. eilte dar
auf zu und ... ward von der Dampfkraft zerschmet
tert!"
"Traure mit mir um den beklagenswerten Bru
der, dessen Leiden so tragisch enden sollten! – Ich
hatte ihn seine wohnung verlassen sehen und war
ihm, seine Stimmung fürchtend, nachgegangen,
aber erst in dem Augenblicke, als die Welle ihn er
fasste, konnte ich den Saal erreichen, der seine To
deskammer werden sollte!"
"Dieser unvermutete, nicht allein uns Brüder
sondern auch Adrians sämmtliche Untertanen tief
darniederbeugende Tod ruft uns mahnend zu: Ver
gebt und vergesst! Seid einander wieder liebende
Brüder und lebt als solche in christlicher Eintracht!
Lasst allen Groll auf immer dahin fahren und ver
tragt Euch, wie Brüder es sollen! – Und was, teu
rer Bruder, was soll uns denn eigentlich entfrem
den? – Haben wir uns gegenseitig um unser Eigen
tum gebracht? – Nein, wir haben es in brüderlich
gutem Einverständniss vermehrt! – Sind wir Schuld
daran, dass alte Frevel zu sühnen waren, dass tief
Gekränkten Gerechtigkeit verschafft werden
musste? – Keineswegs! – Nun und haben wir denn
an unserer Ehre etwas verloren, wenn wir denen,
die Gottes Wille aus der Nacht unverdienter Ar
mut zu uns emporhob in den mildernden und bil
denden Sonnenschein mässigen Besitzes, wenn wir
diesen brüderlich die hände reichen und sie neben
uns wandeln lassen? – Auch dies muss ich vernei
nen! – Warum also noch länger getrennt und unver
söhnt leben? Warum grollen und grollend vom
tod überrascht werden, wie unser armer Bruder?"
"Adalbert, lass uns grossmütig, lass uns ritterlich
handeln! Nimm die Hand, die ich zu aufrichtiger
Versöhnung Dir entgegenstrecke, vertrauensvoll an
und lass uns treue Brüder sein und bleiben, so lange
uns Gott am Leben erhält!"
"Schwere, traurige Gedanken ziehen durch mei
nen Geist und stören die Ruhe meiner Seele! –
Mich dünkt, wir haben den ernsten Wink der Vor
sehung zu spät verstanden! Schon damals sollten
wir froh und frei uns einigen in Liebe, als wir die
ersten Spuren entdeckten von den Fussstapfen, wel
che verlorene Kinder unseres Vaters in den Staub
der Armut, in den Schlamm der Erniedrigung ge
drückt hatten! Es war an uns zu vergeben, zu süh
nen, was ein Verstorbener vor uns gesündigt.
Glücklich und beneidenswert sind die zu preisen
denen gelegenheit geboten wird, Vergehungen
ihrer Vorfahren durch Taten des Segens in der Ge
genwart auszugleichen! – Wir haben dies nicht so
eifrig, nicht so gern getan, wie wir sollten, ja es
bedurfte erst eines so erschütternden, gewaltigen
Donnerschlages, ehe wir trauernd, gebeugt und
reuig zu dieser erkenntnis kamen! –"
"In fünf Tagen soll die feierliche Beerdigung des
Abgeschiedenen stattfinden. Ich weiss, Du wirst
nicht dabei fehlen, denn ich kenne Dein Herz, das
gern geneigt ist zum Vergeben, wenn es auf ehrli
ches Entgegenkommen rechnen kann."
"Mit schmerzlicher sehnsucht erwarte ich Dich
und Beatrice, meine schöne, liebenswürdige
Schwägerin, der ich mich angelegentlichst zu emp
fehlen bitte! Lebe wohl bis dahin über den Sarg
des geliebten Bruders reicht Dir die Hand zur Ver
söhnung
Dein treuer Bruder
A u r e l ."
Die kleine Abweichung von der Wahrheit, welche sich der Kapitän in diesem Briefe erlaubte, glaubte er vor sich selbst rechtfertigen zu können, da es ihm zumeist daran lag, Adalbert wirklich zu aufrichtiger Versöhnung zu bewegen. Deshalb nahm er sich selbst auch gar nicht aus von denen, die ein irrtümliches Handeln sich vorzuwerfen hatten. Adalbert war Diplomat und nur auf diplomatischem Wege liess er sich zu einem Abweichen von der einmal eingeschlagenen Bahn bestimmen.
Aurel hatte sich übrigens nicht verrechnet. Sein Bruder kam früher in Boberstein an, als der Kapitän vermutete. Beatrice begleitete ihn. Der Empfang war zwar nicht herzlich, aber doch erwärmt. blick, Händedruck und Bewegung Adalberts sagten Aurel, dass er seinen Zweck erreicht habe. Der vornehme, stolze Herr bat sogar, der Kapitän möge ihm seine Halbgeschwister vorstellen und stattete zu diesem Behufe einen, freilich sehr kurzen Besuch in Martells und Simsons Hütte ab. über den Eindruck, welchen der einsilbige Spinner auf den Aristokraten gemacht haben mochte, sprach sich Adalbert nicht aus. Zerschmetterung Adrians die Beerdigung beider Brüder statt. Aurel glaubte die Verfolgung und Bestrafung selbst eines überführten Verbrechers nicht bis über das Grab hinaus erstrecken zu dürfen.
Die beiden geschmückten Särge, auf denen das Wappen der Boberstein prangte, wurden feierlich in die alte, noch wohl erhaltene Grafengruft eingesenkt. Ausser den Leidtragenden, zu denen Aurel, Adalbert, Martell, Herta, Elwire, Maja, Simson, Paul und Sloboda gehörten, begleiteten die sämmtlichen Arbeiter ihren verunglückten Gebieter zur Gruft und weinten ihm eine Träne des Mitleids, zollten ihm ein Wort der Teilnahme und der Verzeihung.
über der Gruft reichten die bis dahin so feindlich gesinnten Brüder, Schwestern und Verwandten einander die hände zur Versöhnung. Auch der Maulwurffänger, der gleich den Uebrigen dem Leichenconduct beiwohnte, erhielt von Adalbert und Beatrice den versöhnenden Handschlag.
Nach der Beerdigung reisten Adalbert und seine Gattin sogleich wieder ab. Er versprach Aurel, recht bald zu schreiben und ihm seine Gedanken über Teilung der zugefallenen Erbschaft mitzuteilen.
Man trennte sich mit der überzeugung, dass die Vergehungen des alten Geschlechts zugleich mit den sterblichen Ueberresten Adrians und Johannes Klütken's gesühnt und für immer in die Gruft gesenkt worden seien. – In derselben Nacht trugen zwei Spinner, von Aurel und Gilbert begleitet, die Leiche