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"Nun, Gott der Rache, sende mir Deine schrecklichen Engel, dass ich ihn züchtigen mag, wie er es verdient hat!"
Und mit dem süssesten, verführerischsten Lächeln verschämter Liebe trat sie in Adrians Zimmer. –
Der Herr am Stein war sehr zufrieden mit seiner jungen schönen Haushälterin. Bianca war fleissig, sorgsam, accurat und die Aufmerksamkeit selbst. Besser war Adrian nie bedient worden, delicater hatte er nie gespeist. Und was ihm besonders gefiel, war, dass Bianca selbst die Stelle eines Dieners versah und ihm eigenhändig die speisen reichte. Dabei erschien sie täglich in geschmackvoller Kleidung, immer einfach und immer reizend.
Zwar bat Adrian das schöne Mädchen, es möge die Aufwartung seinen Bedienten überlassen und teil nehmen an seinem Mahle; wie dringend er aber auch bat, Bianca liess sich nicht dazu bewegen. Sie wisse gar wohl, was ihr zukomme, behauptete sie mit dem allerschelmischsten blick ihrer leidenschaftlichen Augen, und wenn der gnädige Herr nur zufrieden sei mit ihren Leistungen, so würde sie mit dem grössten Vergnügen als Dienerin ihm während der Mahlzeit Gesellschaft leisten. –
Von diesem Entschlusse war Bianca nicht abzubringen, so grosse Mühe sich Adrian auch gab. Sie legte ihm vor, wenn er es wünschte, sie setzte sich auch auf Verlangen neben ihn und unterhielt ihn munter plaudernd mit allerliebsten Geschichten. Dabei benahm sie sich so unbefangen, wie ein unschuldiges Kind von funfzehn Jahren. Sie streifte mit ihren warmen blossen, runden Schultern beim Darreichen einer Schüssel Adrians Wangen, dass der sinnlich erregte Mann von der elektrischen Berührung des schönen Mädchens zitterte, oder sie beugte sich mit zur Seite geneigtem Kopf zu ihm herab, mit Mund und Augen zugleich eine Frage an ihn richtend, wobei der arme Mann notwendig seine Blicke auf den weissen klopfenden Busen der schlauen Verführerin richten musste, der die zarten Bande, die ihn gefesselt hielten, zu sprengen drohte.
Schon beim ersten Besuche Bianca's war Adrian in das Netz dieses unendlich verführerischen Geschöpfes geraten, wie wir wissen. Das heitere, verschämte, naive Mädchen hatte ihn so gefesselt, dass er bei sich beschloss, ihr nach Beendigung des Prozesses seine Hand zu reichen. Dass Bianca einen solchen ihr gemachten Antrag ausschlagen könne, daran dachte er nicht. Er selbst glaubte sich noch rüstig und liebenswürdig genug, um einem schönen Mädchen ohne Namen und Vermögen Liebe einflössen zu können. Auch verlangte er nicht Unmögliches oder nur Seltenes. Eine stille Neigung, ein freundliches Anschmiegen, ein aufmerksames Eingehen auf seine Wünsche zog er in jeder Hinsicht aufreibender Leidenschaftlichkeit und quälender argwöhnischer Eifersucht vor, womit liebende Mädchen so gern den leidenschaftlich geliebten Mann peinigen. Leider aber passirte Adrian bei aller Verstandeskälte im Umgange mit Bianca selbst das Unglück, dass er sich mit aller leidenschaft, deren die Sinne fähig sind, in seine jugendliche Haushälterin verliebte. Und Bianca, das schuldlose Kind, merkte gar nichts von dem Unglück, das sie angerichtet hatte! Immer lächelnd, immer guter Laune, täglich in reizenderem Costüme umschwebte die schalkhafte Sirene den stolzen Fabrikherrn und gab auf all seine fragen die scherzhaftesten Antworten; errötete, wenn er ziemlich verständlich auf die Gefühle anspielte, die sie in ihm erregte, und wehrte schüchtern, aber standhaft jede vertrauliche Liebkosung ab mit der ernstaften Bemerkung, dergleichen schicke sich nicht! – Gleich darauf war sie aber schon wieder die alte verführerische Fee, die mit geübter Kunst und diabolischer Sicherheit ihre tödtlich treffenden Liebespfeile auf das unbewachte Herz ihres unglücklichen Opfers abschoss.
Durch dieses schlaue Betragen erreichte Bianca in unglaublich kurzer Zeit ihren Zweck. Es war wohlüberdachter Plan bei ihr, den Verführer und Mörder ihrer armen Schwester bis zum Wahnsinn in sich verliebt zu machen, ohne die geringste Hoffnung auf Gegenliebe in ihm aufkommen zu lassen. Sie wusste im Voraus, dass ihr dies vollkommen gelingen würde, und deshalb rüstete sie sich mit dem ganzen Scharfsinn weiblicher List aus, um Schritt vor Schritt langsam und sicher ihr Opfer zu umgarnen.
Adrian widerstand Bianca's meisterhaft geheuchelter Zärtlichkeit, die jedoch immer die Zärtlichkeit eines schuldlosen Kindes von höchster Anmut blieb, nicht einen Tag, er widerstand ihr um so weniger, als er das reizende Mädchen zu seiner Gattin erheben und durch Freundlichkeit sich ihm geneigt machen wollte. Darum überhäufte er sie schnell mit kostbaren Geschenken und liess sie ahnen, was er für sie fühlte. Ihr scheues Zurückschrecken bei solchen Andeutungen war ihm freilich nicht angenehm, da es ein längeres Bewerben in Aussicht stellte. Täglich, oft stündlich von Bianca bis zu dem höchsten Gipfel sinnlicher Erregung gereizt, berührt von ihren vollen Armen, gestreichelt von ihren Händen, den süssen Atem ihres Mundes auf seinen Lippen fühlend, überall von ihr unrschwebt, geriet Adrian in einen fieberhaft exaltirten Zustand, der ihn leiblich und geistig verzehrte und schnell aufzureiben drohte. Er verfiel zusehends, seine Augen sanken zurück in ihre braunen Höhlen, in denen sie wie gefesselte Tiger lagen und grollend unheimliche Glutblicke auf Jeden warfen, der ihm nahte.
Am Tage war dieser Zustand noch zu ertragen, denn dann weidete sich der unglückliche Liebende an seiner grausamen Zauberin, aber des Nachts erreichte die Pein der rasenden leidenschaft, die sich seiner bemächtigt hatte, die grösste Höhe irdischer Folterqualen. Adrian fiel in einen traumdurchrasten Schlaf, der ihm in tausend bunten Gestalten immer und immer Bianca's liebreizende Gestalt vorführte, und zwar in so lockender Schöne, dass ein Verschwinden dieses lächelnd an ihn heranschwebenden Bildes dem furchtbarsten Seelenschmerz gleichkan. Und doch wiederholte sich dieser höllische Zauber unzählige Male immer von Neuem in jeder