dem Schlosshofe hetzen lasse."
"Zu Ihrem Haushofmeister sollten Sie mich lieber ernennen," versetzte Heinrich lachend. "Wollten Sie nur Geduld haben, so gäb' ich Ihnen einen Rat, wie sie ihn bei allen Weisen der alten und neuen Welt umsonst suchen möchten."
Magnus bemühte sich ruhig zu bleiben und winkte dem Maulwurffänger, dass er in seinen Mitteilungen fortfahren solle.
"Der Bursche, Haideröschens Liebhaber," sprach Heinrich, "gehört zu den Murrköpfen der neuen Zeit, die der Meinung sind, ein Mensch sei grade so gut wie der andre, woraus Ew. Gnaden schon abnehmen können, wie beschränkten Verstandes der Bursche sein muss. Jüngst hatte ich gelegenheit, ihn zu sprechen, und da hat er mir eine Predigt gehalten über die Freiheit, dass mir jetzt noch die Ohren davon weh tun. Alle Menschen, behauptete er, müssten frei und ihre eigenen Herren sein; es dürfte keine Gebieter, keine Knechte mehr geben, und wer nicht dieselben Gedanken hege, der müsse je eher je lieber fortgejagt oder noch besser todtgeschlagen werden. Dass man im Guten mit Bitten und Vorstellungen nicht sehr weit kommen werde, leuchte ihm wohl ein, darum habe er sich auch ein anderes Mittel ausgedacht. Dies sei heimliche Aufwiegelung aller Leibeigenen gegen ihre rechtmässigen Herren. Der Bund sei schon hübsch weit verbreitet. Die gesammten Haidewenden hätten sich auf Tod und Leben Beistand und Unterstützung zugeschworen, nur die im Hügellande und dem Gefilde zerstreut wohnenden zauderten noch und ohne sie könne man doch nichts anfangen. Sobald sie aber überzeugt und ebenfalls gewonnen seien, würde plötzlich in einer Nacht der Aufstand ausbrechen und Alles, was dem Herrenstande angehöre, ohn' Erbarmen ermordet werden!"
Während dieser Rede war Magnus immer bleicher geworden, jetzt musste er sich auf die Lehne seines Stuhles stützen, um sich aufrecht erhalten zu können. Nach einer Pause, während welcher der Maulwurffänger, ohne eine Miene zu verziehen, die wirkung seiner List belauschte, sagte der Graf:
"Glaubst Du, dass diese Unsinnigen wagen werden, ihre Pläne auszuführen?"
"Wer soll sie denn daran hindern?" erwiderte Heinrich. "Alles Volk bis herab auf das verworfenste Gesindel wird sich ihnen zugesellen, weil es gegen herrschaft und Besitz geht und Jeder etwas dabei für sich zu erobern gedenkt. Es sind ihrer Viele, die Wut wird ihre Macht um das Zehnfache der wirklichen Kraft verstärken, und ehe sich die unerwartet Ueberfallenen sammeln können, sind sie schon vertilgt!"
"Ich kenne bisher nur Deine Neuigkeiten," sagte Magnus. "Lass jetzt, wenn Du sie erschöpft hast, auch Deine Ratschläge hören."
"Nun sehen Ew. Gnaden," fuhr Heinrich fort, "ich getraue mir flugs das Abendmahl drauf zu nehmen, dass mein Plan, wie ich ihn mir heute während meiner Geschäftswanderung ausgedacht habe, zweifellos zum Ziele führt. Der Bursche liebt das Haideröschen, auf welches Ew. Gnaden ein Auge haben. Er wird glauben, Sie wollten dem hübschen kind im Ernst ein Leid zufügen, was einem so gütigen und gerechten jungen Herrn gewiss nie in den Sinn gekommen ist. Wenn nun ein paar Tage vergehen, ohne dass der verwegene Bursche etwas Tröstliches von seiner Liebsten hört, so fürcht' ich, treibt ihn die Wut zum Aeussersten und der Aufstand bricht los, ehe Sie Ihre Jagdflinte zu laden im stand sind. Gäben Sie sich aber den Schein, als seien Sie von der beispiellosen Tugend und erhabenen Engelsschönheit des jungen Mädchens im Innersten gerührt und dermassen ergriffen worden, dass Sie nicht mehr vermöchten, ihr mit Bitten anzuliegen, sondern das liebe Ding grossmütig laufen liessen, ja ihr sogar gelobten, am Tage der Hochzeit etwa ihr und ihrem Bräutigam die Freiheit zu schenken, so möchte ich meinen Kopf verwetten, dass Sie sich den wilden Burschen mit sammt seinem Anhange zum Freunde und treuesten Beschützer machen."
"In der Tat, Dein Vorschlag ist gut und kann zum Ziele führen, und doch –"
"Was hält Sie ab, sogleich Anstalt zu seiner Ausführung zu treffen?" unterbrach ihn Heinrich. "Beruhigung ist nötig und nichts schläfert die Menge fester und tiefer ein, als eine recht unerwartete, wie vom Himmel herabfallende Grossmutandlung. Es kommt ja dabei nicht so genau darauf an, was man etwa später noch vorzunehmen gedenkt."
Magnus Züge überstrahlte wieder ein lebhafter Freudenglanz. "Bei meiner Ehre, ich muss Dich loben, Heinrich!" rief er aus. "Eine angemessene Belohnung soll Dir nicht fehlen. Geh jetzt, lass Dir's wohl sein in der Gesindestube, aber halte reinen Mund! Sobald ich mit meinen Anschlägen vollkommen im Klaren bin, werde ich Dich rufen lassen, sollte auch diese Nacht darüber hingehen. Hältst Du übrigens für nötig, das Mädchen von meinem Entschlusse in Kenntniss zu setzen, so magst Du sie sprechen. Dieser Schlüssel öffnet die tür ihres Gemaches. Der Voigt wird Dich zu ihr führen. Auf Wiedersehen!" Magnus zog sich in sein Kabinet zurück und der Maulwurffänger musste gewaltsam an sich halten, dass er nicht durch lautes lachen zur Unzeit seine List dem Gebieter verrate. Selbstzufrieden sich die hände reibend, verliess er das Prunkgemach, um sich inmitten der Dienstboten des Edelhofes gütlich zu tun. –
Siebentes Kapitel.
Die Gesindestube.
Während der kurzen Unterredung Heinrichs mit dem Grafen Magnus hatte sich das Gesinde des Edelhofes zur Abendmahlzeit niedergesetzt. Die späte Tagesstunde war eine ungewöhnliche dazu, denn in der Regel pflegte das Hofgesinde