"Wie heute? Hu! ... dann ging's ... schlecht! – Ich brenne und ... erfriere zu gleicher Zeit! ... O, das ist ... grässlich!"
Martell warf sich an die Erde und wälzte sich convulsivisch auf dem Boden.
"Er macht's aus," flüsterte Klütken-Hannes seinem verbrecherischen Genossen zu. "Morgen, stellt uns der Teufel kein Bein, können wir unser Geld einstreichen und fröhlich von dannen ziehen!"
"Noch nicht! – Er wird schon wieder ruhig."
"Sieh, wie er zuckt! – Das ist der Todeskampf!"
"Lassen wir ihn liegen? – Das Vieh mag ohne uns himmeln."
"Und wenn er wieder zu sich kommt?"
"Hol' ihn die Pest, oder – mein Messer hilft dem Pulver nach! ... Ich bin es überdrüssig, mich länger mit der wildtrotzigen Fratze herum zu martern!"
"Wer heisst Dir's? Du kannst gehen, wenn's Dir nicht gefällt. Bist mir ohnehin nur im Wege."
"So lange es mir gefällt!" grinste der Mörder. "Will ich mein altes Handwerk wieder aufnehmen, so hast Du am längsten wasser geschluckt! – Na, sei ruhig Freund! Ich erinnere Dich bloss, wenn Du die Pflichten der Dankbarkeit im Unmut hintansetzen willst. Wir bleiben Freunde, denke' ich, bis uns beim lustigsten Trunk der Teufel selbander holt."
Klütken-Hannes musste notgedrungen die dargereichte Hand des Entsetzlichen annehmen. Beide Verworfene schüttelten sich die verbrecherischen hände und gelobten sich unter grässlichen Eidschwüren auf's Neue unverbrüchliche Treue. Inzwischen raffte sich Martell doch wieder auf. Nach den erschütternden Krämpfen schien ihm die angeborene Riesenkraft zurückzukehren. Er stand vom Boden auf ohne Beihilfe, schüttelte mehrmals sein lockiges Haupt und forderte dann die beiden Andern barsch zum Aufbruche auf. Diese zeigten sich willig und nachdem Klütken-Hannes das Licht behutsam ausgelöscht und die Ueberreste des Branntweins in einem Verschlage verborgen hatte, entriegelte er die Tür und trat, Martells Hand in der seinigen haltend, in die finstere Nacht hinaus. Ihm auf dem fuss folgte, einem unheimlichen Schatten gleich, der Mörder von Herta's Vater. –
Mit angehaltenem Atem hatte Gilbert diesem Gespräch zugehört und daraus den abscheulichen Anschlag auf Martells Leben entnommen. Er konnte keinen Augenblick zweifeln, dass Adrian der Anstifter dieser Schändlichkeit sei, dass hier ein Bruder seinen Bruder auf Befehl eines dritten Bruders meuchlings morden solle, vielleicht schon gemordet hatte; denn wer konnte wissen, ob die Riesennatur Martells der Gewalt des genossenen Gistes widerstehen oder erliegen werde!
Da es töricht gewesen wäre, den beiden heimtükkischen Mördern den Weg vertreten zu wollen, so hielt sich Gilbert bei ihrem Aufbruche aus der Torfhütte ganz ruhig. Er liess sie eine Strecke vorausgehen, bis sich die rauhen Stimmen der laut Sprechenden im Dickicht des Waldes verloren. Dann folgte er ihrer Spur und traf fast zu gleicher Zeit mit ihnen im Arbeiterdorfe ein.
In seiner wohnung angekommen, überlegte der heftig erschütterte Jüngling, was jetzt zu tun sei, um wo möglich Martell noch zu retten, die gedungenen Mörder unschädlich zu machen und den Anstifter des Verbrechens der gerechten Strafe zu überliefern. Ein schneller und energischer Entschluss war nötig, denn schon übermorgen sollte der nichts Böses Ahnende im Rausche vollends umgebracht werden! –
Allein und auf seine Verantwortung hin mochte er nicht handeln. Deshalb schrieb er wenige dringende Zeilen an Aurel, worin er ihm meldete, dass er Entdekkungen von der grössten Wichtigkeit gemacht habe. Der Kapitän möge daher unmittelbar nach Empfang dieser Zeilen nach Boberstein aufbrechen und wo möglich den Maulwurffänger mitbringen!
Dann weckte er Vollbrecht, bat diesen inständigst, er möge ihm einen zuverlässigen Boten nennen, dem die Besorgung eines wichtigen Briefes anzuvertrauen sei, und beruhigte sich erst, als ein solcher gefunden und mit der wichtigen Meldung nach Boberstein abgeschickt worden war.
Vollbrechts fragen liess Gilbert unbeantwortet, indem er ihn auf die Vorgänge der nächsten Tage verwies.
So kam der Morgen heran, ohne dass unser junger Freund ein Auge geschlossen hatte. Um sich zu zerstreuen, eilte er in die Fabrik. Hier fand er Martell schon an der Arbeit, zitternder als gewöhnlich und mit fahlem eingefallenen Todtengesicht. Der Spinner reichte ihm die Hand; sie war heiss und trocken und ein schneller, harter Puls klopfte in den blutstrotzenden Adern. Von einem Rausche konnte man übrigens nichts bemerken, nur ein trockener Husten, ein pfeifendes Atemholen und zuweilen tiefes Stöhnen liessen den Ausbruch einer Krankheit vermuten, die bereits in den Eingeweiden des Unglücklichen wühlte.
Schon gegen Abend trafen Aurel, der Maulwurffänger und Paul Sloboda, Haideröschens jüngster Sohn, auf raschem Fuhrwerk in Boberstein ein. Gilbert war ihnen eine Strecke weges entgegen gegangen, um sie zu verhindern, in der wohnung Martells einen Besuch zu machen. Er wünschte, dass ihre Ankunft ganz verborgen bleibe. Deshalb bat er auch den Kapitän, er möchte erst im Schutz der Nacht die Insel heimlich betreten.
Aurel musste diese Vorsichtsmassregeln billigen. Die mündlichen Mitteilungen Gilberts entsetzten sowohl ihn als den Maulwurffänger und es dauerte geraume Zeit, ehe sie daran glauben konnten.
"Es wäre doch zu entsetzlich," rief der Kapitän wiederholt aus, "wenn sich alles so verhielte, wie Du behauptest! – arme Herta! Unglückliche Elwire! – Und dieser Blutrüssel –!"
"Ich täusche mich nicht, Kapitän! Die Nacht in der Mohrentaverne ist