Knechten, in deren Mitte der Voigt mit blankem Hirschfänger stand, die abenteuerliche Gestalt des Maulwurffängers.
"Der gnädige Herr wird Dir ein schönes Gesicht schneiden, wenn er hört, dass Du den unnützen Specakel gemacht hast," redete ihn der Voigt an. "Wir dachten nicht anders, als es würde Jemand draussen massacrirt."
"Seine Gnaden werden das Gesichterschneiden wohl bleiben lassen," erwiderte Heinrich. "Mach' nur geschwind und melde mich. Ich muss den Herrn sogleich sprechen, denn ich habe ihm Nachrichten von äusserster Wichtigkeit zu überbringen."
"Du?" sagte der Voigt spöttisch. "Vermutlich willst Du ihm ein paar gestohlene Maulwürfe für sein Eigentum aufhängen."
"Ich werde gleich den Versuch an Dir machen, ob Deine Kehle zäher ist, als die eines Maulwurfs," versetzte Heinrich. "Geh', sag' ich, oder ich melde mich selbst!"
"Es geht aber nicht!" sagte der Voigt trotzig, das Tor wieder fest verriegelnd.
"Es muss und wird gehen."
"Niemand darf zu ihm heute Abend. Nicht wahr, so lautete sein Befehl?"
Die Knechte bejahten diese Frage einstimmig, doch Heinrich beharrte hartnäckig darauf, dass er den Grafen sprechen müsse. "Grade deswegen, weil er's verboten hat, muss ich nun zu ihm," sagte er. "Seinen Zorn nehm' ich ganz allein auf mich, Ihr Alle geht frei aus, das verspreche ich Euch, so wahr ich der beste Maulwurffänger im land bin!"
"Warum hast Du nicht gepfiffen, wie sonst, wenn Du des Nachts auf dem hof einkehren willst?" fragte der Voigt, dem unwillkommenen Ankömmlinge zögernd nach dem Herrenhause vorleuchtend.
"Weil es heute Sonntag ist und ich mir die Lunge schon in der Kirche ausgesungen, ausgepfiffen und ausgeschrieen habe, und weil ich ausserdem weiss, dass Ihr um die jetzige Zeit in Euer gottloses Kartenspiel so vertieft seid, dass Ihr eines ehrlichen Christen fromme Melodie, und pfiff er sie so rein und schön, wie eine Nachtigall, doch nicht hören würdet. Endlich und zuletzt aber, weil ich stets auf aller Menschen Bestes bedacht bin und für Euch dieses Beste eine rasche Motion war, die ich am sichersten durch mein klopfen bewerkstelligen konnte. Sagt selbst, ob Euch nicht das faule Blut jetzt viel munterer durch die Adern schiesst? Nun und das, denke' ich, sind Gründe genug, um dafür einen Krug englisches Bier und ein warmes Lager in der Hölle beanspruchen zu dürfen."
"Du bist ein Schalk," sagte verdriesslich lachend der Voigt.
"Darin irrst Du Dich," versetzte der Maulwurffänger mit grösster Gelassenheit, "ich bin vielmehr ein Mittel gegen Schälke und alle Schurkerei. Meine Kunst beweist es."
So sprechend öffnete er seinen Schnappsack und hielt ihn dem Voigte unter die Nase. "Was siehst Du, Trefflichster?" fragte er.
"Narr, tote Maulwürfe!"
"Bestrafte Schälke," verbesserte listig lächelnd der Maulwurffänger, den Quersack wieder zuschnürend. "Nun geh' aber und richte meinen Auftrag genau und pünktlich dem Herrn Grafen aus."
Fünftes Kapitel.
Herr und Leibeigene.
Ehe wir unsere Erzählung weiter fortführen, müssen wir uns zurückwenden zum Grafen Magnus. Dieser hatte nach halbstündigem scharfen Jagen mit seiner schönen Beute, die inzwischen vor Angst und Schreck ohnmächtig geworden war, jenes einsam gelegene Vorwerk erreicht, dessen Schornstein man vom fuss des Todtensteines aus sah. Dieses Vorwerk gehörte zum Edelhofe und wurde von einem Pachter mit Frau und Gesinde bewohnt. Magnus hielt hier sein schaumbedecktes Ross an, sprang aus den Bügeln und trug die noch immer bewusstlose junge Wendin in das Wohnzimmer des Vorwerks.
Des Staunens nicht achtend, das Blicke und Mienen der einfachen Landleute aussprachen, forderte er herrisch ihr bestes Fuhrwerk. Leider bestand dies bloss aus einem sehr schadhaften und unbequemen Karren, der für gewöhnlich zur Transportirung grüner Feldfrüchte in die Stadt gebraucht ward. Nötigenfalls bediente man sich desselben allerdings auch zu Spazierfuhren, und dann überspannte ihn der Pachter mit einer viel gebrauchten, fleckigen, sehr oft geflickten und doch immer noch zerrissenen groben Leinewand oder Plane. Da innwendig keine Sitze angebracht waren, so half man sich durch untergebreitetes frisches Stroh, über welches eine Matratze, aus grober Wolle und Rosshaar gewirkt, zur Verschönerung gebreitet wurde.
Dieses unvollkommene Transportmittel richtete jetzt der erschrockene Pachter auf Befehl seines Herrn so schnell wie möglich her, während Magnus mit schlecht verhehlter Ungeduld die feinen Züge Röschens beobachtete, die noch immer besinnungslos in den Armen der besorgten Pachtersfrau lag. Röschen sah wunderbar schön aus in dieser dürftigen Umgebung. Ein feiner Zug schelmischen Lächelns, der ihren kleinen Mund immer umspielte, war auch dem jähen Schreck nicht gewichen, der sie betäubt hatte. Auf den lieblich gerundeten Wangen glomm noch, wie verduftendes Abendrot, ein rosiger Schimmer. Die Augen waren fest geschlossen und zeigten erst jetzt vollkommen die zarte Durchsichtigkeit der bläulich-weissen Lider und die langen, gleich feinen Goldfäden erglänzenden Wimpern. Das weisse Häubchen hatte sich während des raschen Rittes verschoben und entüllte jetzt zugleich mit der weissen, regelmässig geformten Stirn ein Gewirr kurzer, krauser und dicht gewundener Löckchen, die wie goldene Glockenblumen die schuldlose Stirn küssten. Ihre schmalen hände, jetzt kalt und weiss, hingen noch matt verschlungen in einander.
Die Pachterin, eine in gewissem Sinne gemeine Frau, bot dem Grafen mit beredter Zunge eine ganze Menge in solchen Fällen sehr erprobter Hausmittel an