Ding ebenfalls auf die Dienstliste zu setzen. Dass wir im Namen des Vaters Einwendungen machten, war natürlich, und dass Röschen selbst keine Lust zeigte, in die Dienste Blauhuts zu treten, könnt Ihr Euch denken, wenn Ihr erwägt, was die Sage von dem jungen Herrn berichtet! Nach einigem Hin- und Herreden stand er auch scheinbar von seinem Entschlusse ab, allein kaum war ich heimgekommen, als auch der Graf in mein Haus tritt, mit Röschen schön tut und ihr lauter schöne Dinge vorsagt. Darauf nahm er mich bei Seite und bot mir goldene Berge, wenn ich ihm das Mädchen auf den Edelhof schicken wollte. Ich weigerte mich dessen in zweideutigen Worten, um den Drängenden nur aus dem haus zu schaffen. Der Graf ging, zufriedengestellt. Drauf melde ich Sloboda das Vorgefallene, und weil ich wusste, dass er in den letzten Tagen auf des alten Grafen Befehl in Görlitz sein werde, versprach ich ihm, hier mit ihm zusammenzutreffen, um über die gefährliche Angelegenheit zu sprechen. Wie ich daran verhindert wurde, habt Ihr selbst mit angesehen."
Der Maulwurffänger, der seine hellen schlauen Augen bald über die Gegend schweifen, bald auf dem Sprechenden ruhen liess, schüttelte bedenklich den Kopf, zwischen den beiden Männern langsam fortschreitend.
"Wo seid Ihr zu haus?" fragte er. "Führt Euer Weg nicht bis in's Niederland, so begleite ich Euch eine Strecke."
"Ich wohne zwei gute Stunden von hier hinter den Teichen," versetzte Ehrhold. "Das junge Volk da vor uns ist eben daher."
"Seitwärts Rotenburg?"
"Ganz recht. Der Ort heisst die Zeisel und steht unter dem jungen Grafen, der auf dem eine Stunde südlicher gelegenen Zeiselhofe wohnt. Was Wendisch ist, gehört ihm zu mit Leib und Leben. Die Deutschen haben mehr Glück gehabt, denn sie brauchen ihm bloss noch etliche Frohntage zu leisten."
"Da gehen unsere Wege wacker zusammen," erwiderte der Maulwurffänger. "Ich habe Kunden in jener Gegend, die ich immer einmal mit umstossen kann. Unterwegs besprechen wir wohl noch Eins und das Andere."
Freudig nahmen die niedergeschlagenen Wenden die Begleitung des Deutschen an. Obwohl Jan Sloboda den Maulwurffänger bisher bloss von Ansehn und Hörensagen kannte – denn Heinrich war in sehr weitem Umkreise ein in seiner Art berühmter Mann – so war es ihm doch grade in seiner jetzigen düstern Stimmung angenehm, einen verständigen Begleiter gefunden zu haben, dem er nicht zu misstrauen brauchte. Oft schon hatte er von deutschen Bauern gehört, dass der Maulwurffänger, der aus dem Grenzgebirge stammte, ein geschworner Feind des drückenden Herrenwesens sei, das noch so schwer und entwürdigend auf dem volk lastete. Die vielen Frohn- und Hofedienste, welche Bauer, Gärtner und Häusler verdammten, die schönsten Tage im Jahre dem Gutsherrn zu opfern, der sich Besitzer des Ortes nannte, und ihn dadurch an Verbesserung und gehöriger Bearbeitung des eigenen Grund und Bodens hinderte, hatten ihn längst geärgert. Wo sich gelegenheit fand, den Saamen der Unzufriedenheit unter dem hörigen volk auszustreuen, benutzte er sie klug, und warf wohl auch bisweilen eine Hand voll Unkraut mit aus. Seine ihm angeborene und in einem tätigen Leben äusserst geübte Schlauheit bewahrte ihn bei diesem gefährlichen Geschäft vor jedem Missgriff, der ihm selbst hätte nachteilig werden können, und so erwarb er sich zahlreiche Freunde unter den gemeinen Leuten, ohne die Gunst der Herren, die er ebenfalls brauchte, zu verscherzen. Ein gewissenhafter Mann in streng christlichem Sinne würde ihn wahrscheinlich einen Schalk genannt und ihn der Zweiächselei bezüchtigt haben, die wahre kultur aber, die nie und nirgend solche aus Gut und Böse, aus Erlaubtem und Unerlaubtem, aus Herzensgüte und lächelnder Falschheit zusammengesetzte Charaktere entbehren kann, besass in ihm ein unschätzbares Instrument, um die heiligen und grossen Zwecke des Fortschrittes, der Volksbildung, der Verbreitung gesunder und freier Ideen im volk fördern zu helfen. Wir wollen nicht behaupten, dass der Maulwurffänger sich dieses segenbringenden Zweckes um diese Zeit schon vollkommen bewusst gewesen sei, ihm genügte vorerst der Reiz, den alles heimliche Miniren für ihn hatte, weil es ihn einfach ergetzte und unterhielt, dem Gedrückten zu nützen und dem Mächtigen stechende Dornen in das bequeme Leben zu streuen.
Bei dieser etwas frivolen Lebensansicht und bei seiner Beschäftigung, die ihn zu fortwährendem Herumziehen im land nötigte, war es kein Wunder, dass Heinrich in seinen Mitteln nicht wählig war, und dass er häufig auch mit Menschen verkehrte, die in der bestehenden bürgerlichen Ordnung nur ein Hemmniss der Erdenglückseligkeit erblickten.
Sloboda und Ehrhold gaben auf alle fragen, die Heinrich aushorchend an sie richtete, des Breitesten Antwort, und dieser erfuhr dadurch Alles, was er zu wissen begehrte, um den Bedrückten in seiner Weise nützlich werden zu können.
"Habt keine sorge um Röschen," sprach er hierauf, mit den Wenden rüstig weiter schreitend. "Ein Mädchen mit gesunden Augen und natürlichem Tact führt Euch den abgefeimtesten Teufel ein paar Tage lang an der Nase herum! Mir ist nicht bange um das liebe Kind. Der Junker wird sich vor ihr, sie sich nicht vor ihm beugen müssen. Nur die ersten Stunden der Angst und Beklemmung werden sie peinigen, später möchte ich wetten, dass sie leichter und besser als wir ihren Vorteil zu wahren verstehen wird. Darin sind die Weiber noch pfiffiger als die Juden! – Doch was ich Euch fragen wollte, lieber Jan, habt Ihr nicht gehört, wem das fräulein angehört, das