Rollen und Stossen der tausend und abertausend Räder, die hier in ununterbrochener Bewegung waren.
"Wie kommt es," fragte Sloboda, eine gewundene Treppe hinansteigend, von der herab ihm ein unangenehmer warmer Oeldunst entgegenqualmte, "wie kommt es, dass die früheren Besitzer dieser alten in eine Spinnfabrik verwandelten Burg nicht mehr hier leben?"
"Die gräfliche Familie ist zu ansehnlich," versetzte Adrian, "als dass sie hier Raum finden würde. Und dann, was hätte sie auch mit einem wüsten Trümmerhaufen anfangen sollen?"
"Das Schloss brannte ab, ich erinnere mich," sagte Sloboda.
"So erzählt man. Ein Blitzstrahl setzte es in Flammen."
"Ein furchtbares Unwetter brachte ihm den Untergang!"
"Lebten Sie damals in der Nähe?" fragte Adrian. "Es interessirt mich, etwas über den Untergang dieser ehrwürdigen Stammburg des alten Grafengeschlechtes zu erfahren. Was ich bisher davon hörte, konnte mich nicht befriedigen."
"Wenn Sie erlauben, Herr am Stein, so teile ich Ihnen das, was ich selbst weiss, späterhin mit. Mein Freund, noch vertrauter mit der Vergangenheit, wie ich, kann vielleicht manchen Irrtum aufklären, manche Lücke ausfüllen. Die natur hat ihn mit einem wunderbaren Gedächtniss begabt."
"Ja das hat sie," bestätigte der Maulwurffänger mit einer Trockenheit im Tone, als fehle es ihm an geistiger Kraft. Adrian konnte sich kaum eines spöttischen Lächelns entalten, als er die wichtige Miene des Mannes dabei bemerkte, die wirklich einen auffallenden Ausdruck von Simplicität an sich trug.
"Ihr wart vermutlich dabei und saht den Blitz einschlagen, nicht so?" fragte Adrian spöttisch lächelnd.
"Wie Sie wollen," versetzte Heinrich. "Als der Rummel losging, machte mir's Spass, die alten Schiefertürme so lustig brennen zu sehen, und ich kann sagen, dass es selten ein hübscheres Feuerchen gegeben hat, bei meiner Mutter Seligkeit! nachher, wenn Sie Lust haben, alte Geschichten anzuhören, will ich Ihnen verteufeltes Zeug davon erzählen."
Noch während dieser Antwort des Maulwurffängers hatten sie den ersten ungeheuren Saal erreicht, in welchem die frische Wolle gekrempelt wurde. Hundert und mehr Mädchen und Knaben, in einem Alter von vierzehn bis sechzehn Jahren, schlecht gekleidet und von bleichem Ansehen, liefen ruhelos geschäftig hin und her, um die mit furchtbarer Schnelligkeit arbeitenden Maschinen zu bedienen. Der ganze weite Saal war mit einem trüben öligen Nebeldunst erfüllt, der aus den staubfeinen fast unsichtbaren Wollenteilchen gebildet ward, die immerwährend von den Maschinen abflogen. Häufiges abgebrochenes Husten der Arbeitenden fiel jedem Fremden auf und ward auch sogleich von Sloboda und Heinrich bemerkt. Es machte einen fast unheimlichen Eindruck, die vielen schlanken Gestalten stumm und traurig unter den rasselnden Maschinen in dieser brühwarmen, feuchten und fettigen Atmosphäre ewig hüstelnd umherwandern zu sehen, hände, Gesicht, Kleider und Haare mit feinen Wollenflöckchen bedeckt, die nicht selten an den reizbaren Stellen der Haut ein heftiges Jucken verursachten.
"Diese Arbeit muss anstrengen," sagte Sloboda, "und scheint mir nicht ganz unschädlich zu sein. arme Kinder, wie sie husten!"
Adrian lächelte. "Glauben Sie diesen intriganten Geschöpfen nicht," sprach er, "sie verstellen sich und heucheln einen krampfhaften Kitzel in der Kehle, der in Wahrheit nicht vorhanden ist. Ich will Ihnen erklären, woher dies kommt. Früher arbeiteten die Maschinen nur zehn Stunden täglich, in welcher Zeit sie abwechselnd von zwei sich ablösenden Parteien bedient wurden. Später, als das Maschinengarn mehr in Aufnahme kam und die Bestellungen sich häuften, ward die Arbeitszeit verlängert und der Lohn natürlich auch erhöht, während im Uebrigen die Verhältnisse ganz dieselben blieben. Bald aber reichte auch dies nicht mehr hin, und ich sah mich genötigt, die Maschinen Tag und Nacht, mit Ausnahme der Stunden von elf bis ein Uhr Nachts, ununterbrochen gehen zu lassen. natürlich muss ich nun auch die Arbeitszeit meiner Leute verlängern, wofür sie angemessen bezahlt werden. Allein diese Menschen, die anfangs froh waren, dass sie Arbeit fanden, und die ein schönes Geld verdienten und durchbrachten, können jetzt nicht mehr genug Lohn erhalten. In der Meinung, dass unser Gewinn in gleichem verhältnis stehe mit dem Mehrertrage, verlangen sie doppelten, ja wohl gar dreifachen Lohn, behauptend, es litte ihre Gesundheit bei den Maschinen, und weil ich auf so törichte und völlig unsinnige Forderungen bei den äusserst gesunkenen Preisen der baumwollenen Waaren nicht eingehen kann und will, verstellen sie sich und husten, als ob sie alle die Schwindsucht hätten. Doch ich lache zu solchen Maskeraden!"
"elf Stunden täglichen Aufentalts in diesem Oeldunst ist kein Genuss, Herr am Stein," sagte der Maulwurffänger. "Könnten Sie nicht, um die Maschinen zum Segen der Menschheit wirken zu lassen, die Arbeitszeit vierteilen und vier Parteien beschäftigen?"
Adrian sah den Alten mit grossen Augen an, verwundert über einen solchen Gedanken. "Das wäre der erste Schritt zum sichern Bankerott," versetzte er verächtlich. "Ich müsste dann wenigstens zwei Mal mehr Lohn geben, als jetzt, und hätte überdies noch mit der Widerspänstigkeit dieser nie zufriedenen Menschen unablässig zu ringen. Nein, es ist so besser, und ich rate Ihnen, mein lieber alter Herr, wenn Sie etwa in Russland das Maschinenspinnen einführen sollten, nie auf die Klagen Ihrer Arbeiter zu achten. Nachgibigkeit macht sie stets unzufrieden. Sie haben so wenig bei den Maschinen zu tun, dass man das Bischen