, vor Freude in die hände klatschend, "und das möchte' ich gar so gern einmal mit ansehen! Es gehen viele hin, auch der Vater wird vermutlich dort sein, da er um diese Zeit für die gnädigste herrschaft eine Lieferung Getraide nach Görlitz führen muss. Ich will auch recht fromm sein die Zeit her und für Dich und die Muhme so schöne Käse machen, dass Du auf Ostern beim Kuchenbacken Deine Freude daran haben sollst! Geh nur mit!"
"Wenn den Andern so viel daran liegt, wie Dir, so werde' ich wohl nachgeben müssen. Zwar hab' ich mir sagen lassen, es sei weiter nichts als ein dummer Spectakel, bei dem viel müssiges Volk zusammenlaufe, Abends die Schenken auskehre und sich auf dem Heimwege die Jacken tüchtig ausklopfe, indess – Dir zu Liebe –"
"Nun also mir zu Liebe, Vetter, und meinem guten Vater, der sich um das Unglück meines Bruders so sehr grämt!"
"Kind, Kind," versetzte Ehrhold, "mit Deinen frommen blauen Augen ziehst Du einem das Herz aus der Brust! Was will ich tun? Ich muss klein zugeben, um nur den lieben hellen Himmel in Deinem Köpfchen nicht zu trüben. Ganz umsonst aber will ich mein Versprechen doch auch nicht geben. Gewähr um Gewähr! Ich begleite Dich und die ganze Spinngesellschaft nach Königshain für ein Mährchen und zwar ein frommes, das Du uns zum Schlusse erzählen sollst."
"Hurrah, ho!" riefen die jungen Burschen und schwenkten ihre Mützen, und die Mädchen fielen plaudernd über einander her, als hätten sie sich die wichtigsten Dinge mitzuteilen. Röschen aber nahm ihre vorige hausmütterliche bequeme Stellung wieder ein und sagte mit der freundlichsten Miene von der Welt: Zum Schluss der Spinte das Mährchen von
Diter Bernhard.
"Es war aber einmal ein vornehmer, frommer Herr mit Namen Diter Bernhard, so fromm, dass er seine Kleidung in die Sonnenstäubchen hängen konnte, ohne zu fürchten, dass sie auf die Erde fielen. Er ging jeden Sonntag in die Kirche und erblickte dort einst den Teufel hinter dem Altare sitzen, wie er die Namen derjenigen auf eine Kuhhaut schrieb, welche in der Kirche schliefen. Der Teufel hatte aber die Haut ganz und gar vollgeschrieben und fing sie daher an mit den Zähnen auszudehnen, damit er noch mehr aufschreiben könnte. Sie entschlüpfte ihm aber auf einmal und er schlug mit dem kopf so an die Wand hinter sich, dass ihm ein Zahn ausfiel. Hierbei konnte sich Diter Bernhard des Lachens nicht entalten. Weil er aber in der Kirche gelacht hatte, so rechnete ihm dies der liebe Gott als eine grosse Sünde an. Als Diter Bernhard nach haus gekommen war, wollte er seine Kleidung wieder in die Sonnenstäubchen hängen, aber diese hielten sie nicht mehr und sie fiel dort zur Erde. Darüber erzürnte er sich und wollte dem lieben Gott auch etwas zum Possen tun. Und er nahm Brosamen und warf sie in seine Stiefel und schritt einher, indem er so G o t t e s G a b e mit Füssen trat. Deswegen entführte ihn bald ein Wagen in die Luft, und er fährt dort seiner Bosheit wegen noch bis zum heutigen Tage umher."
"Besten Dank, mein liebes Röschen," sagte Ehrhold. "Ich erkläre hiermit die Spinte für geschlossen, damit nicht Einer oder der Andere auf schlechte Gedanken komme, sondern ein Jeglicher als rechtgläubiger Christ den Heimweg antrete. Gute Nacht, meine lieben, ehrenwerten Gäste!"
Ehrhold gab das Zeichen zum Aufbruch, Alle reichten ihm und seiner Frau beim Abschiede die Hand, bedankten sich für gute Bewirtung und heitere Unterhaltung, und verliessen, die Mädchen schirmend umgebend, das Bauernhaus.
Fussnoten
1 Dies und die folgenden kurzen Mährchen sind wörtlich dem trefflichen Werke 'Volkslieder der Oberund Niederlausitz' von Haupt und Schmaler herausgegeben entlehnt.
Zweites Kapitel.
Der Todtensonntag.
Die warme Märzsonne am wolkenlosen Himmel machte den Schnee auf den Gebirgen schmelzen und liess zahllose Bäche über Wiesen und Saatfelder rieseln, dass überall schon an den bewässerten Stellen zarte Keime eines frischen, erquickenden Grüns aus der Erde hervorsprossten. Auch die Saalweiden entüllten ihre weichen honiggelben, süssduftenden Blüten der milden Luft und ragten hie und da an den bewaldeten Bergen über die noch dürren Gesträuche wie leuchtende Kerzenbüschel empor. Knaben und Mädchen sah man in einzelnen Gruppen auf den Rainen unfern der Dörfer hinwandeln und diese Erstlingsgeschenke des wiederkehrenden Lenzes triumphirend in der Luft schwingen. Sie zogen heim aus den Hügeln, um ihre niedrigen schwarz geräucherten und dunstigen Stuben mit den Palmzweigen des deutschen Nordens, die sie in ihrer kindlichen Weise "Palmmietzel" nennen, zu schmücken.
Einer Schaar solcher mit blühenden Weidenzweigen versehener Kinder begegnete am Sonntage Lätare des genannten Jahres in den schon erwähnten Königshainer Bergen ein rüstig über die Felder einsam daher schreitender Mann. Die Kinder grüssten ihn freundlich, wie einen guten Bekannten, wünschten ihn gute Geschäfte und einen fröhlichen Nachmittag und eilten beschleunigten Schrittes dem grossen Kirchdorfe zu, das sich am Fuss dieser Berge im fruchtbaren Tale ausbreitet. Der Gegrüsste dankte eben so freundlich den Kleinen, liess sich aber in kein Gespräch ein, da er selbst ebenfalls Eile zu haben schien.
Es war ein kräftiger Mann von untersetzter Statur in einem Alter von etwa dreissig Jahren. Seine Tracht bestand aus einer blautuchenen Jacke mit grossen Seitentaschen, kurzen Beinkleidern von schwarzem Leder, graublauen Strümpfen und schweren rindsledernen Schuhen mit grossen Messingschnallen. Als Kopfbedeckung trug er eine niedrige Mütze von Grimmerpelz, die ihm