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Klütken-Hannes streckte tölpisch seine ekelhafte Rechte dem Grafen entgegen, welche dieser mit einiger Scheu leis drückte. Dann setzte er sich dem Trödler gegenüber auf demselben Schemel, den Abends vorher der Räuber und Mörder eingenommen hatte.
"Können Sie schweigen, Herr Klütken, wenn man Sie gut dafür bezahlt?"
"Wie das Grab!"
"Auch wenn Sie – durch den Genuss geistiger Getränke in heitere Laune versetzt werden?"
"Dann knüpfe ich mir einen Knoten ins Gedächtniss und über den kommt kein geheimnis und wär's ein Vatermord!"
"Sie sind gegenwärtig ohne Beschäftigung, Ihr eigener Herr?"
"Mein Geschäft ist gut essen und trinken, nichts weiter!"
"Sie würden also gern und mit Eifer ein Geschäft für mich ausführen, immer vorausgesetzt, dass man Sie reich dafür bezahlt?"
"Bin nicht heikel, mein sehr verehrter Herr. Was es auch sei, für Geld tu' ich Alles."
"Demnach würden Sie auch Verrat üben für Geld?"
"Verrat? Vielleicht, wenn man mich königlich belohnte."
Bei dieser Wendung des seltsamen Gesprächs zeigten sich die Augen Blutrüssels, den Jussuff in einen Verschlag neben der kammer geführt hatte, an einem zersprungenen Kieferbrett. Stier und blutgierig funkelnd hafteten sie auf der vornehmen Gestalt des Grafen.
"Sie haben dies nicht zu befürchten, Herr Klütken," erwiderte Adrian lächelnd auf diese Bemerkung. "Ich betrachte Sie vorläufig als in meine Dienste getreten, und da ich weder ein König noch ein Fürst bin, sondern bloss ein vermögender Mann, der von zahllosen Feinden umringt ist und schmachvoll verfolgt wird, so bin ich im Begriff, Sie mit Ueberwachung derer, die ich Ihnen als meine erbittertsten Feinde bezeichnen werde, zu beauftragen. Dünkt Ihnen dies ein Amt, das Ihre Kräfte übersteigen wird?"
"Ich halte mich dessen im Gegenteil vollkommen gewachsen."
"Zur Bestreitung aller dabei vorkommenden nötigen Ausgaben, etwaiger Reisen, Traktamente usw. biete ich Ihnen einen monatlichen Gehalt von zwei hundert Talern an. Glauben Sie damit zu reichen?"
"Zwei hundert Taler!" murmelte mit schlecht verborgener Freude, welche dem Grafen nicht entging, der überraschte Trödler. "Ich – ich will es – wenigstens damit versuchen. Geht es nicht –"
"So erhalten Sie Zuschuss, das versteht sich! Wir sind also einig?"
"Vollkommen, vollkommen!" sagte Klütken-Hannes sehr eilig. "Aber das Geschäft?"
Adrian kehrte sich um und liess seine scharfen Blikke rund um die Bretterwände laufen. Blutrüssels glotzende Augen verschwanden an dem gespaltenen Brett. Zufrieden mit seiner Musterung wendete sich der Graf wieder zu seinem angeworbenen Helfershelfer und beugte sich über den Tisch.
"Dämpfen wir unsere Stimmen etwas," sagte er bedeutungsvoll lächelnd. "Dünne Wände pflegen Ohren zu haben, und ich möchte nicht gern, dass unser intimes Gespräch zur Kenntniss Vieler käme. – Empfangen Sie vor Allem," fuhr er flüsternd fort, indem er ein Packet aus seinem Pelze zog, die Vorausbezahlung für den ersten monat, und nun merken Sie wohl auf! Von morgen an haben Sie zu Fuss oder zu Schlitten, wie es Ihnen bequem ist, diese Haide zu durchwandern bis an den See von Boberstein. Sie erkennen ihn an der grossen Spinnfabrik, die sich inmitten desselben auf einem Felsen erhebt. Um den See zieht sich ein Dorf, in dem es ein einziges Wirtshaus gibt. Dies Wirtshaus besuchen Sie des Abends, um die daselbst einkehrenden Gäste kennen zu lernen. geben Sie Acht auf die gespräche derselben und merken Sie sich diejenigen genau, welche dem Besitzer der Fabrik alles nur denkbare Böse wünschen! Vor Allem suchen Sie mit einem schwarzhaarigen grossen und starken mann bekannt zu werden, der Martell heisst und sich einbildet, der eigentliche Besitzer der genannten Fabrik zu sein! Er trinkt gern, mitin –
"Soll er trinken auf meine Kosten, bis er sich den Verstand versäuft!"
"Sie besitzen einen bewunderungswürdigen Scharfsinn, mein Herr," fuhr Adrian mit seinem gewinnendsten Lächeln fort. "Indess ein starker, an Branntwein gewöhnter Mensch verträgt sehr viel, wie Sie wissen –"
"Teufelmässig viel, ich weiss es!"
"Es wird daher zweckmässig sein, dass man die wirkung des Getränkes zu verstärken sucht durch Anwendung eines unschädlichen Mittels, das ich Ihren Händen hiermit anvertrauen will!"
Ein zweites wohl versiegeltes Packet fiel neben Klütken-Hannes auf den Tisch. Immer flüsternd fuhr Adrian fort:
"Von dem darin entaltenen Pulver lassen Sie unvermerkt bloss einige Körnchen in jedes Viertelmass gleiten, das Martell und seine guten Freunde leeren. Die gelegenheit werden Sie wohl abzupassen verstehen, dafür bürgt mir Ihre Gewandteit und die Liebe zum Leben! Denn wohl zu merken, schöpfte man Verdacht, so könnte man sich Ihrer bemächtigen, was unangenehme Folgen für Sie haben würde! Also Vorsicht, mein Herr, Gewandteit und Ausdauer!"
"Stirbt man von diesem Pulver?" fragte KlütkenHannes gelassen, indem er eifrig daran roch.
"Man stirbt davon, wenn man viel auf einmal geniesst, man welkt aber bloss hin, wenn man zur Delicatesse nur davon kostet. Meinen Feinden in geringen Dosen, aber häufig diesen delicaten Genuss zu verschaffen, wird also die Aufgabe Ihres jetzigen Wirkens sein! drei bis vier Monate dürften hinreichen, Ihr Werk mit gutem Erfolg zu krönen! Sie haben mich doch verstanden?"
"Sehr genau, mein werter Herr! Und Sie haben