des Mörders nach der Torfhütte und vergruben sie in den tiefsten Moor. über den schlammigen Hügel sprachen die beiden Seemänner ein stilles, andächtiges Gebet.
Achtes Kapitel.
Beschlüsse.
Es ist stiller Sonnabend, jener Tag vor Ostern, den der Landmann fromm und ernst zu verleben pflegt. Alle noch lebenden Glieder der Familie Boberstein mit Ausschluss von Adalbert und Beatrice sind auf der ehemaligen alten Stammburg versammelt. Aurel hat den verheissenen Brief von seinem Bruder erhalten, dessen Inhalt er den Versammelten mitteilt. Dieser Brief lautete:
"Mein teurer Bruder,
Durch den schnellen Hintritt unseres Bruders
Adrian sind der Familie eine beträchtliche Anzahl
Güter zugefallen, über deren Verteilung wir uns in
jener schönen Eintracht beraten wollen, die ferner
unter uns obwalten soll. Als dem Nächstältesten in
der Familie fällt Dir Boberstein nach Recht und
Gesetz zu und mit Freuden sehe ich es in Deine
hände übergehen. Damit aber nicht in späterer Zeit
wieder ein unglücklicher unser Geschlecht in Zank
und Streit und Feindschaft verwickelnder Prozess
darüber entstehen möge, wünsche ich, dass unsere
lieben Halbgeschwister von Dir entschädigt wer
nahme an der Erbschaft. Ich besitze genug, um zu
frieden und glücklich leben zu können. Da man Dir
von jeher ein grosses Zutrauen bewiesen hat, wird
es für Dich nicht schwer sein, die verschiedenen
gesetzlichen Miterben zu befriedigen. Wie Du dies
tun willst, bleibe Dir ganz allein überlassen!"
"Adrians Tod hat mich so heftig angegriffen,
dass ich mich durch eine Reise zerstreuen muss. Ich
werde nach dem Orient gehen, dessen hohe Eigent
hümlichkeit, dessen mysteriöse Ueberreste alter
Kunst mich immer wunderbar angezogen haben.
Beatrice begleitet mich. So genussreich, belehrend
und bildend unstreitig eine solche Reise ist, so
viele Gefahren bietet sie auch dar. Wer dergleichen
unternimmt, muss zuvor mit dem Leben abschlie
ssen, muss auf ewig von seinen Lieben Abschied
nehmen und sich betrachten als einen toten.
Darum, geliebter Bruder, wirst Du mir verzeihen,
wenn ich Dir gegenwärtig mit gerührtem Herzen
zurufe: Lebe wohl, lebe wohl auf ewig! Gott weiss,
ob wir uns je wieder sehen in diesem Leben! Lebe
wohl und grüsse die Lieben, die wir vor Kurzem als
unserer Familie zugehörig haben kennen gelernt!
Ich wünsche ihnen recht viel Gutes und dass sie
Freude an ihren Kindern erleben mögen! Gott, der
sie Alle so wunderbar geführt hat, beschirme sie
auch fernerhin!"
"Wenn Du diese Zeilen erhältst, bin ich schon
weit von Dir! Ich habe dies vorgezogen, damit Du
mich nicht mit Einwendungen bestürmen und mich
wankend machen mögest in meinem Entschlusse!
Die Verwaltung meiner Güter ist treuen und zuver
lässigen Händen übergeben. Nochmals, lebe wohl!
Im Leben und im tod, in der Nähe und Ferne
immer
Dein treuer Bruder
A d a l b e r t ."
Aurel ward von diesem Schreiben sehr unangenehm berührt. Adalberts Reise sah vollkommen einer Flucht ähnlich, einer Flucht, zu welcher sich der stolze Aristokrat bloss deshalb entschlossen hatte, um nie wieder mit denen in Berührung zu kommen, die er als seine Blutsverwandten hatte annerkennen, denen er die Hand zur Versöhnung hatte reichen müssen! Aurel fühlte, dass diese vornehme Freundlichkeit bloss Maske war, und dass Adalbert im Herzen noch eben so grollte, wie früher. Indess war dem Scheine genügt. Die Versöhnung war geschehen, ein freundliches verhältnis unter den Geschwistern hergestellt, und so musste Aurel schweigen und die Beteuerungen des geflüchteten Bruders als aufrichtig und wahr gelten lassen.
Er wendete sich darauf zu den Versammelten und
"Liebe Geschwister, Vettern und Verwandte! Als rechtmässiger Erbe dieser Besitzungen steht mir das Recht zu, über dieselben zu verfügen, wie ich es für gut und zweckmässig halte. Ich bin kein Fabrikant, kein Kauf- und Handelsherr, ich bin nur ein schlichter, grader Seemann, dies aber mit Herz und Seele!"
"Bravo!" rief Gilbert aus, der an der halboffenen Tür hochte. "Jetzt bläht eine frische Brise doch endlich wieder die Segel."
"Daraus folgt," fuhr Aurel fort, "dass ich diese Fabrik, der wir die Wiederkehr unseres ehemaligen Wohlstandes zu verdanken haben, nicht leiten kann, ohne ihr zu schaden, ohne vielleicht das ganze Geschäft zu zerstören und damit die Quelle unseres gemeinsamen Glückes zu verstopfen. Es ist daher, sofern Niemand Einspruch tut, mein Wille, dass statt meiner unser ältester Bruder Martell nicht bloss die Leitung der Fabrik antrete, sondern auch Boberstein mit allen Pertinenzien als wirklicher Erbe übernehme!"
"So soll es sein!" sagten sämmtliche Anwesende, wie aus einem mund und reichten dem neuen Besitzer der grossen herrschaft, der schweigend in ihrer Mitte sass, die hände.
"Unter Martells Leitung," sprach Aurel weiter, "wird die Fabrik gedeihen und blühen, allein ich habe noch einen andern wichtigen Vorschlag zu machen, worüber ich Eure Meinungen zu hören wünsche. Um ihn zu rechtfertigen, muss ich etwas weit ausholen. Ich erbitte mir also für einige Zeit Eure ungeteilte Aufmerksamkeit!"
"Es gibt eine sehr grosse Anzahl Menschen, welche der überzeugung leben die Erfindung der Maschinen und deren Verwendung in den verschiedenartigen Fabriken sei ein unerhörtes Unglück für das gesammte Menschengeschlecht. Seit man sich ihrer bediene, nehme Armut, Elend, Hunger, Kummer und Verbrechen unter den niedern Ständen des Volkes auf eine wahrhaft entsetzenerregende und staatsgefährliche Weise überhand! Es sei daher Pflicht jedes wahren Menschen- und Volksfreundes, mit aller Kraft auf Abschaffung der Maschinen zu dringen, den Armen neue