versteckt und wer heisst Dir die Lichter auslöschen? Sprich, wo bist Du? Ich komme als Freund und gelobe Dir kein Leid zuzufügen!"
Während er nur halblaut flüsternd diese besänftigenden Worte an das Mädchen richtete, trat er vollends in das Gemach und lenkte seine Schritte nach dem Kamin, wo er die Wendin verborgen glaubte. Da er sie hier nicht fand, besorgte er schon, der Maulwurffänger sei ihm zuvorgekommen und habe Röschen mitgenommen. Ein wilder Fluch entglitt seinem mund, der seltsam gegen die sanften Worte abstach, die er so eben noch geflüstert hatte. Dabei kehrte er sich um und die am schon aufgewirbelten Fenster lehnende Wendin stand vor ihm.
"Kleine Spitzbübin," sagte er mit freundlichem Lächeln, "Du kannst doch das Necken nicht lassen. Komm näher, mein Täubchen, ich möchte Dich gern um Verzeihung bitten, denn ich sehe ein, dass ich Unrecht habe und Dir unwürdige Zumutungen machte."
Haideröschen beharrte in schweigender Regungslosigkeit, nur ihre grossen Augen schleuderten Blitze der Verachtung auf den Nichtswürdigen, der seine Frechheit so weit trieb, dass er jetzt als Bittender zu erscheinen wagte, wo er vor Kurzem noch die brutalsten Drohungen ausgestossen hatte.
"Ich will nicht hoffen," fuhr er fort, der Wendin sich nähernd, "dass Du vor Angst und Furcht in dieser Einsamkeit die Sprache verloren hast. Es ist nicht angenehm, allein in Gesellschaft dieser grotesken Jäger zu sein, und weil ich dies aus Erfahrung weiss und die furchtsame Gemütsart junger Mädchen kenne, wage ich es nochmals vor Dich zu treten, Dir Abbitte zu tun, wenn Du es wünschest, und Dich unter Menschen zu führen."
Haideröschen schwieg noch immer, teils aus Verachtung, teils, weil ihr Blut so ungestüm wallte, dass ihr die Sprache versagte.
"Du bist mir immer noch böse, wie ich sehe," begann Magnus abermals, "es wird mir demnach wohl nichts übrig bleiben, als mich fussfällig vor Dir zu demütigen und Dich mit einem Handkuss zu versöhnen."
Der Graf stand nur noch wenige Schritte von der Wendin. Als er weiter vordringen wollte, erhob Haideröschen entschlossen den Armleuchter und rief befehlshaberisch: "Wagen Sie nicht näher zu kommen! Es könnte Sie gereuen!"
Magnus stutzte und verschlang das in ihrem Zorn noch schönere Mädchen mit sinnlichen Blicken. Sie hatte etwas von dem trotzigen Stolz und dem fanatischen Heroismus der Judit, wie sie, den linken vollen Arm, von dem sich der am Handgelenk aufgegangene weisse Hemdärmel abgestreift hatte, nach dem Wirbel über ihrem haupt ausgestreckt, mit der rechten den blank polirten silbernen Leuchter gegen den Grafen drohend erhoben, dastand.
"Wahrhaftig Du bist schön, dass es mir wie eine Versündigung gegen die Schönheit, die wir anbeten sollen, erscheint, Dich nicht zu küssen. Lass Dich also herab, kleine Wilde, und vergib mir im Kusse!"
"Elender!" stammelte Haideröschen, kaum die Lippen öffnend. "Wenn Du es wagst, mich zu berühren, so stoss' ich Dir die Augen mit dem Leuchter aus. Ich will nichts mehr von Dir hören, will Dich nicht sehen! Ehe ich es dulde, dass Du mich berührst, werde ich mir lieber den Kopf an der Wand zerbrechen!"
"Immer lass Deinem Zorn freien Lauf, ich werde Dich nicht hindern," versetzte Magnus mit gehaltener Ruhe. "Sobald Du Dich erschöpft hast und die überzeugung gewinnst, dass ich nur Dein Gutes will, wirst Du auch wieder vernünftig mit mir reden."
"Verlassen Sie mich!" sagte Haideröschen, ohne ihre Stellung zu verändern.
"Sobald Du mir verziehen und angehört haben wirst, was ich Dir mitteilen will."
"Wenn Sie nicht auf der Stelle gehen, so gehe ich!"
"Das kann ich nur wünschen, weil Du dann an mir vorüber musst und ich den Saum Deines Gewandes fürbittend mit meinem mund berühren kann."
"Sie irren sich, Herr Graf! Ich werde weder in Ihre Nähe kommen, noch es dulden, dass Sie die meinige suchen."
"Dann wirst Du lange Deinen Platz behaupten müssen, kleine wendische Heldin."
"Zwei Minuten noch, nicht länger," versetzte Haideröschen in finsterer Entschlossenheit.
"Ich werde diese Frist gehorsam benutzen, um Dich von meiner Reue zu überzeugen. Du willst nicht zugeben, dass ich Dir näher schreiten soll, gestatte denn, dass ich mich auf meinen Knieen Dir nähere. Die ärgsten Sünder in der katolischen Christenheit nahen sich so der zürnenden Gotteit, die ihnen nach überstandener Kniewallfahrt grossmütig vergibt."
Und während Magnus noch so sprach, liess er sich wirklich auf die Knie niedergleiten und näherte sich rutschend dem erzürnten und ihn fürchtenden Mädchen. Schon streckte er die hände flehend nach ihr aus, indem ein schalkhaftes Lächeln seine interessanten Züge nicht unbedeutend verschönerte. Da hiess ihn Haideröschen nochmals einhalten mit der Drohung, sie werde unfehlbar, wenn er seinen Vorsatz ausführe, entweder ihm oder sich selbst ein Leid zufügen. Magnus achtete nicht auf ihre Befehle. Er war so bezaubert von dem Reiz ihrer entzückenden Schönheit, dass er sie nicht mehr sprechen hörte, dass er nur ihre Hand zu fassen, sie zu umarmen wünschte. Jetzt erhaschte er ihr grobes Gewand und wollte sie zu sich heranziehen, um den Saum desselben zu küssen. Da zerbrachen klirrend die grossen Fensterscheiben, mit schwerer Wucht flog der silberne Leuchter auf ihn, streifte seine Stirn und verwundete ihn mit scharfer Kante