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Maja Pisom genannt. Wie es nun häufig zu gehen pflegt, dass der Suchende wirklich zu finden glaubt, so meinte auch Pink-Heinrich, das Mädchen sei ihm gleich damals durch eine Aehnlichkeit aufgefallen, wozu er das Original lange in seinem Gedächtniss vergeblich gesucht habe, nun aber stehe dasselbe lebhaft vor seiner Seele und er wolle darauf einen körperlichen Eid ablegen, dass jene Maja dem verstorbenen Haideröschen in Haltung und Gesichtsbildung sehr ähnlich gewesen sei.

Alle Nachfragen blieben jedoch ohne Erfolg. Die gegenwärtigen Bewohner des Ortes waren zum teil nicht einheimisch daselbst, sondern vor wenigen Jahren erst aus andern Haideorten hergezogen. Von jener Maja wusste Niemand etwas.

Unter diesen Umständen blieb den Suchenden nichts weiter übrig, als ein öffentlicher Aufruf in den gelesensten Blättern. Dies sind für den Bauer und Landmann die Wochenblätter und amtlichen Anzeiger kleiner Städtchen, weshalb der Maulwurffänger nur diese als geeignet für den zu erreichenden Zweck vorschlug. Er selbst sorgte für zahlreiche Verbreitung derselben in allen Haidedörfern, indem er die Colporteure und Herumträger dieser Blättchen anwies, sie in den meisten Häusern unentgeltlich abzugeben. Man hatte den Drucker freigebig bezahlt und eine grössere Auflage als gewöhnlich davon abziehen lassen. Wo Pink-Heinrich am ehesten die Gesuchte zu finden oder doch eine Spur von ihr entdecken zu können glaubte, da eilte er in seinem Rennschlitten von Sloboda begleitet überall selbst hin, verteilte die Blätter und suchte die Aufmerksamkeit und Teilnahme des armen volkes zu erwecken. Von einem dieser Streifzüge zurückkehrend, begegnete er dem Grafen, dessen seltsame Liebhaberei, auf ungebahnten Pfaden so früh am Tage die Haide zu durchstreifen, ihm auch verdächtig vorkam.

Kaum war daher Adrians rascher Schlitten hinter den beschneiten Stämmen verschwunden, so liess der Maulwurffänger halten.

"Was runzelst Du die Stirn?" fragte ihn der Pferdelenkende Sloboda.

"Freund Jan, lass uns umkehren!" versetzte PinkHeinrich. "Die Spazierfahrt des Herrn am Stein hat was zu bedeuten, ich wette! Er ist viel zu verweichlicht, als dass er um nichts und wieder nichts seine gesteppten Seidenmatratzen von sich würfe und bei solchem Frost mutterseelen allein in die tiefste Haide führe! Es hat das einen Grund und zwar einen gewichtigen! Komm also, Alter, lass uns seiner Fährte folgen und nachspüren, woher er kommt, wo er gewesen ist."

Dies war eine leichte Aufgabe. Der gefrorene Schnee zeigte sehr deutlich die Geleise des Schlittens, so dass unsere beiden wackern Alten ohne Mühe bis vor die Tür der Köhlerschenke im Schutze des Raubhauses gelangten.

"Also hier hat der Herr Graf gefrühstückt?" sagte der Maulwurffänger lächelnd. "Das sieht ja beinahe aus wie ein Wink des Schicksals! Wie wäre es, Jan, wenn wir die Ueberreste des hochgräflichen Frühstücks kosteten? Ich verspüre meiner Six Hunger, und der Schornstein der verräucherten Bude dampft gar so einladend."

Sloboda hielt die Pferde an und alsbald sassen die Freunde in Jussuff's Schenkstube, tranken gemeinschaftlich ein Glas Branntwein und liessen sich frisches Schwarzbrod mit geräuchertem Speck vortrefflich schmecken. Während dieses Morgenimbisses vernahmen sie manchmal wie aus dem wald hereinschallend ein heiseres lachen, dem das Klirren zusammengestossener Gläser folgte. Pink-Heinrich winkte dem Wenden heimlich und wandte sich an Jussuff.

"Bei Euch geht's wohl um?" fragte er, sich Feuer anschlagend. "Ich hab' immer gehört, beim Raubhause sollt' es nicht geheuer sein. Es ist viel Blut hier herum vergossen worden in alten zeiten."

"So lange ich hier schenke, ist mir nichts vorgekommen, alter Vater! Woher des Landes?"

"Aus dem Gefilde, mein Lieber! Aber ich bitte' Euch, steckt mir ein büchen' Spänl an, sonst muss ich pinken bis zu Lichtmess. Der Schwamm hat angezogen in der kalten Luft."

"Es hat wohl nicht viel Einkehr?" sagte Sloboda, während Jussuff einen lichterloh brenneden handbreiten Buchenspan dem Maulwurffänger brachte, womit dieser in grösster Seelenruh seine Maserpfeife anzündete.

"Je nun, gar stark geht's freilich nicht bei so hartem Frost. Ab und zu verlaufen sich doch ein paar Strolche im wald, und die lassen dann 'was mehr aufgehen, als unsere gar zu genauen Köhler und Torfgräber."

"Gelt, Ihr habt ein paar solche Goldfinken grade heute irgendwo eingesperrt, damit sie Euch nicht davon fliegen?"

"Pst!" erwiderte Jussuff erschrocken auf diese lächelnd getane Frage des Maulwurffängers, denn er besorgte irgend ein Unglück, wenn diese beiden so würdig aussehenden Männer mit jenen verruchten wüsten Säufern zusammenkämen, über deren Verkehr mit seinem Gebieter er sich schon gewaltig den Kopf zerbrochen hatte. "Pst! Es sind ein paar Betrunkene, die mir Alles in Grund und Boden schlagen, wenn ich sie aus ihrer Klause herauslasse! Sie haben einiges Geld bei sichGott mag wissen, ob's ehrlich erworben ist! – und spielen's einander jetzt bei der Flasche ab. 's Liegt mir weiss Gott nichts an solchem Besuch, aber Ihr wisst's ja, ein armer Schenkhalter muss halt die Groschen mitnehmen, wo er sie findet! Ist die Zeit um, will der Pacht auch bezahlt sein, und da wird keine Rücksicht genommen auf einen verkrüppelten Mann!"

"Wem seid ihr denn untertänig?"

"Dem reichen Herrn am Stein, eigentlich Herrn Adrian Grafen von Boberstein, aber er hat's nicht gern, wenn ihn ein armer Mann so nennt, dass es die Leute hören."

"'s Ist ein