Sonderling, hört man sagen, und das muss wohl auch sein, sonst würde er nicht sein zierliches Haus verlassen und in solch einer Hütte einen schlechten Schnaps trinken!"
Jussuff warf dem Maulwurffänger einen lauernden blick zu, dieser liess sich aber nicht im geringsten dadurch stören, sondern versetzte ganz gelassen: "Wir begegneten ihm eine halbe Stunde von hier. Er musste es sehr eilig haben, denn er jagte verteufelt wild in den Wald hinein! Vermutlich waren ihm die lustigen Säufer ein Greuel, die jetzt wieder anfangen, einen Höllenspektakel zu verführen. Da Ihr behauptet, sie wären streit- und zanksüchtig, und wir beiden Alten grade nicht von der herzhaftesten Menschensorte sind, so wollen wir doch wieder aufbrechen. Was macht die Zeche?"
Froh, die unwillkommenen Gäste so bald los zu werden, forderte Jussuff eine sehr geringe Summe. Während Sloboda einen kleinen Lederbeutel zog und bezahlte, stiess der Maulwurffänger die Tür auf. In demselben Augenblicke prallte schief über eine zweite starke Brettertür auf und taumelnd wankten unter lachen und Fluchen die unheimlichen Gäste Jussuffs an ihm vorüber. Es war zu dunkel, um die Gesichtszüge der Trunkenen erkennen zu können, Pink-Heinrich erhaschte daher nur einen unklaren Schattenriss von ihnen, der indess vollkommen genügte, ihm die überzeugung beizubringen, dass diese unheimlich wüsten Menschen in irgend einer Verbindung mit Adrian stehen müssten, welche seinen Freunden verderblich werden solle.
"Duldet es Herr am Stein, dass Ihr solchen wüsten Gesellen Obdacht gebt?" fragte er Jussuff. Dieser stotterte und wusste nicht, was er antworten sollte.
"Da könnt' ich Euch schön in die Patsche bringen," setzte Pink-Heinrich lachend hinzu, "wenn ich ein schlechter Kerl sein wollte. Ich kenne Herrn am Stein; ging' ich nun zu ihm und verriet es, dass Ihr arges Spitzbubengesindel beherbergt, so setzt' er Euch gewiss aus dem Pacht, denn 's ist ein gestrenger Herr, wenn er gereizt wird."
"Still doch, still!" raunte ihm Jussuff vertraulich zu. "Er weiss es ja, dass die Schelme da saufen und fressen, aber er will nicht, dass die Schälke seinen Namen erfahren! Nun Ihr versteht mich doch, Alter? Reinen Mund, ich bitte!"
"Das ändert die Sache," erwiderte munter lachend der Maulwurffänger. "Ich bin kein Spassverderber, und grosse Herren, ich weiss, haben zuweilen auch ihre schwachen Stunden! Gott behüt' Euch und gute Einkehr!"
"Jetzt müssen wir auf unsrer Hut sein, Freund Jan," sprach der Maulwurffänger sehr ernst zu seinem Begleiter, als der Schlitten wieder einsam unter den schneebehangenen Tannen fortglitt. Die beiden Kerle, deren Fratzen ich leider nicht gesehen habe, führen sicher nichts Gutes im Schilde, und ich will keinen Maulwurf mehr fangen, wenn Adrian sie nicht besoldet!
Sloboda teilte die Meinung seines Freundes, doch hielt er es für klug, sich zu stellen, als wisse man nichts. Deshalb schlug er auch vor, ihren Freunden diese zufällig gemachte Entdeckung vorläufig noch ganz zu verschweigen, damit, wenn Adrian wirklich etwas Unerlaubtes oder gar Verbrecherisches beabsichtigen sollte, die versuchte Tat laut gegen ihn zeuge und ihn unrettbar ins Verderben stürze. –
Sehr früh am Morgen dieses Tages, zum teil auch schon am Abend zuvor war von den gewöhnlichen Colporteuren und Herumträgern das Wochenblatt mit dem Aufruf in vielen Ortschaften ausgegeben worden. Man kann annehmen, dass, sei's aus übertriebener Sparsamkeit, die namentlich für gedrucktes Papier nicht gern Geld ausgibt, sei's aus Mangel an klingender Münze, die meisten Ortschaften, selbst wenn sie stark bevölkert sind, sich mit drei bis vier Exemplaren eines derartigen Blattes begnügen. Obwohl jede einzelne Nummer mit höchstens sechs Pfennigen vom Herumträger gekauft wird, treten doch immer zwanzig und noch mehr Familien zusammen, um e i n Exemplar gemeinschaftlich zu bezahlen, bei denen es dann Reih' umgeht und oft erst nach mehreren Tagen in die hände des Letzten fällt. Der jedesmalige Käufer hat allemal das Recht, es zuerst zu lesen. –
Auch in den Haidedörfern war diese Sitte, Geld zu sparen, allgemein verbreitet. Der Maulwurffänger, dem solche Kleinigkeiten, auf die so leicht Niemand achtet, niemals entgingen, und der in wohlhabenderen Ortschaften auch häufig über gräuliche Knauserei spottete, hatte dies wohl in überlegung gezogen. blieb man dem Herkommen treu, so konnten Tage vergehen, ohne dass irgend Jemand den Aufruf sah und las, denn leider hielt man zwar das Blättchen, sah aber nicht hinein! Es musste daher das achtlose, stumpfsinnige Volk gleichsam mit Gewalt zu Ansicht des Wochenblattes gezwungen werden. Dies konnte nur durch unentgeltliche Verteilung und durch besonderen Hinweis auf etwas Beherzigenswertes, das darin entalten sei, geschehen, und darum ergriff unser Freund dies sicherste und kürzeste Mittel.
Während er die in der Nähe Bobersteins und des Zeiselhofes gelegenen Dörfer, Höfe und Vorwerke den Landboten überliess, durchstrich er selbst mit Sloboda die fern gelegenen Orte in der Haide auf flüchtigem Schlitten. Sie hatten einen weiten Weg zu machen, so dass es schon dunkelte, als sie ermüdet und durchfroren dem dorf am See sich wieder näherten. Hier gedachten sie zu übernachten und am andern Morgen nach B. aufzubrechen, um dort in der Behausung des Maulwurffängers die Folgen des Aufrufes gelassen abzuwarten. –
über den Schornsteinen der Fabrik lag eine breite Schicht schwarzen Rauches, als sie aus dem Hochwald in die niedrige Haide kamen, wo vor zwei und vierzig Jahren