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sehr dankbar. Adrian konnte ihm blindlings vertrauen und Jussuffso hatte ihn der Graf seines gewaltigen Bartes wegen, den er nach türkischem Schnitt zu tragen pflegte, getauftJussuff freute sich, dem gnädigen Herrn gefällig sein zu können.

Vor drei Tagen hatte Jussuff in einem mehrere Stunden entfernt gelegenen Kretscham, wie Adrian ihm brieflich gemeldet, einen fremden Mann gefunden, dessen Signalement ihn nicht täuschen konnte. Nur sein widerlicher Begleiter machte ihn anfangs stutzig; da ihn jedoch der Fremde für seinen alten treuen Knecht ausgab, liess er ihn unbedenklich den mitgebrachten Bauerschlitten besteigen und brachte beide nichts weniger als freundlich aussehende Männer in seine abgelegene betretene Behausung. Als dies geschehen war, tat er Adrian vorschriftsmässig Meldung und liess es den Fremden an nichts fehlen.

"Nun, was hab' ich gesagt, alte Hyäne!" rief Klütken-Hannes seinem scheusslichen gefährten zu, als Jussuff auf sein Geheiss vier Kannen glühenden mit Zucker und Gewürz stark vermischten Branntwein den Unersättlichen ohne Widerrede in ihre wohl verwahrte Bretterkammer trug. "Heisst das nicht leben, wie im Feenmährchen? Immer Tischlein deck Dich, Krüglein füll' Dich und nichts zu tun! Das ist prächtig! Aber weisst Du was, Blutrüssel, ich glaube doch, es ist der Teufel, der uns so kannibalisch füttert! Wie?"

"Er wird Dich mästen wollen zum sechstausendsten Geburtstage seiner Grossmutter, um Dich ihr als sündengespicktes Spanferkel zum Frühstück vorzusetzen," grinste der ehemalige Räuber. "Aber was tut das! Friss nur immer zu und sauf', so lange der Magen vor Brandlöchern nicht in Stücke zerfällt. Der Teufel soll leben!"

"Und wer's mit ihm hält hier und dort!"

Beide taten einen tüchtigen Zug aus den dampfenden Krügen und schnalzten vor Wohlbehagen mit den Zungen.

"Bin doch neugierig, wie lange das Satansfest dauern wird," sagte Klütken-Hannes. "Verflucht wär's, wo wir hier in dieser Bude, in Schnee und Eis vergraben, sitzen bleiben müssten und Niemand als unser lahmer Wirt sich um uns kümmerte."

"Du hast ja noch Geld."

"Noch dreihundert Mark."

"Dann scher' ich mich um Niemand. Ich bin hier bekannt, Hannes, denn ich sitze hier auf meiner hohen Schule, und lässt man uns im Stiche, so krieche ich in die alten Gewölbe hier unter uns, suche eine alte Laterne und ein paar Dolche zusammen und schlage mich mit Dir durch Dick und Dünn bis an einen Ort, wo's uns gefällt."

"Morgen früh hat mir Jussuff vornehmen Besuch angekündigt," sagte Klütken-Hannes etwas nachdenklich. "Was würdest Du tun, wenn's nun wirklich so ein Stück vom Teufel wäre?"

"Fluchen und lästern."

"Warum?"

"Das machte ihn guter Laune, denn 's ist ja sein Geschäft."

"Schade, dass es kein Mädel hier gibt!"

"Ha Dein Töchterchen!" rief Blutrüssel zähnefletschend. "Ich sage Dir, Hundesohn, es war dumm von Dir, das blanke Ding mit dem jungen Laffen fortziehen zu lassen! Das wäre hier eine Taube für ein Teufelsgericht. Wir selbst rupften ihr die Federn aus, was?"

"Mir Alles gleich!" hohnlachte der verwilderte Klütken-Hannes. "Mädel ist Mädel, und wenn mir der Teufel immer genug Geld, satt Branntwein und fette Bissen zuwirft, so viel ich verlange, tu' ich ihm einen Gefallen, beim brennenden Höllenpfuhl! Es kann doch weiter nichts kosten, als die Seele! Die Seele aber ist Luft, blauer Dunst, siehst Du, alte Hyäne, und das hat kein Gefühl, das! Also mag es schmoren, meinetwegen zehn tausend Millionen Jahre!"

"Auf's Wohlergehen Deines Schmorbratens!" wieherte Blutrüssel, stiess an mit Klütken-Hannes und beide tranken den Höllensoff, bis ihnen die stieren Augen übergingen.

"Noch eine Kanne, Jussuff!" brüllte der Mörder Johannes', sein Herr und Meister fiel ihm aber ins Wort und sagte:

"Halt, Nimmersatt! Das Befehlen ist gegen die Abrede, weisst Du! Ich bin Gebieter, Du bist Knecht, und wenn ich will, legst Du Dich vor die Tür und bellst oder heulst auf mein Commando! Verstanden, Zähnefletscher? –"

Blutrüssel rollte seine vorstehenden Augen wie Feuerräder, ballte die Faust gegen seinen Herrn, schwieg aber doch.

"Ich will mir nicht den Verstand versaufen," fuhr Klütken-Hannes fort, "damit ich frisch bin, wenn mein grossmütiger Freund und gönner mich besucht. Ein vernünftiger Herr aber kann kein unvernünftiges Vieh zum Diener brauchen, siehst Du! Also couche und verschnarche den Höllenbräu, den Du angegeben hast. Mich brennen die Eingeweide, als hätt' ich glühendes Blei hinuntergeschüttet, Gott verdamm mich!"

So fluchend warf sich Elwirens unwürdiger Vater auf die Streu, zog die Kotze von Pferdehaaren über sich und fiel bald in dumpfen Schlaf.

Blutrüssel blieb noch geraume Zeit am Zechtisch sitzen und stierte bald in den sprützelnden Docht der Tranlampe, bald warf er gehässige, wilde Blicke auf den schlafenden Hannes. Endlich schob er den Schemel zurück und stand auf. Scheusslich rollten die grossen weissgelben Augäpfel unter seiner niedrigen Stirn, die spitzen Wolfszähne klappten ein paar Mal heftig auf einander, als seien sie begierig nach Frass. Dann fuhr er jäh in die Seitentasche seiner Jacke, ein langer spitzer Stahl funkelte