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etwas besserem Glück und mit wenigeren Umständen, als Du neulich tun wolltest. Ich handelte im Auftrage des Herrn Grafen Magnus, Du abernun Herr Bruder in diabolo, was beliebten denn Ew. gräfl. Gnaden zu beginnen?"

"Mord! Mord! Nichts als Mord und Todtschlag!" rief Herta's Sohn händeringend. "Mord an älteren, Brüdern, Verwandten! ..."

"Noch nicht, aber es kann dahin kommen," sagte Blutrüssel trocken. "Wer Nesseln sät, der ärndtet Nesseln, und das Zeug brennt wie Feuer, wenn's recht gedeiht. Ha, und Du bist gediehen, teufelmässig gediehen!"

Und das Scheusal fiel in ein so fürchterliches Hohngelächter, dass Klütken-Hannes aufsprang und mit zorniger Miene dem Unholde näher trat.

"Vermaledeiter Hund!" schrie er ihm zu. "Du höhnst mich noch? Du wagst zu lachen, wenn sich die Haare einzeln auf meinem Scheitel bäumen über das grauenvolle Verhängniss, das an meinem Geschlechte nagt? An dessen Sturze ich elender Verführter unwissenderweise mitgearbeitet habe?"

"Wenn Ew. Gnaden erlauben, so lache ich," versetzte Blutrüssel. "Denn es macht mir Vergnügen zu sehen, dass meine Aussaat so vortreffliche Früchte getragen hat. Auf Du und Du mit einem Grafensohne leben, noch dazu mit dem Sprösslinge des übermütigsten Aristokraten, der je einen Wappenring am Finger und goldene Sporen an den Fersen trug; mit einem Sohne des Mannes, der alle übrigen Menschen nur als Spielpuppen seiner Laune behandelte und kein grösseres Unglück kannte, als Armut, Mangel, niedere Geburt und schlechte Gesellschaftwas die Grossen so nennenja bei dem Fluch aller Flüche, das macht mir Vergnügen, das ergetzt mich, wie's etwa den Teufel ergetzen mag, wenn er ein schuldloses Seelchen in sein Netz gelockt hat!"

Mit harter Faust packte Klütken-Hannes seinen Verführer am Arm und schüttelte ihn heftig, indem er ihm zurief:

"Du kanntest also meine Abstammung? Du wusstest wirklich, dass eine verzweifelte Mutter um mich weinte?"

"Ob ich es wusste! –"

"Und hattest kein Mitleid mit ihr, mit mir?"

"Ich hatte Geld, viel Geld, gnädiger Herr Graf und Mitgefangener, und wenn ich Geld hatte, so kannte ich das Wort 'Mitleid' niemals."

"Wie kam es, dass Du mich späterhin verliessest?" fuhr Klütken-Hannes mit kalter Inquisitorstimme fort, den abscheulichen Mörder zu verhören. "Denn ich erinnere mich erst, Dich in spätern Jahren, als ich schon Comptoirdiener war, gesehen zu haben."

"Das ging sehr einfach zu, mein Vortrefflichster. Du warst ein hübscher, kräftiger Junge mit prächtigen Haaren und einem allerliebsten frischen Gesichtchen. Eine herumziehende Schauspielerbande fand Dich liebenswürdig, machte mir annehmbare Anträge und so schlug ich Dich für ein gutes Handgeld los. Du wirst billig sein und mir dies nicht verdenken! – Ich hatte es satt, die Kindermuhme zu spielen und Dich bei meinen Wanderungen auf den Armen herumzuschleppen. Im grund bist Du mir sogar vielen Dank dafür schuldig, denn ich konnte Dich, straf' mich Gott, abstechen, wie eine Gans, die Vollmacht dazu war mir gegeben! Aber ich hatte mich in Dein Lärvchen vergafft, und so liess ich Dich denn leben."

"Um mich langsam und desto sicherer zu tödten! Um mich dem ewigen Verderben zu opfern!" rief Klütken-Hannes aus. "Und dafür, meinst Du, dafür soll ich Dir jetzt dankbar sein?"

"Als guter und treuer Kumpan, beim Element, ja! Das ist Sitte und Brauch bei allen honetten Leuten."

"Wir sind nicht honette Leute, wird sind ElendeVerbrecher!"

"Oho! Verbrecher sind auch honett. Oder haben wir nicht honett gehandelt mitmitden beiden Brüdern?"

Klütken-Hannes fühlte, das sein Blut sich mehr und mehr empörte. Er vermochte sich nicht mehr zu zügeln. Einen Schritt zurücktretend, knirschte er mit den Zähnen und spie dem Abscheulichen den Geifer der Wut in's Gesicht.

"Nimm das für Deine Judasdienste," rief er ihm zu, "und verflucht will ich sein, wenn ich von dieser stunde' an noch einen Bissen Brod mit Dir teile! Wenn ich je wieder Deine vermaledeite Hand berühre!"

"Nun so sei verflucht!" erwiderte Blutrüssel, sprang auf, ergriff sein Branntweinglas schlug den Rand desselben an der Tischkante ab und stürzte brüllend wie ein wütender Tiger auf ihn zu.

Herta's Sohn hatte einen so ungestümen Angriff nicht erwartet. Ohne Waffe, ungeübt im Ring- und Faustkampfe, überdies von dem häufigen Genuss starken Branntweins geschwächt, vermochte er dem Anstürmen des wütend gemachten Mörders kaum zu begegnen. Er empfing rasch hinter einander mehrere empfindliche Stösse mit dem scharfen Fuss des zerbrochenen Glases und sah hände, arme und Gesicht alsbald von heissem Blute überströmt. In der Angst ergriff er zwar einen Schemel und wehrte sich tapfer gegen den Blut- und Rachedurstigen. Auch rief er mehrmals laut schreiend um Hilfe. Wenn aber auch Jemand in der Nähe gewesen wäre, den wimmernden Ruf würde er kaum gehört haben, da das Rauschen der Maschine im Erdgeschoss und das dumpfe Gesurr der Spindeln in den obern Stockwerken jeden andern laut übertäubten.

Blutrüssel, erhitzt bis zu sinnloser Wut, gewandter als sein unglücklicher Gegner und von diabolischer Mordlust erhitzt, hetzte unter wildem