-Hannes mit einem Auflug von Sentimentalität in seiner stimme. "Ich bin zu Weihnachten beschenkt worden wie ein Fürst! Man liebt mich, denke Dir, liebt mich, den armen heruntergekommenen Trödler, der ohne Genever und Grog nicht mehr leben kann! Und wir beklagen uns, dass Gott die Seinen verlässt!"
"Schon betrunken und hat erst den zweiten Zug getan!" wieherte Blutrüssel, der in der Tat die ungewöhnliche Rührung und Weichheit seines Gastes dem Trunke und unzeitiger Betäubung zuschrieb. "Du bist wohl ein reicher Mann geworden im – Hinterstübchen?"
Blutrüssel zeigte dabei auf seinen Hinterkopf und verzog seine abscheuliche Fratze zu dem abschrekkendsten Lächeln.
"Lache, lache immer hin, so viel Du willst," entgegnete Klütken-Hannes, "ich sage doch: so ist es und es grenzt an's Wunderbare, dass es so ist! In der Tat ich bin reich, kann es wenigstens werden, wenn ich will und – mein Wort darauf – mir ist ganz so zu Mute, als hätte ich den Willen dazu!"
Von Neuem fiel Blutrüssel in ein heiseres wieherndes lachen. "Ich bitte Dich, blaugetüpfelter Glückspilz, teile mit mir, wenn Du reich sein wirst! Nimm mich altes Menschenwrack in's Schleptau und ziehe mich durch Wind und Flut in den stillen Hafen Deines Weihnachtsglückes. Denn ich kann Dich auf Ehre versichern, dass ich des Spielens und Saufens unter dem Reger- und Mulattenpack längst überdrüssig bin! Ich wäre auf und davon gelaufen, wäre ich noch jung und rüstig, aber in meinen Jahren und bei meinen Gewohnheiten lebt sich's immer am besten da, wo man warm sitzt und wo sich das leere Glas immer wie von selbst wieder füllt."
Blutrüssel hatte dies in einem spöttischen Tone gesprochen, der seinen Gast verhöhnen sollte. Allein Klütken-Hannes liess sich nicht davon anfechten. Er schüttelte seinen borstigen Kopf, schlug mit flacher Hand auf den Tisch und rief aus:
"Es gilt, Blutseele! Nehm' ich's an, so sollst Du mein Gefährte, mein Bruder sein!"
"Befiehlst Du wasser, Hänschen?" grinste der Gauner. "Dein Kellerloch ist feucht, Du bist daran gewöhnt, ich will Dir einen Kübel voll holen und Dir den Kopf damit waschen, bis Du wieder klar hörst und denkst!"
"Lass die Possen!" versetzte darauf der Trödler mit ärgerlichem Tone. "Ich war in meinem Leben niemals nüchterner, als eben jetzt. Was ich sage, ist wahrer als alle Evangelien zusammengenommen; wenn Du mir aber nicht glauben willst, so sieh!"
Klütken-Hannes fuhr in die tasche seiner Jacke und warf eine Hand voll dukaten auf den Tisch, stand dann auf und schüttete auch aus beiden Hosentaschen noch eine ansehnliche Summe in Gold- und Silbermünzen.
"Hast Du gestohlen?" fragte der Gauner, "oder einen Schatz gehoben?"
Klütken-Hannes fuhr auf. "Tausend Donner, wie oft soll ich's Dir Vieh denn in die Ohren schreien, dass es mir als Gottesgabe gradezu vom Himmel in den Schooss gefallen ist!"
"Das begreife ich nicht," entgegnete Blutrüssel zum ersten Male ein ungeheucheltes Erstaunen zeigend.
"Ist auch nicht vonnöten," versetzte der Trödler. "Ich habe das Geld, ich kann alle Tage noch einmal so viel wo nicht das drei- und Vierfache erhalten, wenn ich tue, was man verlangt."
"Du bist wirklich ein Glückskind! Da sieht man, dass es doch etwas auf sich hat mit der Abstammung!"
"Was Abstammung!" lachte Klütken-Hannes. "Kommst Du wieder einmal auf dies abgeschmackte Kapitel, das Du mir so oft vorsangst in besseren zeiten? Glück! Was will das sagen! Man wird meiner bedürfen, darum überschüttet man mich mit Gold."
"Aber wer, goldenes Paradiesvögelchen?" schmeichelte Blutrüssel mit seiner süssesten Flüsterstimme, während er einige Goldstücke erwischt hatte und sie spielend durch seine Finger gleiten liess. "Wer ist so unnatürlich dumm, einem Unbekannten solche Summen zuzuwerfen, ohne dass ein grosser Zweck im Hintergrunde ruht!"
"So ist es unstreitig. Und man kennt mich, Glotzauge! Man hat Gutes von mir gehört und traut nur 'was zu! Mein Talent als Mäkler muss viel in der Welt von sich haben sprechen machen, denn ich merke schon, dass man ähnliche Dienste wieder von mir verlangt."
"Du wirst immer rätselhafter, Hans! Bald werde ich Dich von einer Glorie umgeben erblicken, was Dir wundervoll zu Gesicht stehen muss!"
"Nun vielleicht bringt Dein Spitzbubenwitz mehr Zusammenhang in dies beantragte geheime Mäklergeschäft, als mir es zur Stunde hat gelingen wollen. Da lies den Brief! Vor drei Tagen erhielt ich ihn nebst einer Anweisung auf tausend Mark, die mir in rundem Gold und Silber heute baar ausgezahlt worden sind."
Klütken-Hannes reichte dem grinzenden Gauner einen sehr zerknitterten und mit allerhand Schmutzflecken besudelten Brief.
"Du weisst ja, ich kann bloss buchstabiren und noch dazu bloss Gedrucktes. Lies mir den Umsinn vor!" Der Trödler entfaltete nun das Schreiben und brachte mit vielen Unterbrechungen dessen mysteriösen Inhalt zusammen. Der Brief lautete:
"Werter Herr!
Es ist mir von einem schätzenswerten mann,
der Sie genau zu kennen die Ehre hat – 'Ehre!'
warf der Gauner ein. 'Teufel noch 'mal, den Lump
möchte' ich kennen