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, ihre schönen arme um meine Knie schlingt und mit herzzerreissender Klage zu mir fleht, ich möge mich doch ihres Elendes erbarmen, dann will ich die Rolle mit ihr tauschen und eben so gewandt den Harterzigen spielen, wie das hochmütige Mädchen es bisher mit mir zu halten beliebte. Erst wenn sie ganz zerknirscht sein wird und Hand an sich selbst zu legen sich entschlossen zeigt, erst dann will ich sie wieder zu Gnaden annehmen und mit meinem gräflichen Schild und Namen ihre zerstörte Jugend bedecken. Frohes Erwachen, mein süsses weisses Täubchen!"

Magnus schlich auf leiser Sohle gegen die Wand, verschwand schnell hinter der eingefalzten Tür und schlug wohlgemut und jetzt wieder äusserst zufrieden mit sich, den finstern Rückweg durchs Schloss ein. Unbemerkt erreichte er das Ufer des See's, sprang in den verborgenen Kahn und ruderte sich behend ans Ufer der Haide. Es schlug Mitternacht, als der Missetäter hinter den riesigen Föhren verschwand, sein Pferd bestieg und auf bekannten Wegen in wildem Ritt dem Zeiselhofe zujagte.

Siebentes Kapitel.

Eine Botschaft.

drei Tage später klopfte der Maulwurffänger an Sloboda's niedrige Behausung. Ein ehrlicher Handschlag des Wenden verbunden mit treu gemeintem Grusse empfing den Freund.

"Woher des Weges?" fragte Sloboda, indem er mit dem fuss die Stubentür aufstiess und den Gast voranschreiten liess.

"Von Boberstein," versetzte Pink-Heinrich, seine Geräte auf Tisch und Bank werfend und daneben selbst mit untergestemmten Armen Platz nehmend.

"Und Du sagst mir nichts von meiner Tochter, von meinem Herzblatt? Keinen Gruss von ihren lieben Kinderlippen?"

"Sie lässt grüssen und wird bald selber wieder zu Dir kommen."

"Ist man der Armen schon überdrüssig?" sagte stirnrunzelnd der Wende. "Ich dachte, sie sollte bis zum Herbste auf dem schloss bleiben, was Rechtes lernen und eine tüchtigere Hausfrau werden, als die meisten andern Haidebäuerinnen."

"Es ist was vorgegangen auf Boberstein, das ihre baldige Entfernung nötigt macht."

"Hat sie sich vergangen?"

"Mit keinem blick und Gedanken!"

"Nun was denn?"

"Kennst Du das fräulein, Röschens Gebieterin?"

"Gottes Segen auf ihr Engelshaupt!" rief Sloboda mit ausdrucksvoll erhobenem Blicke.

"Sie ist schwer erkrankt und man fürchtet für ihr Leben."

"Mein Gott, das herzige Mädchen war ja frisch wie ein aufgeblühtes Kleeköpfchen! Sollte ihr der Schreck geschadet haben, den sie über Röschens Verurteilung hatte?"

"Darüber ist mir keine Kunde geworden," erwiderte der Maulwurffänger, immer starr vor sich hinsehend und ohne Feuer zum Anbrennen seiner Pfeife zu begehren, die halb ausgeraucht neben den Fangdrähten lag. Gestern Vormittag rudr' ich mich über den See, wie ich das immer selbst getan habe, und steige den Schlossberg hinan. Ich trete in den Hofkein Mensch lässt sich weder sehen noch hören! – Da ich weiss, dass der Herr Graf kränkelt und es nicht gern hat, wenn man so gradezu die Treppen hinanrennt, fange ich an leise vor mich hin den Reihzufinkenschlag zu pfeifen und steige die Stufen in die Halle hinauf. Des Kastellans Zimmer war leer, die Halle desgleichen. So setze ich mich auf den langen Tisch in der letzteren, pfeife mein Stückchen fort und läute dabei mit den Beinen die Esel aus. Weil ich nun grade nicht gar sacht pfiff und auch zuweilen verdammt hart an die Tischbeine anschlug, ward es doch endlich lebendig und das kluge Auge Haideröschens guckte durch das Gegitter der Wendeltreppe. Sie jauchzte vor Freude, als sie mich mutterseelenallein so wunderprächtig musiciren sah, klapperte wie ein Rädchen die Treppe vollends herunter und umhalste mich, was mir recht wohl tat, – weiss Gott, Sloboda, 's tat mir wohl! – Aber mir fror der Finkenschlag in der Kehle ein wie ich Dein schneeweisses Töchterchen mir näher betrachtete. Sie hatte geweint, dass sie der Bock noch stiess und ganze Tränenbäche sich auf ihren weissrotsammtenen Wängelein kreuzten. Ich sah sie gross an und hatte nicht wenig Lust, etwas grob zu werden, da kam sie mir zuvor und sagte:

"Ach Pink-Heinrich, das Unglück! Nun geht es wohl zu Ende mit mir und all' den Meinigen, denn wir haben keinen Schutzengel mehr!"

"Gar so arg ist es noch nicht," versetzte ieh, "denn wenn Du sonst dem Worte eines armen Mannes Glauben schenken willst, so verspricht Dir der Pink-Heinrich, was er auch schon früher getan hat, Dich so weit sein Arm und Fuss reicht, ebenfalls zu schützen. Aber sag' an, was gibt es?"

"fräulein Herta liegt im Sterben!" ruft schluchzend Deine Tochter. "ohnmächtig fanden wir sie gestern auf ihrem Lager, weiss, wie neu gefallener Schnee, oder wie Lilienblätter, mit unendlich lächelndem Schmerzenszug um die zarten weichen Lippen. Als wir sie riefen, kam sie zwar bald zu sich, allein sie war krank, so krank, dass ich gar nicht weiss, wie ich's beschreiben soll. Auch die ärzte schüttelten den Kopf, wie sie das leichenblasse fräulein mit den gläsernen geisterhaft schönen Augen sahen, das jede Frage hörte, aber keine beantwortete! Und so ist es mit ihr geblieben bis jetzt. Sie sitzt wieder an ihrem Fenster, füttert ihr Hänschen, drückt mir freundlich die hände, ja küsst mich liebevoll, wenn ich ihr die nötigen Handreichungen tue, nimmt Speise zu sich, wenn man sie ihr