endlich."
"Diese Bekenntnisse machen Ihnen als Mensch und Bruder viel Ehre. Ich danke Ihnen dafür."
"Werden Sie mir Genugtuung geben, Herr am Stein?"
"Muss ich nicht?" versetzte Adrian. "Das Gericht, gegen dessen Weisheit ich nicht die geringsten Zweifel hege, hat Sie einstimmig zum Cavalier erhoben. Sie sind mein leiblicher Halbbruder, sagt man ... Ich habe Sie beleidigt, behaupten Sie ... Enfin, ich bin Ihnen Genugtuung schuldig."
Adrian lachte und begann im Zimmer, das jetzt ganz dunkel geworden war, auf und nieder zu gehen.
Martell, etwas verblüfft durch die leichtfertige, beinahe cordiale Art und Weise, wie sein Halbbruder den von ihm gemachten Antrag hinnahm, schwieg eine Weile.
"Befehlen Sie Licht, Herr Martell?" fragte der Graf, der jetzt seine ganze Sicherheit, seinen geübten gesellschaftlichen Ton ungeachtet der Aufregung, die in ihm tobte, äusserlich doch wieder gewonnen hatte. Mich dünkt, es wäre schicklicher. Feinde müssen einander auge' in Auge blicken können, wenn sie es ehrlich meinen.
Und Adrian zog mehrmals die Klingelschnur, dass die Glocke laut durch das stille Haus dröhnte.
Als der Bediente Licht gebracht hatte, blieb Adrian vor seinem Halbbruder stehen.
"Beliebt es, Herr Martell, so können wir unsere Angelegenheit vollends beendigen," sagte er. "Sie haben zu bestimmen, in welcher Weise das, was Sie Genugtuung nennen, stattfinden soll. Lassen Sie hören."
"Sie werden sich mit mir schlagen."
"Ich muss bemerken, mein Herr," versetzte Adrian sehr höflich, "dass dies abermals zu den unnötigen Aeusserungen gehört, auf denen ich Sie schon einigemale ertappt habe. Man schlägt sich immer, wenn man Genugtuung fordert! Es handelt sich jetzt um Ort, Zeit und Waffen."
Martell schwieg eine lange Weile, dann richtete er sein schwarzes Auge durchbohrend auf den Halbbruder und erwiderte:
"Obgleich mein Haus sehr schnell bestellt sein wird, da ich zur Zeit nichts besitze, habe ich dennoch mancherlei Anordnungen zu treffen, die mich aufhalten können. Deshalb wünsche ich, dass unser Zusammentreffen morgen um Mitternacht stattfinde."
"Um Mitternacht? Wir werden dann auf gut Glück wie Blinde mit einander kämpfen! Fürchten Sie etwa das Tageslicht oder schreckt Sie die blanke Waffe die drohende Oeffnung einer geladenen Pistole?"
Martell verfärbte sich, doch blieb er gelassen und antwortete ruhig:
"Das Zusammentreffen selbst wird Ihnen beweisen, dass ich keine Furcht kenne! Uebrigens soll es an dem erforderlichen Licht nicht fehlen."
"Nun so sei es! Und der Ort, wenn ich fragen darf?"
"Der Saal in der Fabrik, wo ich unter Kummer, sorge und Angst Ihnen arbeitete, damit Sie ein reicher Mann werden konnten."
"Sie haben seltsame Gelüste, mein Herr! Indess, wenn man sich auf Tod und Leben schlägt, kommt es nicht auf den Ort an, wo man zum letzten Mal sein Auge schliesst. Ich bin also auch damit einverstanden."
"Um nicht gestört zu sein, werde ich Herrn Vollbrecht beauftragen, in dieser Nacht die Arbeiter jenes Saales zu beurlauben."
"Es sei! – Nun aber die Waffen. – Vermutlich verstehen Sie den Degen nicht zu führen und wünschen deshalb Pistolen?"
"Nein, Herr am Stein! Weder Degen noch Pistolen vermögen mir Genugtuung zu verschaffen, das vermag einzig und allein Gott, der als Zeuge unserm gerechten Kampfe beiwohnen wird!"
"Ah, jetzt verstehe ich," sagte Adrian mit verächtlichem Zucken der Lippen. "Sie haben es auf einen Faustkampf, auf eine Rauferei abgesehen, und weil Sie in solchen Fechterkünsten natürlich sehr geübt sein müssen als geborener und erzogener Proletarier, so hoffen Sie mich auf die leichteste Weise besiegen und zum Krüppel schlagen zu können! – Sie sind sehr grossmütig, mein Herr, indess mein Grafenwort darauf, zu solcher Gemeinheit reiche ich Ihnen nicht die Hand."
Martell schoss das Blut ins Gesicht. Den Grafen verächtlich anblickend erwiderte der Spinner:
"Stünden Sie auf meinem platz, Herr am Stein, dann würden Sie vielleicht dies Auskunstsmittel ergriffen haben, ich, bei Gott dem Herrn sei es geschworen, ich habe nie daran gedacht! Nur Gleichheit der Waffen wünsche, fordere ich, und da ich nun weder ein Fechter noch ein Schütze bin, weil die Not des Lebens mir keine Zeit zu Spiel und Lust gestattete, so verwerfe ich auch diese Waffen. – Herr am Stein, wir werden uns schlagen, ohne dass Einer die Hand gegen den Andern erhebt! Es würde dies Brüdern übel anstehen, und ich meines Teils mag das Kainszeichen nicht auf der Stirn mit mir herumtragen!"
Adrian setzte sich und sah den Spinner halb erstaunt, halb ungläubig an. Der Gedanke, Martell möge in Folge des genossenen Giftes an seinem verstand gelitten haben, gewann bei ihm die Oberhand.
"Das ist Alles recht schön, Herr Martell," entgegnete er, "und zeugt von einem ungewöhnlich zarten Schicklichkeitsgefühl, allein, da es auf Ihr eigenes Verlangen zwischen uns denn doch zum Blutvergiessen kommen soll, so erklären Sie sich jetzt gefälligst, wie wir dies zu bewerkstelligen haben!"
"Ihr Blut, Herr am Stein, habe ich nie gewollt," sagte Martell mit stolzer, eiserner Ruhe, "nur Genugtuung für alle mir und den Meinigen zugefügten Beleidigungen und Qualen, nur Abrechnung für das,