er auch Anderen nicht leicht etwas Schlechtes zu, warum also gerade Dem, der in der ganzen Ansiedelung als ein so frommer und gottesfürchtiger Mann bekannt war. Durchkreuzte auch wirklich manchmal ein dunkler Verdacht sein Hirn, so wurde er sich entweder selbst nicht recht klar darüber, oder er verwarf ihn augenblicklich wieder als toll und falsch.
Was waren aber indessen die Gefühle des Priesters, der langsam und sinnend durch den schattig-dunkeln Wald dahinritt? Weit genug von dem haus entfernt, dass er von dort aus nicht mehr gesehen oder beobachtet werden konnte, stieg er von seinem Pferde, nahm es am Zügel und schritt ernst und in tiefen Gedanken versunken auf der schmalen Strasse hin, die sich, allen Hindernissen, sowie starken Bäumen und sumpfigen Stellen ausweichend, durch den Wald schlängelte. Endlich blieb er stehen und sagte halbleise und vor sich niederstarrend:
"Es wird mir fast zu heiss hier in Arkansas – der Teufel kann einmal sein Spiel haben und durch irgend einen Zufall – man hat da wunderbare Beispiele – Sachen an das Licht bringen, die meinem guten Rufe in dieser Gegend gerade nicht förderlich sein würden. Ich muss fort – und das sobald als möglich – Atkins mag sehen, wie er seine Farm verkauft, ich will mich nicht hier fesseln, dass ich nachher, wenn alle Anderen ihren rücken gedeckt haben, allein der Rache jener kläffenden Hounds preisgegeben bin. Nein! – Zwar ist der Indianer verschwunden," fuhr er nach einer Weile fort – "und ohne den möchte' es ihnen doch schwer werden, irgend etwas – ich weiss wirklich nicht einmal, wie es mit d e s s e n hülfe möglich ist – das Federmesser –"
Das Pferd spitzte die Ohren und der Indianer stand neben ihm.
"Good day, Mr. Rowson," sagte er leise, als er aus dem Dickicht trat und leicht grüssend an ihm vorüberschritt.
"Assowaum!" rief Rowson, wie er selbst fühlte mit Todesblässe im Antlitz – "Assowaum – wo – wo waret Ihr so lange? – wir haben Euch in der Ansiedelung vermisst."
"Der blasse Mann ist ja ebenfalls fern gewesen," erwiderte der Indianer, das Auge dabei fest auf den Prediger geheftet – "Assowaum kehrt zu dem grab seines Weibes zurück."
"Und hast Du noch nichts von dem Mörder entdeckt?"
"Nein!" sagte der Wilde mit fast tonloser stimme – "n o c h nicht – der grosse Geist hat dem heiligen Vogel gewehrt, mir den Namen des Verräters in das Ohr zu flüstern. Assowaum hat deshalb mit dem geist seines volkes an einer Stelle gesprochen, die noch von keines Weissen Fuss entweiht wurde. Er harrt jetzt der stimme seines Manitou."
"Möge er Dir günstig sein," sagte der Priester, ganz seinen früheren Abscheu gegen den Götzendienst des Indianers vergessend. Dieser aber schritt grüssend weiter, der Metodist schwang sich in seinen Sattel und flog, als ihn eine Biegung der Strasse den Augen des roten Mannes verbarg, seinem Pony die Hacken in die Seiten bohrend den Weg entlang, dass seine langen braunen Haare in dem frischen Abendwinde flatterten, und das Ross, solcher Behandlung ungewöhnt, schäumte und schnaubte, als es mit seinem ungeduldigen Reiter durch das flache Talland dahinbrauste.
21.
Wilson's Geständnisse. – Die schöne
Wäscherin. – Arkansische Wiege. – Der
Rückzug.
Roberts hatte noch nicht lange Harper's Hütte verlassen, als sich Brown ebenfalls rüstete, zu Bowitt hinauf zu reiten, an dessen Haus am nächsten Morgen die