, den es in diesen Räumen gab, musste der greise Wende, der Held des Tages, niedersitzen, von Herta und Elwire umgeben. Diesem gegenüber am untersten Ende auf der Ofenbank sass die blinde Marie zwischen Leberecht und Eduard. Aurel liess von Paul und Gilbert einige Karaffen edlen Weines holen, um die Gesundheit Slobodas in diesen Umgebungen mit den Versammelten zu trinken. Lebhaft und herzlich fielen alle in das wohlgemeinte Hoch ein.
Als es wieder ruhig geworden war, erhob sich Aurel nochmals um der Gesellschaft seine Verlobung mit Elwire anzukündigen. Dabei ergriff Gilbert rasch die gelegenheit, um seine schöne, zukünftige Kapitänin leben zu lassen und auf ihr Wohl mehr als ein Glas zu leeren.
"Der vorlaute Bursche hat Recht," sagte Aurel, da einige noch Zweifel in den schon früher ausgesprochenen Entschluss des Grafen zu setzen schienen. "Es ist mein fester Wille, nach dem Pfingstfeste aus Eurer Mitte zu scheiden, meine Lieben! Ich werde mein Schiff 'die Hoffnung' wieder besteigen, aber diesmal nicht allein. Ein Engel, ein Engel des Glückes, der Liebe, des Friedens wird mich begleiten. Elwire wird mein Weib und Schutzgeist sein! – Vernehmt nun an diesem Freudentage, der nach so langem Jammer den Anfang einer schönern Zukunft verkündet, vernehmt jetzt von mir, dass ich den dritten teil meines Vermögens allen Armen und Hilfsbedürftigen schenke, die auf Bobersteinschem Grund und Boden geboren worden sind und daselbst leben! Ich habe mehr als ich bedarf, ich bin kräftig und unternehmend, und da ich einer guten Sache diene, wird Gott meine Bemühungen segnen. Vor meiner Abreise werde ich die nötigen Papiere über diese Schenkung und wie ich sie zum Besten der Darbenden angewendet wissen will, in Vollbrechts hände niederlegen. Auf das Wohl und ein besseres los der arbeitsamen Armen!"
Freudig stimmte Jeder auch in diesen Toast ein, der ebenso die Menschenliebe wie die Grossmut des Kapitäns kund gab. Elwire lächelte dem Geliebten glücklich zu und führte auf sein Wohl das volle Glas nippend zum schönen mund.
"nunmehr mag es aber gut sein," fiel der Maulwurffänger in seiner trockenen Weise ein. "Das viele Trinken, treibt's Einer auch noch so vorsichtig, macht einem zuletzt doch schwer im kopf, und davon, muss ich sagen, bin ich kein aparter Liebhaber. Statt also das Gesundheittrinken fortzusetzen, was eine ganz hübsche Sitte ist, wenn's nicht zu lange dauert, hätte ich mit Verlaub einen Vorschlag zu machen, der mir passend scheint."
"Und dieser besteht?" fragte Aurel.
"Worin er bestehen wird, hängt nicht ganz allein von mir ab. Ich will bloss in Anregung bringen, dass wir heute den Geburtstag unsers wackern Freundes, des braven, ehrwürdigen Jan Sloboda, des letzten Wenden, der leibeigen gewesen ist, feiern. Zugleich begehen wir, so zu sagen, auch den Begräbnisstag aller Sclaverei, wenn jeder Herr die hohen Gesinnungen des Grafen Aurel zu den seinigen macht, was Gott geben wolle! Ein solcher Freudentag muss, dünkt mich, gefeiert werden, in mannichfacher Weise, namentlich aber auf wendische Art, da Sloboda dem wendischen Stamme von Geburt angehört."
"Mir recht, so erfahre ich 'was Neues," flüsterte Gilbert Bianca zu, hinter deren Schemel er sich meistens aufhielt. "Die Wenden sollen merkwürdige Einfälle haben."
"Bilden wir uns ein," fuhr der Maulwurffänger fort, "wir hätten uns hier eingefunden zur Spinnte –"
"Ja, ja, zur letzten Spinnte!" fiel Sloboda ein, sein greises Haupt in Erinnerung an die traurige Vergangenheit bedeutungsvoll neigend. "In der letzten Spinnte beschlossen sie den Besuch am Todtenstein! – Es ist seltsam – seltsam!"
Er stützte die müde Stirn, umfangen von dem Riemen ehemaliger Knechtschaft, in die hohle Hand und lächelte still für sich. Freudige Verklärung breitete sich über seine abgespannten Züge.
"Denken wir," sprach der Maulwurffänger weiter, "die Spinnräder schnurrten, die Weifen klapperten! Es würde an die Tür geklopft und ein Dudelsackpfeifer träte mit vielen Bücklingen ein und verspräche ein lustiges Stücklein zu pfeifen! Davon wachten die schläfrigen Geister auf, würden heiter, lustig, ausgelassen – begönnen Volkslieder zu singen und Tänze aufzuführen und schlössen zuletzt, wie's Sitte ist beim Volk der Wenden, mit –" (hier liess der Maulwurffänger den Kopf hängen und schwieg).
"Nun, womit denn?" fragte Gilbert.
"Hole mich Der und Jener, ich weiss nicht, ob ich's rund heraussagen darf, denn 's fällt mir eben ein, dass ausser Jan Sloboda kein geborner Wende unter uns ist, und dann, seht, dann habe ich mich selber zum Narren gehabt!"
"Kann jetzt nichts helfen, mein Freund!" sagte Aurel. "Ihr habt angefangen, seht nun zu, wie Ihr zu Ende kommt!"
"Meinetalb denn! – Ich dächte also, wir schlössen nach wendischer Sitte mit Erzählung einer der Geschichten, wie sie im mund des wendischen Volkes leben und an langen Winterabenden während der Spinnte erzählt werden."
"Der Vorschlag ist gut, wenn nur der Erzähler sich findet," meinte Herta.
"eigentlich," sagte der Maulwurffänger, "dachte ich dabei an die blinde Marie, denn ich weiss, dass sie ehemals in den wendischen Liedern und Geschichten fast eben so bewandert war, wie Sloboda's Tochter."
"Wie mein Haideröschen