lachen, unter Fluchen und Lästern den Geängsteten aus einem Winkel in den andern, entriss ihm den Schemel, da schon sein erster Stoss eine Flechse an der rechten Hand Klütkens zerschnitten hatte, und trieb nun mit raffinirter Grausamkeit sein wehrloses Opfer in den äussersten Winkel des Kerkers. Ohn' Aufhören versetzte er dem Jammernden rasche Stösse mit dem scharfen Glase auf Schenkel, arme, Brust und Kopf, so dass er aus hundert Wunden blutete und kaum mehr einen Schatten seines wütenden Gegners sah. In die Ecke gedrängt, stürzte er erschöpft zu Boden. Blutrüssel warf sich auf ihn, kniete dem Halbbewusstlosen auf die Brust und fletschte tierartig lachend die Zähne.
"Recht so, mein Honigpüppchen," sagte der Schreckliche, indem er ihm mit furchtbarem Stosse die Lippen abschnitt, "das wird Dich satt machen für immer und Dich verhindern, honetten Leuten wieder ins Gesicht zu speien. – So! – Du hattest ja die Spitzgläser lieb, gib ihm noch einen innigen Kuss! – Ha, wie das rieselt! – Das hilft fürs Ausplaudern! ..."
Blutrüssel zerriss dem Vater Elwirens die Zunge. – Der Unglückliche röchelte nur noch, aber seine hände wischten das Blut von den Augen, die mit vorwurfsvollem, entsetzlichen Ausdruck den Mörder anstierten. Dieser erbebte vor diesem kalten, glänzenden, wie aus einer andern Welt aufleuchtenden blick.
"Ha!" rief er aus. "Willst Du gleich die Deckel schliessen, Satanskind? Willst Du?"
Der Sterbende hörte ihn nicht mehr. Die Augen stierten weit geöffnet und regungslos den Entmentschten an.
"Nun so empfangt von mir die Sargnägel!" tobte Blutrüssel in der Raserei des Mordens und schlug mit zwei furchtbaren Schlägen das spitze Glas dem jahrelangen Genossen in beide Augenhöhlen. Die Stösse waren so gewaltig dass ihm das Blut in's Gesicht spritzte. Klütken-Hannes zuckte noch einige Male und verschied.
Jetzt erst kehrte dem blutbesudelten Mörder die Besinnung zurück. Er entsetzte sich vor seiner grässlichen Tat und die Angst der Verzweiflung kam über ihn. Die innere Qual zu betäuben, trank er rasch den noch vorrätigen Rest des Branntweins aus, setzte sich dann, den rücken gegen den Ermordeten gewendet, auf den Tisch und starrte, in dumpfes Hinbrüten verloren, das vergitterte Fenster an, um dessen steinernes Kreuz sich dann und wann der Schatten einer Rauchwolke schlang, die von den hohen Schornsteinen in den hellblauen Himmel emporwirbelte.
Der verzweifelte Mörder hatte noch kaum zehn Minuten in dieser Stellung verharrt, da nahten sich Tritte und er hörte das Klirren von Schlüsseln. Zusammenschaudernd sprang er von dem Tische, trat zurück und lehnte sich im äussersten Winkel des Gewölbes an die kalte, trockene Steinwand.
In diesem Augenblicke knarrte der Schlüssel im Schloss und die Tür ward geöffnet.
Viertes Kapitel.
Der Besuch.
Der Eintretende war Vollbrecht. Er blieb unter der tür stehen und wunderte sich über die Ruhe der beiden Gefangenen, von denen er keinen erblickte.
"Klütken-Hannes!" rief er nach kurzer Pause. "Wo bist Du? Man will Dich besuchen."
Keine Antwort. Vollbrecht liess jetzt seine Augen nochmals durch den etwas düstern Kerker schweifen und bemerkte die unsichern Umrisse von Blutrüssels Gestalt, der regungslos an der Wand lehnte.
"Es ist sehr ungezogen von Euch," fuhr er fort, "dass Ihr für die gute Behandlung, die Euch zu teil wird, nicht einmal so viel Erkenntlichkeit habt, um auf eine Frage Antwort zu geben. Wer steht dort an der Wand? Und wohin hat sich der andere Schelm verkrochen?"
Jetzt erhob sich der Mörder und ging mit wankenden Schritten nach der Tür. Zugleich trat Aurel neben Vollbrecht. Man konnte das Schluchzen Herta's, die hinter ihm stand, hören.
"Klütken-Hannes! Unglücklicher Bruder!" sagte der Kapitän gerührt und mit weicher stimme. "Tritt hervor aus der Dunkelheit und reiche mir Deine Hand! Ich möchte Dich gern einem Wesen zuführen, das Dir teuer sein muss das Dich noch einmal umarmen und, wenn auch unter bittern Schmerzenstränen, verzeihend, sühnend, segnend seine zitternde Hand auf Dein sündiges Haupt legen will! Armer beklagenswerter Mann, Deine Mutter – will Dich sehen!"
Beide Männer traten jetzt in den Kerker. Blutrüssel, den die entsetzliche Wucht des eben verübten Verbrechens fast zu Boden drückte stöhnte in unarticulirten Tönen und schüttelte sein wüstes, blutbeflecktes Haupt wie ein wildes Tier.
"Tritt zurück, Kannibale!" befahl Aurel, seiden Arm mit Abscheu gegen den Unmenschen ausstrekkend. "Wo ist Dein Gefährte?"
"Er ... schläft, murmelte der Mörder."
"Wo aber? Das Lager ist ja leer?"
"Dort ... hinter ... dem Ofen," stotterte Blutrüssel, indem er sich wieder auf den Tisch setzte, der unter seiner Körperlast knackte.
"Dort?" wiederholte der Kapitän, schnell gegen den Ofen vorschreitend. "Ist ihm etwas zugestossen?"
"Beim Teufel ja!" schrie Blutrüssel in einem Anfalle wahnsinnigen Humors auf und brach in ein schallendes Gelächter aus. "Es ist ihm so viel zugestossen, dass er sich verblutet hat."
Diese scharf und gellend ausgestossenen Worte vernahm Herta. Sogleich folgte sie den vorangegangenen Männern in den Kerker, stützte sich auf Vollbrechts Arm und sagte leise zu dem Geschäftsführer:
"Kommen Sie, kommen Sie, ehe er stirbt!"
Aurel stiess an die Füsse des Getödteten. Er kniete nieder, ergriff