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und Gedanken verheimlichst. – Was hat Dir den das Bändchen getan?"

Eine geschickte Wendung liess Magnus die spielende Hand der Wendin erhaschen, die das Bändchen noch festielt. Er zog sie mit der seinigen zurück und die Schleife ging auf und liess das Leibchen so weit zurückweichen, dass das grobe Linnenzeug darunter, welches den Busen des Mädchens züchtig verhüllte, sichtbar ward.

"Ach die schlechten Kleider!" stotterte Haideröschen. "Berühren Sie sie ja nicht, gnädigster Herr, Sie sind nicht gewöhnt, so grobe Sachen in Ihre Hand zu nehmen!" Und behend entschlüpfte sie dem Grafen, und schlang flink wieder, das Band zusammenziehend, eine feste Schleife.

"Ich billige Dein Gefühl, liebes Kind," entgegnete Magnus, noch immer sanft und zurückhaltend. "So schlechte Kleider mögen für plumpe Bauermägde passen, ein so zartes Wesen, wie Du, mein Röschen, ist bestimmt, feinere Stoffe zu tragen, und wenn Du den Versuch machen willst, so werde ich dafür sorgen, dass Du morgen das Nötige vorfindest."

Haideröschen errötete und konnte eine schelmisch lächelnde Miene nicht ganz verbergen. Magnus bemerkte dies und fragte rasch: "Du lächelst? Freust Du Dich darauf?"

Jetzt erst wagte die Wendin ihre prächtigen Augen ein paar Secunden lang frei und offen zu dem Grafen aufzuschlagen, während sie noch immer sehr schüchtern erwiderte: "Darum wollte ich ihre Dienerin bitten, gnädigster Herr."

Der Graf jubelte innerlich über dies freimütige geständnis des schönen Mädchens, da es ihm deutlich den Kern weiblicher Eitelkeit und Putzsucht entüllte, der auch in dem noch unverdorbenen Herzen dieses Kindes der Haide tief verborgen lag und sorgfältig gepflegt eine ergiebige Aerndte versprach. Er setzte sich auf den Divan und schmeichelte der vor ihm stehenden Wendin so lange mit freundlichen Redensarten, bis sie Mut fasste und neben dem jungen mann, der jetzt keine Spur von Heftigkeit oder Hochmut zeigte, schüchtern Platz nahm.

"Sieh, mein süsses Haideröschen," redete er sie zutraulich an und ganz so, als wolle er ihr bloss eine geschichte erzählen, "ich muss Dich jetzt über Dich selbst und Dein Glück etwas aufklären. Dein sonst recht braver Vater ist ein befangener Mann, der vom heutigen Weltleben nichts versteht. Ihm muss ich es daher auch zu Gute halten, wenn er in seiner schwachsinnigen Torheit meinen guten Absichten entgegentritt. Du aber, ein junges, blühendes, schönes Mädchen von aufgewecktem Geist und heiterm Gemüt, Du musst Dich gewöhnen, die Zeit mit dem lustigen Auge verständiger Weltleute anzusehen. Dazu, mein Kind, will ich Dich eben erziehen, und nur dies allein ist der Grund, weshalb ich Dich mit Gewalt zu mir genommen habe, da es auf andere Weise nicht gehen wollte. Es fällt mir nicht ein, Dich, wie andere meiner Untertanen, in die Viehställe zu stecken, Dich will ich für mich allein, zu meiner Gesellschafterin haben. Du sollst mich begleiten, wenn ich ausreite oder fahre, Du sollst das ritterliche Vergnügen der Jagd mit mir teilen, Du sollst mit mir essen und trinken, kurz, Du sollst leben, wie ich, gebieten, wie ich! Hättest Du wohl Lust dazu, Haideröschen?"

Die schöne Wendin sog diese verführerischen Worte des Grafen wie Zaubertöne eines Mährchens ein. Sie blickte mit den brennenden dunkelblauen Augen zu ihm auf und lächelte ihn freundlich an. Magnus wagte jetzt seinen Arm lose und wie zufällig von der Lehne des Divans auf ihren verhüllten Nacken gleiten zu lassen. Er fuhr fort:

"Du wirst von dem törichten Volk gehört haben, ich sei hart, ein Tyrann. Glaube nicht daran, mein Röschen! Ich mache nur einen Unterschied zwischen den Menschen. Wo ich Rohheit, Gemütsverhärtung, unbändigen Starrsinn und Widerwillen gegen jeglichen Befehl bei vollkommenem Mangel an Bildung entdekke, da wende ich scharfe, empfindliche Mittel an, wie sie allein durchdringen können. Die Mehrzahl dieser Menschen, die zerstreut auf meinen Besitzungen in der Haide und dem niedrigen Hügellande wohnen, verdienen nicht besser wie das unvernünftige Vieh behandelt zu werden. Es ist ein Glück für sie, dass sie keinen freien Willen haben, sie würden an ihrer Freiheit nur zu grund gehen! Dass sie zuweilen murren und in ihrer Störrigkeit gegen mich zu rennen suchen, ist Folge ihrer gänzlichen Verstandeslosigkeit. – Wo ich dagegen Anlage, Herz, Gemüt, Geist entdecke, wie bei Dir, meine Perle, da bin ich immer geneigt, zu vergessen, dass ich das Recht habe, blindlings zu befehlen. Ich wünsche dann als Lehrer aufzutreten und solchen bevorzugten Wesen die Wohltaten, welche die Freiheit gewährt, sich selbst verdienen zu lassen."

Haideröschen hätte gebildeter sein müssen, als sie es war, um diese Rede des Grafen vollkommen verstehen zu können. Sie hörte ihm zwar aufmerksam zu, aber sie wusste doch eigentlich nicht, was er mit all den schönen Worten hatte sagen wollen. Nur die milde Freundlichkeit, die unveränderlich seine interessanten Züge geistig belebte und verschönerte, machten sie begierig, noch mehr zu vernehmen, Sie stützte daher das feine Köpfchen in ihre Hand und wandte mit schalkhaft klugem Lächeln, dem eine entzückende kindliche Unwissenheit inne wohnte, das Gesicht dem Grafen zu.

"Wenn ich von dem Verdienen der Freiheit spreche," fuhr Magnus fort, "so will ich damit nichts Anderes sagen, als dass ich wünsche, es möge jeder Einzelne meiner Untertanen die guten Absichten anerkennen, die meinen Handlungen stets zum grund liegen. Von Dir, Röschen,