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bist?

Didlomdajom didlomdai,

Dass Du mir gestorben bist?

Was sollt' ich auf dieser Welt,

Wo mir Alles nachgestellt?

Didlomdajom didlomdai,

Wo mir Alles nachgestellt?

Immer dachte' ich dieses doch,

Würden uns bekommen noch,

Didlomdajom didlomdai,

Würden uns bekommen noch.

Jetzt nun weiss ich's ganz gewiss,

Nimmer kann geschehen dies,

Didlomdajom didlomdai,

Nimmer kann geschehen dies."

Stärkeres Röcheln unterbrach den melancholischen Gesang. Die hände fielen über einander und bewegten sich nur noch zuckend.

"Lasst uns beten!" sagte Sloboda und kniete nieder neben dem Bett der Greisin, die seiner Tochter um schnödes Gold und vielleicht aus Eitelkeit ihr Kind vorentalten und in's Elend verwiesen hatte. "Lasst uns beten für das Heil ihrer armen Seele! So wie wir vergeben, wird auch uns vergeben werden!"

Alle folgten dem Beispiele des alten Wenden, der mit lauter stimme aus vollem inbrünstigen Herzen ein Vaterunser betete, das die Uebrigen andächtig leise mitsprachen.

Während dieses Gebetes sang die Sterbende noch abgerissene Strophen ihrer Lieder, bald lustigen, bald traurigen Inhalts. Gegen den Schluss des Vaterunsers erhob sie noch einmal ihre stimme, und die Betenden verstanden deutlich die Worte:

"Schlösslein dort schimmert im roten Schein

Jedeweh!

Dort sind erzogen beide wir.

Tod ist der Vater, die Mutter mein,

Jedeweh!

Uns ist vergangen das Schmäuselein."

"Amen!" sagten die Betenden und erhoben sich. Die Schwarzwälder Uhr hob auf acht Uhr aus. Maja's hände waren kalt, aber sie holte in langen Pausen noch tief und röchelnd Atem und auf ihren Lippen schien immer noch Gesang zu schweben. Da schlug es acht, die Sterbende seufzte tief und laut:

"Ein Hemdelein nähe,

Jüdevoi!"

lispelte die Lippe und verstummte für immer. Mit dem letzten Schlage der Uhr war sie entschlafen.

Jürge, ihr Sohn, beugte sich über die tote, drückte ihr die Augen zu und reichte dann den Umstehenden in stummem Schmerz die hände. Sprechen und ihnen Dank sagen, dass sie der sündigen Mutter die letzte Stunde durch ihr Kommen erleichtert hatten, konnte er nicht. boda das Sterbezimmer. Ebenso folgten Aurel und Paul. Unter der tür drückte der Kapitän seinem jungen Freunde die Hand. "Jetzt zu unsrer Schwester!" sprach er tief bewegt. "Möge der gütige Gott seine Hand schirmend über sie gehalten haben, dass wir uns ihres Wiederfindens freuen können!" Schon nach einer Viertelstunde jagten die beiden Schlitten wieder der Haide entgegen auf einem Wege, der sich in der Richtung nach Boberstein im kristallbehangenen Dickicht verlor.

Drittes Kapitel.

Die Weberin.

An dem nämlichen Tage erhielt Graf Adalbert von seinem Bruder ein inhaltreiches Schreiben. Dieses Schreiben lautete wörtlich, wie folgt:

"Mein teurer Bruder.

Seit acht Tagen hat sich unsere Familie ver

mehrt. Wir sind nämlich jetzt der Brüder Boberste

in vier und möglicherweise finden sich in Kurzem

noch einige bisher unbekannte Geschwister zu uns,

angelockt von dem reichen Erbe, das wir besitzen.

Du wirst mich vollkommen verstehen, wenn ich

Dir mitteile, dass in der Tat ein wilder Sprössling

unsers hochseligen Herrn Vaters gerichtlich aufge

funden worden ist. Mem Sachwalter hehauptet, es

fehle nicht ein Jota zur vollkommensten Beglaubi

gung der Aechteit des neu entdeckten Boberstein,

und zuckt bedenklich die Achseln, wenn ich ihn

frage, wessen Wagschale steigen, wessen fallen

werde? Ich gestehe, lieber Bruder, dass mich diese

widerwärtige Angelegenheit, je länger sie sich hin

zieht, desto gleichgiltiger macht. Der Besitzende

bleibt doch immer im Recht, unser Grafentum

gitim im Besitz der Güter unseres Vaters und wenn

bei so bewandten Umständen überhaupt etwas für

uns Nachteiliges erzielt werden sollte, so kann es

sich schliesslich doch bloss um eine Abfindungssum

me handeln. Unter jetzigen prosperirenden Verhält

nissen können wir uns gern dazu verstehen. Will

ausserdem die Gerechtigkeitsliebe des Staates noch

ein Uebriges tun und unsern frisch ausgegrabenen

Bruder in den Grafen- oder Freiherrnstand erheben,

so können wir dabei ruhig zusehen. Es gibt eben

eine neue Linie Boberstein, von der die ursprüngli

chen, von dem Glanze ihres erlauchten Namens

durchdrungenen Erben des alten Geschlechtes

schwerlich Notiz nehmen werden.

Aber nicht wahr, Du bist begierig zu hören, wer

denn unser Bruder ist? Wo er lebt? Wie er sich im

Leben nimmt? Was er treibt und besitzt? – Nun,

das ist ein wahrhaft kostbarer Spass, ein Spass, wie

ihn kein Hofnarr zur Zeit, wo diese göttlichen

Witz- und Possenreisser an fürstlichen Hoflagern

noch Sitte waren, besser hätte erfinden können! Du

erinnerst Dich doch des Spectakels, von dem ich

Dir bei Deinem letzten Besuche Einiges erzählte.

Damals bezeichnete ich Dir den Fabrikarbeiter

Martell als den gefährlichsten Menschen unter all'

meinen Knechten. Und gerade dieser ungebildete,

wüste, leidenschaftliche Bengel ist unser älterer

Herr Bruder! Als ehrlicher Mann gestehe ich, dass

mich diese Entdeckung unangenehm berührt hat,

bloss deshalb, weil ich jetzt selbst an die Aechteit

seiner Geburt glaube. Der Mensch steht unserm

Herrn Papa zum Erschrecken ähnlich, wenn ihn die

leidenschaft erregt; und gerade diese Aehnlichkeit

ärgert mich, denn sie compromittirt uns. Deshalb

habe ich auch meine bereits früher gehegten und

entworfenen Pläne der Ausführung behutsam näher

geschoben. Besser ist es doch, unser Geschlecht al

lein zu repräsentiren, als immer und ewig von

einem zottigen Hungerleider angebellt zu werden,

dessen man sich eben so zu schämen, als ihn zu

fürchten hat.

Mir scheint daher, der von Dir gebilligte