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Bianca kniete vor Adrian nieder, der noch ihre Hand gefasst hielt, und liess einen jener schmelzenden, seelenbezaubernden Blicke auf ihn fallen, über welche die Sirene nach Belieben verfügen konnte.
"Was könnte Ihnen unmöglich sein, entzückendes Kind!" erwiderte der Graf. "Ich glaube, Sie können tote erwecken und Verdammte selig machen!"
"O nein, so umfassend ist meine Macht nicht," versetzte die Schöne lächelnd und die Liebkosungen ihres Gebieters ohne Sträuben duldend, was sie bisher noch nie getan hatte. "Höchstens vermag ich Kranke zu heilen und mürrischen Trotzköpfen ein freundliches Lächeln abzugewinnen. Begeben Sie sich unter meine herrschaft, und Sie werden der heiterste Mensch werden!"
"O Bianca, habe ich das nicht immer gewünscht? Aber Du wiesest mich ja von Dir!"
"Die Kriegskunst haben Sie nicht studirt, das sieht man!" sagte mit schalkhaftem Lächeln die verführerische Kokette, und legte ihr duftendes Lockenhaupt auf seinen Schooss. Adrian küsste wiederholt die weichen glänzenden Haare und die Glut der leidenschaft, die ihm Bianca eingeflösst hatte, gab sich in dem Zittern seiner hände kund, die an den Wangen der Schönen ruhten.
"Wollen Sie mich glücklich, mich ruhig machen?"
"Sie wissen es ja!"
"Dann reichen Sie mir Ihre schöne Hand und werden meine treue, verschwiegene Bundesgenossin!"
"Recht gern, Herr Graf, doch bloss unter der Bedingung, dass Sie keinen offenen Krieg gegen Ihre Feinde beginnen wollen. Wir Mädchen, wissen Sie, haben vor allen Arten von Waffen eine unwiderstehliche Furcht."
"Ich suche eine Bundesgenossin, die sich auszeichnet durch Treue, Verschwiegenheit und List. Sollte ich mich irren, wenn ich diese drei Vorzüge Ihnen zutraute?"
"Es käme auf die probe an."
"Und wenn Sie diese probe nicht beständen?"
"Nun was dann?"
"Dann würden Sie mich vielleicht unglücklich machen und sich selbst schwerer Verfolgung aussetzen."
"Auf diese Gefahr hin hätte ich beinahe Lust, den Versuch zu wagen."
"Im Ernst, Bianca?"
"Im vollen Ernst! Hier meine Hand!"
"Engel! Retterin! Göttin meines Lebens!" rief Adrian, das noch immer vor ihm knieende Mädchen zu sich emporziehend, mit leidenschaftlicher Glut umarmend und es wiederholt an sein Herz drückend.
"Nicht so ungestüm, Lieber!" flehte Bianca, ihrerseits eine schmachtende, verschämte Hingebung heuchelnd, die den Grafen vollends in seinem Vorsatze bestärkte und jede Vorsicht bei Seite setzen liess. Sie blieb aus seinem Schoosse sitzen, das Gesicht an seine Brust gedrückt, den rechten, halb entblösten Arm lose um seinen Nacken geschlungen.
"Habe wohl Acht aus das, was ich Dir jetzt sage," flüsterte Adrian, bald die linke weiche Hand der Schönen an seine Lippen drückend, bald einen Kuss auf ihre klare Stirn hauchend. "Sahst Du die beiden wüsten, verwilderten Männer, die mein Bruder Aurel vor einigen Tagen in Banden hierher brachte?"
Bei dem Namen "Aurel" erbebte Bianca unmerklich. Ohne auszublicken, gab sie dem Grafen durch einen Händedruck ihre Mitwissenschaft zu erkennen.
"In wenigen Tagen wird man die Elenden verhören," fuhr Adrian fort. "Ich weiss, dass sie mich verläumdet, dass sie mich bei Aurel und dem Maulwurffänger angeschwärzt haben, um ihre verbrecherischen Handlungen zu bemänteln. Eine Klage steht bevor, wenn sie ihre Aussagen frech zu Protocoll erklären und eine endlose, meinen Namen befleckende Untersuchung wird die besten Jahre meines Lebens vergiften. Dem muss man zuvorkommen, dem müssen und können wir vereint steuern!"
"Wie?" fragte Bianca und erhob ihren Kopf, das dunkelflammende Auge fragend und neugierig auf den Grafen heftend. "Wie stünde das in unserer, namentlich in meiner Macht? Ich weiss ja von nichts, ich kann nicht einmal Zeuge sein!"
"Kleine Törin, wie du Dich einfältig stellst! Hörst Du nicht, dass es gar nicht bis zum Verhör kommen darf, wenn ich nicht compromittirt werden soll?"
"Also?"
"Sie müssen beseitigt, heimlich entlassen werden!"
"Man soll ihnen demnach zur Flucht behilflich sein?"
"Dass ist mein Plan, indess –"
"Indess?" erwiderte Bianca, strich sich die ausgegangenen Locken zurück und legte beide hände auf ihren Busen.
"Der Vorsicht wegen müsste noch etwas Anderes geschehen –"
"Etwas Anderes! Und worin soll dies bestehen?"
"Wozu mir die kluge, schlaue, treue und verschwiegene Bundesgenossin, deren Wort ich besitze, behilflich sein wird!"
Bianca neigte ernst und schweigend den Kopf und entschlüpfte dem Schoosse des Grafen. Adrian ergriff ihre Hand.
"Schelmen, wie es jene beiden sind, ist nie zu trauen. Lässt man sie also entfliehen, so können sie mir immer noch einen Streich spielen, denn es sind von Grund aus verworfene und dem Henker anheim gefallene Menschen. Jedes Gericht muss sie zum tod verurteilen, den sie mehr als ein Mal verdient haben. Es wäre deshalb ein Verdienst, sie unschädlich zu machen – sie unmerklich, ohne vorhergegangene langweilige Untersuchung – sterben zu lassen! Wer dazu die Hand reichte, würde sich verdient machen um Staat und Gesellschaft!"
"Bitte, sprechen Sie weiter!" lispelte Bianca.
"Ich bin entschlossen, mir dieses Verdienst zu erwerben, allein ich bedarf eines Gehilfen, der mich versteht, der mich dabei unterstützt und – verschwiegen