er fing an noch viel mehr zu brüllen, so dass ihrer noch viel mehr hereingestürzt kamen. – Er befragte sie wieder wegen der Schrift, aber es hatte sie Keiner. Da besprengte er den obersten Teufel noch einmal und er fing an so schrecklich zu brüllen, dass ihrer von allen Seiten hereingestürzt kamen, und zuletzt kam auch ein Lahmer angehinkt und der hatte die Schrift. Der wollte sie aber nicht geben.
Da sagte der oberste Teufel: Werft ihn auf Lipskulijans Bett! – Da gab sie der lahme Teufel. Und als er die Schrift erhalten hatte, fragte er, was für ein Bett Lipskulijan bekommen würde? Und sie zeigten es ihm, und es war von der Art, dass, als er seinem Degen hineinsteckte und ihn wieder herauszog, die Klinge, so weit sie in das Bett hineingestossen worden war, zerschmolzen war, denn das Bett bestand aus lauter glühendem Eisen.–
Hierauf ging er wieder nach haus und, kam unter weges zum Lipskulijan. Der fragte ihn ob er wüsste, was ihn erwartete? Und er erzählte ihm Alles. Da erschrak Lipskulijan und erkundigte sich, ob er doch noch nicht könnte begnadigt werden? Und er antwortete ihm: Gott ist jedem Sünder gnädig, wenn er sich bessert. Entziehe Du Dich allem Bösen und bete ohne Aufhören zu Gott, so wird er Dir auch gnädig sein! –
"So wird er Dir auch gnädig sein," wiederholte Sloboda, ohne sein auf dem untergestemmten Arm ruhendes Haupt zu erheben. – Marie fuhr fort:
"Und er führte Lipskulijan ein Stück von der Strasse ab, errichtete dort einen kleinen Hügel und pflanzte darauf eine Gerte und sprach: Auf dem Hügel bete Du, und wenn die Gerte Aepfel tragen wird, so magst Du daraus erkennen, dass Dir Deine Sünden vergeben werden. Hierauf ging er nach haus."
Nach langer Zeit, als er schon ein hoher Geistlicher war, fuhr er durch denselben Wald und es erblickte dort sein Diener schöne Aepfel auf einem Baume. Er wollte einen pflücken, aber wie er ihn berühren wollte, da hörte er eine stimme, welche sprach: Du hast mich nicht gepflanzt, Du wirst mich auch nicht pflükken.
Er erzählte dies in aller Schnelligkeit seinem Herrn. Der ging hin, und als er zu dem Aepfelbaum kam, fand er unter demselben einen knieenden Menschen und besann sich auf Lipskulijan. Und der wollte ihm beichten. Und als er ihm die Sünden vergeben hatte, zerfiel Lipskulijan in lauter Staub, und die Aepfel, welche die Seelen derer waren die er ermordet hatte, verschwanden alle. Und eine weisse Taube flog zum Himmel auf und sang:
Aepflein trug das Gertelein,
Meine Seele muss nun selig sein.
Und er hatte so die Gewissheit, dass Lipskulijan selig gestorben sei. Als Marie dies eigentümliche wendische Mährchen beendigt hatte, hörte man ein leises Schluchzen. Es war Bianca, welche, ergriffen von dem tiefen Sinn länger verheimlichen konnte. Schlenker gab seinen Beifall durch lebhafte Gebehrden zu erkennen und reichte in seiner Freude der Blinden sogar eine Prise. Sloboda's Haupt war langsam immer tiefer herabgesunken, so dass es jetzt beinahe die Tischplatte berührte.
Die Kienspäne mit ihren langgekrümmten Rispen brannten dunkel und verbreiteten über stube und Versammlung mehr Schatten als Licht.
"Der greise Wende ist, glaube' ich, vor Ermüdung eingeschlafen," sagte Elwire leise, um den Schlummernden nicht zu stören.
"So schnell?" erwiderte Aurel. "Und er hat doch vor Kurzem noch gesprochen?"
"sonderbar!" sagte Herta. "Der wackere alte Mann schläft so sanft, dass man ihn nicht einmal atmen hört!"
Bei dieser Bemerkung verliess der Maulwurffänger seinen Platz und näherte sich dem Wenden. Behutsam neigte er sein Ohr zu dem Schlummernden. Da aber auch er keinen Atemzug entdecken konnte, erlaubte er sich, seine Hand auf das Silberhaar des Greises zu legen und ihn laut bei Namen zu rufen.
Sloboda antwortete nicht.
Da schob der Maulwurffänger seine Hand unter die Stirn des Wenden und richtete ihn sanft auf.
Sloboda hatte die Augen fest geschlossen, ein Lächeln umspielte seinen Mund, er war tot! Gleich der Seele des Räubers im Mährchen, hatte die Seele dieses greisen Wenden unter Sangesgeflüster ihre irdische Hülle verlassen.
Elftes Kapitel.
Schluss.
Wir haben unserer Erzählung nur wenige Worte noch hinzufügen.
Sloboda ward feierlich auf dem Kirchhofe des zum Zeiselhofe gehörigen Dorfes in der herrschaftlichen Gruft beerdigt. Vierzehn Tage später reichte vor dem Altar der nämlichen Kirche die glückliche Elwire dem Kapitän ihre Hand als Gattin. Die Neuvermählten verliessen Heimat, Verwandte und Freunde, um wenige Wochen später auf dem Schiffe "die Hoffnung" nach Amerika unter Segel zu gehen, nicht, weil sie Europa fliehen wollten, sondern weil es Aurel für rühmlicher hielt, sein Leben in rüstiger Tätigkeit zum Besten des Volkes zu verbringen. Gilbert begleitete ihn und erhielt die Stelle eines Schiffslieutenants, da Kapitän Aurel auf seinem Kauffahrer die gesetz eingeführt hatte, die ihm während seiner Dienstzeit in der englischen Marine lieb und wert geworden waren.
Elwire folgte dem geliebten Gatten mit leichtem Mut und bewährte ihren Heroismus auf glänzende Weise.
Nach Jahresfrist kehrten die Seefahrer wieder auf längere Zeit nach Europa zurück und statteten ihren Freunden einen mehrtägigen Besuch auf Boberstein und dem Zeiselhofe ab. Sie fanden Vieles verändert.
Marie war Sloboda in die Gruft nachgefolgt und Martell, der sich nur scheinbar von seiner Entkräftung erholt hatte, wankte sichtlich dem grab zu. Er war fast